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Es war einmal ein Band-Projekt

Ein großer Spaß: "Die Bremer Stadtmusikanten" begeistern im Stadttheater - 04.12.2019 12:00 Uhr

Tanzende, tobende und sehr menschliche Meute (v.li.): Hund (Lucia Friedl), Hahn (Boris Keil), Katze (Hannah Candolini) und Esel (Tristan Fabian) zieht’s Richtung Norden. © Foto: Markus Kohler


So ein Leben als Bruder Grimm muss doch nett gewesen sein. Tag aus, Tag ein nix als irre Geschichten und sagenhafte Typen um die Ohren. Wach werden mit Schneewittchen, mittags auf ein paar Worte mit Rumpelstilzchen, und zur Nacht schauen die sieben Zwerge vorbei. Als Sahnehäubchen stempelt die Nachwelt einen dann noch als Märchenonkel ab.

Wirklich fein. Aber leider kompletter Blödsinn. Jacob und Wilhelm Grimm waren Umstürzler, Sprach-Helden, Retter beinahe verlorener Erzählschätze. Ihren Märchen haftet nichts Possierliches an. Ihr "Es war einmal" ist nie der Anfang einer Mär aus dem glückseligen Wolkenkuckucksheim. Das Wunderbare ist denn auch: Im Stadttheater kommen "Die Bremer Stadtmusikanten" jetzt ohne Schmus auf die Bühne - und sind ein Riesenspaß.

Vier Tiere, altgediente Arbeitskräfte, werden ausgemustert. Die Katze ohne Zähne taugt nicht mehr zur Mäusejagd. Dem müden Esel ist die Last zu schwer geworden. Der Hahn versagt als Wecker, dem Hund fehlt längst irgendwie der Biss. Als wär’s ein Stück aus den Kindertagen der Industrialisierung, stehen die vier fassungslos vorm ultimativen Aus. Nur der Esel benimmt sich nicht wie ein Esel, sondern setzt auf Plan B. Richtig, dieses Band-Projekt in Bremen.

Die Geschichte hat also Ecken und Kanten – und zündet trotzdem vom Start weg im Zuschauerraum. Packend erzählt (von Annalena Küspert nach dem Märchen der Brüder Grimm), mitreißend inszeniert und gespielt gelingt das Kunststück, sowohl Kinder als auch Erwachsene zu begeistern. Regisseur Stefan Butzmühlen hat dem Vergnügen Tempo verpasst, lässt klettern, tanzen, toben, greift zu Schattenspielen und Licht-an-Licht-aus-Effekten. Tristan Fabian (Esel), Boris Keil (Hahn), Lucia Friedl (Hund) und Hannah Candolini (Katze) sind, ja, einfach tierisch gut. Sie alle zeichnen Tierfiguren, die niemals affektiert-niedlich sind, sondern charakteristisch, sehr lustig, liebenswert und sehr menschlich.

Ihnen gegenüber steht ein Schurken-Trio vom Feinsten. Respekt. Räuberhauptfrau Sunna Hettinger strahlt eine so überzeugende Street-Credibility aus, da kommen keine Fragen auf, wer hier der Babo ist. Richtig raffiniert rappen kann sie auch, genau wie ihre diebischen Mitarbeiter, Räuber Piet (Felix Geiwagner) und Räuber Knut (Clara Sindel).

Das Ensemble des Stadttheaters bringt mit Studierenden der Regensburger Akademie für Darstellende Kunst Bayern all das ein, was bitteschön zu einem Weihnachtsmärchen gehört: eine manchmal beinahe schon akrobatische Körperlichkeit, Ohrwurm-Songs (Musik: Rob Stephan) und Bilder, die auch nach der Vorstellung noch eine Weile im Kopf bleiben. Dafür hat Laila Rosato mit einer prallen Ausstattung gesorgt, die richtig viel zum Gucken bietet und in jeder Situation prima funktioniert.

Noch eines darf natürlich nicht fehlen: die Moral von der Geschichte. Eine ganze Handvoll gibt es diesmal sogar. Denn bei diesen Stadtmusikanten geht es um Freundschaft und Zusammenhalt, um gelebte Diversität, Mut und Zuversicht in jeder Lage. Wir wissen jetzt: Etwas Besseres als der Tod findet sich überall.

Klingt das märchenhaft? Mag sein. Im Stadttheater kann man sich jetzt aber auf jeden Fall ansehen, wie’s glücken kann.

Info"Die Bremer Stadtmusikanten": Stadttheater, ab 6 Jahre. Weitere Termine: heute (10 Uhr), 8. (15 Uhr), 9.-13. (10 Uhr), 15. (15 Uhr), 16.-19. (10 Uhr), 25. (18 Uhr) und 26. Dezember (15 Uhr). Karten in der FN-Geschäftsstelle (Schwabacher Straße 106, Tel. 2 16 27 77) und an der Theaterkasse.

Sabine Rempe

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