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Eröffnungstransparent sorgt für Wirbel

Elektromarkt Saturn macht Ende April auf - Nackte Tatschen verärgern einige Fürther - 09.02.2008

Der Stein des Anstoßes: Das Transparent, das seit Wochenanfang am Gebäude hängt. Beim Konzern Media-Saturn kann man die Beschwerden nicht nachvollziehen. © Matthias Kronau


Ende April also. Ursprünglich sollte der Elektrofachmarkt rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2007 seine Türen öffnen. Altlasten auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs und der hohe Grundwasserspiegel hielten die Arbeiten jedoch auf. Der Eröffnungstermin wurde auf «April oder Mai 2008» verschoben.

Jetzt prangt in großen Lettern «Ende April» auf einem Transparent am Gebäude. Einen genauen Tag will Markus Voß, Geschäftsführer von Saturn in Fürth, jedoch noch nicht nennen. Seit einigen Wochen läuft der Innenausbau. Gerade wurden die Aufzüge eingebaut, eine Treppe soll folgen. Dann geht es laut Voß daran, die Lüftung zu installieren und Teppiche zu verlegen. «Anfang April stellen wir die Regale auf und füllen das Haus mit Ware», sagt er. Das riesige Plakat, mit dem für die Eröffnung geworben wird, hat jedoch nicht alle Fürther mit Vorfreude auf die neue Einkaufsmöglichkeit erfüllt. Einige sind sogar verärgert. Der Grund: Zu sehen ist eine nackte Frau.

Erst aus der Nähe kann man erkennen, dass der Körper digital verfremdet ist, auf der Haut zeichnen sich Schaltkreise ab. Die Nackte, dargestellt von der südamerikanischen Schauspielerin Veronika Hugo, ist Hauptakteurin der Saturn-Werbekampagne, die den alten «Geiz-ist-geil-Slogan» abgelöst hat. Seit Herbst 2007 tummelt sie sich in Fernsehspots, in Prospekten und jetzt auch auf einem Transparent in Fürth.

Den Fürther Grünen-Politikern Dagmar Orwen und Kamran Salimi ist das zu viel. «Das Transparent entbehrt jeder Sachlichkeit und ist eine Beleidigung für jede Frau», klagen sie in einem Brief an die Fürther Nachrichten. Die Darstellung sei «frauenverachtend und sexistisch». Den beiden Grünen will es nicht in den Kopf, warum ausgerechnet eine nackte Frau für die Eröffnung eines Elektromarktes werben muss. Die Linien auf der Haut des Models erinnern die beiden an «ein Stück Fleisch, wie man es von Darstellungen in Metzgereien für Rinder und Schweine kennt». Sie fordern, das Transparent sofort zu entfernen, und wollen mit anderen «mit aller gebotenen Härte gegen diese Form der Werbung einschreiten».

Nach den Worten der Gleichstellungsbeauftragten Hilde Langfeld sind bei der Stadt bereits ein Dutzend Beschwerdeanrufe von Frauen eingegangen. Auch Langfeld beklagt, dass die Frau als «käuflich verfügbare Ware» dargestellt werde. Und auch sie fragt: «Was hat eine Nackte mit einem Elektromarkt zu tun?»

Bei Saturn zeigt man sich überrascht von der Kritik. «Es ist nur eine Kunstfigur - ein Cyborg», sagt eine Sprecherin des Unternehmens auf FN-Anfrage. Der Körper sei mit einer «Textur» überzogen, Geschlechtsteile daher nicht zu sehen. Die Kampagne verbinde Emotion und Technik, und laufe seit Herbst erfolgreich, ohne großen Wirbel zu verursachen. Ein Entfernen des Transparentes komme daher nicht in Frage. JOHANNES ALLES

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