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Dienstag, 07.04.2020

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Erster Unverpackt-Laden im Fürther Landkreis öffnet

Ende Februar geht es los für "Fräulein Unverpackt" in Zirndorf - 17.02.2020 21:00 Uhr

„Geht man bewusster um mit den Dingen, braucht man auch weniger“, sagt Frl. Unverpackt alias Anna Maurer-Weidemann. Sie will der Kundschaft ermöglichen, möglichst abfallfrei einzukaufen. © Hans-Joachim Winckler


Fräulein Unverpackt lässt keine Visitenkarten drucken, das widerspräche dem Geschäftskonzept. Stattdessen stanzt Anna Maurer-Weidemann, die hinter dem Laden mit dem Namen "Frl. Unverpackt" steckt, kreisrunde Kärtchen aus Kartonagen, in die die ersten Möbel fürs Geschäft verpackt waren. Ihre Kinder stempeln das Laden-Logo auf die eine und die Kontaktdaten auf die andere Seite des Pappstücks.

Noch ist das Geschäft leer bis auf zwei antike Kommoden, die den Verkaufstresen bilden werden. Am 29. Februar (9.30 bis 14 Uhr) eröffnet der erste Unverpackt-Laden im Landkreis Fürth in der Nürnberger Straße 40 von Zirndorf. Dann will die Oberasbacherin ihrer Kundschaft ermöglichen, abfallfrei einzukaufen, indem sie Reis, Gummibärchen oder Gewürze aus gläsernen Spendern in mitgebrachte Gefäße abfüllen.

"Möglichst wenig Müll, das ist genau mein Ding", sagt die 31-Jährige. Dafür hängte sie vergangenen Oktober ihren Job als Personalbeschafferin an den Haken, schrieb einen Businessplan und ist jetzt ihr eigener Chef. Dabei kann sie mit dem Begriff "Zero-Waste-Lifesyle" gar nicht so viel anfangen. Die Dame von der IHK Nürnberg musterte sie beim Beratungsgespräch ganz überrascht, als die Unternehmensgründerin in spe nicht in selbstgestrickten Socken daherkam.

Wie eine Ernährungsumstellung

"Keiner muss ein Öko oder Veganer sein, um unverpackt und nachhaltig einzukaufen." Aber im normalen Supermarkt kommt man um Verpackungsmüll nicht herum, auch Maurer-Weidemann nicht. Extra nach Fürth oder Nürnberg zu fahren, um die dortigen Unverpackt-Läden aufzusuchen, war aber auch der Oberasbacherin zu aufwändig.

Sie hat vor zwei Jahren begonnen, ihren Lebensstil zu ändern. "Das ist ähnlich wie eine Ernährungsumstellung, am besten beginnt man langsam, sodass man sich nicht zu stark unter Druck setzt, zum Beispiel mit dem Stück Seife statt der flüssigen im Plastikspender." Damals fing Maurer-Weidemann an, ihre Bade-Artikel aufzubrauchen, "durch bin ich bis heute nicht". Doch je weniger Pflegemittelchen herumstehen, desto besser gefällt es ihr. "Das ist wunderbar, plötzlich ist die Dusche aufgeräumt."

Dann zogen Wassersprudler in ihren Vier-Personen-Haushalt ein und selbst gefertigte Bienenwachstücher, die wiederverwendbar sind und die Frischhaltefolie ersetzten. Schließlich war der Putzschrank dran: "Im Discounter bekommt man für jeden Dreck ein eigenes Mittel." Maurer-Weidemann reicht der Orangenreiniger, den sie selbst ansetzt: Mit Schalen von Zitrusfrüchten in Essigessenz. "Damit putz’ ich alles."

Weil den jeder selbst mischen kann, setzt sie im Laden stattdessen auf das Produkt eines Münchner Start-up-Unternehmens, das umweltfreundliches Putzmittel in Form von Tabs anbietet: In Wasser gelöst ergeben sie ein Konzentrat als Allzweckreiniger, fürs Bad und Glas. Seifen liefert die Seifenmanufaktur Schleicherei in Fürth, die von Badesprudelkugeln über handgesiedete Seifen bis zu Badesalzen alles selbst herstellt.

Mit den Preisen im Discounter könne sie nicht konkurrieren. "Aber nur weil Zero Waste draufsteht, muss es nicht das Doppelte kosten", meint sie. Teurer käme das Leben ohne Verpackungsmüll trotzdem nicht. "Denn wenn man bewusster umgeht mit den Dingen, die man hat, braucht man auch weniger." Das Lebensmittelsortiment ist, so weit möglich, aus biologisch-ökologischem Anbau und regional. Der Hauptlieferant sitzt in Erlangen und liefert in Pfand-Eimern oder Säcken aus Altpapier. Trockenware wie Mehl, Grieß, Nudeln oder Nüsse gibt es in allen Variationen.

Kaffee, in Zirndorf geröstet

Außerdem im Programm ist kolumbianischer Hochlandkaffee von der Zirndorfer Rösterei "Roestkaffee". Nicht zu haben ist Gekühltes oder Obst. Mangels Platz, und weil Fräulein Unverpackt den ansässigen Händlern nur ein paar Meter weiter oben in der Nürnberger Straße keine Konkurrenz machen will.

Von weiter her kauft Anna Maurer-Weidemann nur Produkte ein, von denen sie absolut überzeugt ist. Etwa den Rasierhobel aus der Oberpfalz: Er gleicht dem Nassrasierer aus Plastik, ist aber aus Stahl, der Stiel aus Bambusholz. "Bei guter Pflege hält der ein Leben lang." Zudem macht er noch eine Ausnahme: Er ist in Pappe verpackt. Aus Sicherheitsgründen. Denn: Die rasiermesserscharfen Klingen offen zu verkaufen, ließe die Gewerbeaufsicht sicher nicht zu.

Die Entscheidung für den Standort in Zirndorfs Zentrum war wohl überlegt. Mit Laufkundschaft sei es in der Wohnstadt Oberasbach nicht weit her, sagt Maurer-Weidemann. Anders in der Nürnberger Straße: "Die Erreichbarkeit ist super, der Bahnhof nicht weit, der Bus hält fast vor der Tür und Parkplätze gibt es auch." Die Leerstandsproblematik hält sie für gar nicht so massiv. "Ich bin in einem Super-Gebiet gelandet", sagt sie. "Die Händler, die hier angesiedelt sind, lieben, was sie tun."

Sabine Dietz

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