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Es nervt: Schnaken-Invasion in Fürth

Pfützen und warme Temperaturen bieten beste Bedingungen - 26.05.2017 16:00 Uhr

Die Stechmücken nerven wieder © colourbox.com


Auch Rainer Poltz hatte kürzlich unliebsamen Besuch in seiner Wohnung in der Südstadt. Zwei Stechmücken drohten, ihm eine unangenehme Nacht zu bereiten. Doch anstatt ihnen den Garaus zu machen, fing er sie mit der Hand ein, um sie wieder in die Freiheit zu entlassen. "Das ist so ein Tick von mir", gesteht der Vorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz in Fürth. Mit Wespen geht er übrigens genauso feinfühlig um, trotzdem hat er Verständnis dafür, dass andere lieber kurzen Prozess mit den Plagegeistern machen.

Eine Erklärung, warum gerade jeder Aufenthalt im Freien schnell mit juckenden Pusteln auf der Haut endet, hat Poltz ebenfalls. Zurzeit sind die Bedingungen für Schnaken und Co. einfach ideal, sagt der Biologe. Zunächst regnete es ausgiebig, was dazu führte, dass die Stechmücken perfekte Verhältnisse vorfanden, um sich zu vermehren. Dazu braucht es nämlich stehende Gewässer, also jene Tümpel, wie sie nach dem Hochwasser etwa im Wiesengrund zurückblieben.

Auch kleinere Pfützen reichen oft schon aus - weshalb sich die lästigen Insekten auch abseits der Flussauen finden lassen. Ein Blumentopf, ein Eimer oder die Regentonne genügen, damit dort binnen weniger Wochen die nächste Brut schlüpfen kann. Die Eier benötigen Wasser, worauf sie wie ein kleines Schiffchen schwimmen, erklärt Poltz. Einzig um die Nachkommen geht es den Weibchen übrigens beim Stechen. Um Eier entwickeln zu können, brauchen sie Blut. Und weil die Witterung im Moment warm und trocken ist, haben die Plagegeister auch zum Umherfliegen beste Voraussetzungen.

Licht aus

Abhilfe schaffen, so Poltz, die üblichen Maßnahmen: Beim abendlichen Lüften sollte das Licht ausgeschaltet sein, außerdem wehren Moskitonetze die Störenfriede ab. Wer sich draußen aufhält, sollte sich einschmieren und lange Kleidung tragen.

Daneben können die Fürther auf die Hilfe der natürlichen Feinde der Stechmücke zählen. Schwalben und Mauersegler etwa. Sie verfüttern während der Brutzeit wahre Mengen an Insekten - darunter natürlich Schnaken. Mehlschwalben, die übrigens auch in der Stadt nisten, kredenzen ihren Jungvögeln rund ein Kilo Insekten. Das hat eine Studie ergeben.

Anfang Mai hatte anhaltender Regen die Rednitz an der Siebenbogenbrücke über die Ufer treten lassen — und so perfekte Bedingungen für die Eier von Stechmücken geschaffen. Inzwischen sind die Larven geschlüpft und piesacken alle, die gegenwärtig die angenehmen Temperaturen im Freien genießen wollen. © Foto: Birgit Heidingsfelder


Zwei bis drei Mal im Jahr brüten die Altvögel, so dass zwei bis drei Kilo oder ein bis eineinhalb Millionen Insekten zusammenkommen. Ähnlich sieht es bei den Mauerseglern aus. Ein bis zwei Kilo Mücken, Käfer und Spinnen fangen sie für ihren Nachwuchs, wobei sie allerdings nur eine Brut aufziehen. Bedenkt man, dass beide Arten in Kolonien brüten, kommt eine veritable Summe zusammen. Das Problem: Die Vögel finden immer weniger Nistmöglichkeiten in Zeiten, in denen alle Ritzen und Spalten an Häusern energetischen Sanierungen zum Opfer gefallen sind. Rainer Poltz rät daher, spezielle Nistkästen für die gefährdeten Tiere anzubringen.

Wer auf diesen Erfolg nicht warten will, dem empfiehlt Özge Arslan ätherische Öle mit Zitrusduft. "Der Geruch hält Stechmücken fern", sagt die pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte der ABF-Apotheke in der Breitscheidstraße, wo man auch auf das Produkt setzt. In den Räumen wird es vernebelt, um Schnaken abzuschrecken. In den vergangenen Tagen habe man etliche Körpersprays und Gels zum Einreiben verkauft, verrät Arslan der Blick in den PC. Auch juckreizstillende Cremes waren gefragt. Özge Arslan übrigens stört sich wenig an den Plagegeistern. "Mich mögen die nicht", sagt sie mit einem Lachen. "Ich komme meistens gut davon."

GWENDOLYN KUHN

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