Erinnerungen an die alte Schwand

7.12.2009, 00:00 Uhr
«Bin das ich da auf dem Foto?»: Gemeinsam mit der Historikerin Renate Trautwein (links) schwelgten ehemalige Nachbarn und Bekannte in Erinnerungen an die Schwand.

«Bin das ich da auf dem Foto?»: Gemeinsam mit der Historikerin Renate Trautwein (links) schwelgten ehemalige Nachbarn und Bekannte in Erinnerungen an die Schwand. © Leberzammer

«Die da hinten, die mit den blonden Zöpfen, das bin ich», «Den Hasenstall, an den kann ich mich noch gut erinnern», «Und das war unser Nachbar, der später nach Amerika gegangen ist» - beim Anblick der zahllosen vergilbten Schwarzweißfotografien mit den gezackten Rändern sprudeln die Eindrücke vieler Leben nur so hervor. Manch lang Vergessenes gelangt so wieder zurück ins Bewusstsein.

«Ich hätte nie gedacht, dass so viele kommen.» Margit Göpfert schüttelt den Kopf und freut sich über das Stimmengewirr im Nebenraum der Gaststätte «Hellas». Gut 30 Frauen und Männer sind Göpferts Einladung gefolgt. Die 60-Jährige, selbst in der Schwandsiedlung aufgewachsen, will damit ihren Beitrag dazu leisten, alte Nachbarn und Bekannte wieder zusammenzubringen.

Buch in Planung

Für eine andere Frau bedeutet der Abend in der Gastwirtschaft, die früher Schwander Bräustüberl hieß, reiche Ernte. Renate Trautwein spitzt die Ohren, lässt sich Fotos zeigen und erklären, stellt gezielt Fragen. Die Historikerin will das Gesammelte verwenden, um ihre Ausstellung im Bunker «zu verbessern». Außerdem plane sie eine Broschüre, vielleicht auch ein kleines Buch über die Geschichte der Schwandsiedlung. «Das ist eine Frage der Finanzierung», so Trautwein.

60 Not- und Behelfswohnungen für Familien aus heruntergekommenen Altstadthäusern waren ab 1935 bezugsfertig. Nach heutigen Vorstellungen eigentlich unzumutbar - die nutzbare Wohnfläche für eine Familie betrug nicht einmal 30 Quadratmeter, ein Badezimmer gab es nicht, dafür Plumpsklos. «Für die damalige Zeit war es aber ein Luxus», erklärt Trautwein.

Doch darum drehten sich die Gespräche der ehemaligen Bewohner wenn überhaupt nur am Rande. Man freute sich, einander wiederzusehen und rätselte gemeinsam, wer denn wer sei auf den Fotos. Margit Göpfert will verhindern, dass man sich erneut aus den Augen verliert. Deshalb hat sie nicht nur Adressen notiert, sondern gleich das nächste Treffen angesetzt: Am Freitag, 29. Januar 2010, gibt es um 14 Uhr eine geführte Tour durch den Schwandbunker. Erinnerungen inklusive. ARMIN LEBERZAMMER