Sonntag, 08.12.2019

|

Ex-Pirate spielt für Profi-Nachwuchs in den USA

Baseball: Niklas Rimmel ist in Florida aktiv und träumt von der MLB-Karriere - 01.12.2019 21:00 Uhr

Drei spezielle Würfe beherrscht Niklas Rimmel als Pitcher im Baseball schon. An einem vierten arbeitet der ehemalige Spieler der Fürth Pirates gerade. © Foto: Quirin Seilbeck


Der in Herzogenaurach aufgewachsene Rimmel weiß wovon er spricht, wenn er einen Baseball in die Hand nimmt und seine Würfe erklärt. Der Pitcher (Werfer) zeigt, wie er seine Finger im Verhältnis zur Ballnaht positioniert, welche Fuß- und Armhaltung er einnimmt und wie er schließlich wirft. Bisher beherrscht er drei professionelle Würfe: Fastball, Curveball und Changeup – jeder auf seine eigene Art und Weise tückisch.

Doch in einer Sache ähneln sich alle Würfe: Sie sollen den Schlagmann – im Fachjargon Batter genannt – mithilfe von Effet (Drehung) maximal verunsichern. In der vergangenen Saison klappte das schon: "Ich bin ziemlich zufrieden, hatte gute Statistiken als Pitcher", erinnert sich Rimmel. Und trotzdem: Verbesserungsbedarf gebe es immer, "das liegt an meiner perfektionistischen Mentalität."

Professionalität wird in den USA groß geschrieben. Das zeigt Rimmels Tages- und Wochenablauf bei den GCL Twins, die in Fort Myers, Florida, beheimatet sind. Gleich nach dem Frühstück folgen zwei Stunden Warm-Up. Während der Saison finden bis zu sechs Spiele pro Woche statt. "Das ist eine ganz andere Intensität als in Deutschland", konstatiert der 1,95 Meter große Baseball-Spieler.

Für Tourismus blieb da kaum Zeit. An spielfreien Tagen stehe eher Erholung für den Körper im Vordergrund, erzählt Rimmel, und verweist auch auf die extrem hohe Luftfeuchtigkeit in der Region. Florida ist der südöstlichste Bundesstaat der USA und grenzt sowohl an den Atlantik als auch an den Golf von Mexiko. "Um 15 Uhr kann man fast täglich die Uhr stellen und warten bis es zu regnen beginnt. Man hat das Gefühl, ständig in einer Sauna Baseball zu spielen."

Doch mit dieser Witterung musste Niklas Rimmel zurechtkommen und trotzdem seine Leistung abrufen, denn die Konkurrenz ist groß bei einem MLB-Nachwuchsteam. "Auf Accountability legen die Trainer großen Wert", erzählt der 20-jährige. Das bedeutet, dass man stets verlässlich sein soll – auf und neben dem Platz. In diesem Jahr absolvierte er erstmals eine ganze Saison am Stück. Im Vorjahr stieß er auf Grund seines Abiturs in Regensburg erst verspätet zum Team hinzu und konnte somit nur für etwa einen Monat seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. "Aber dieses Jahr habe ich durchaus überzeugt, oft von Anfang an gespielt und gezeigt, dass ich der Liga standhalten kann", resümiert Rimmel.

Das Nachwuchsteam der GCL Twins tritt in der gleichnamigen, sechstklassigen Golf Coast League (GCL) an. Sein persönliches Ziel lautet: Möglichst jährlich eine Liga höher spielen, um dann im Alter von 25 oder 26 Jahren in der berühmten MLB zu debütieren. Ob er 2020 seine Zelte schon eine Liga weiter oben aufschlagen darf, steht noch nicht fest. "Das hängt vom Ablauf der Off-Season hier in Regensburg und der Saisonvorbereitung in den USA ab", schätzt Rimmel. Wichtig sei auch, vom Verletzungspech verschont zu bleiben.

Das war bisher der Fall und ermöglichte ihm nach seiner Rückkehr nach Deutschland, im September mit der Nationalmannschaft an der Europameisterschaft in Solingen und Bonn teilzunehmen. Mit Lukas Steinlein und Sascha Lutz standen auch zwei weitere ehemalige Spieler der Fürth Pirates im Kader. Es winkte die Qualifikation zu Olympia 2020 in Tokio. Dieses Ziel verfehlte die mit vielen jungen Spielern gespickte Mannschaft mit Platz sechs denkbar knapp. Aber: "Wir konnten dort mit den Topteams absolut mithalten", meint Rimmel.

Spanisch lernen für die Teamkollegen

Bevor es im Februar wieder zur Saisonvorbereitung nach Florida geht, nutzt er die Zeit im Regensburger Sportinternat, das direkt an die Baseball-Arena des Bundesligisten "Buchbinder Legionäre" angrenzt. Er absolviert nicht nur drei Stunden individuelles Training, sondern trainiert auch den dortigen Nachwuchs. Außerdem besucht er eine Sprachschule, um Spanisch zu lernen. Dadurch falle ihm zukünftig der Wortwechsel mit seinen lateinamerikanischen Mitspielern wesentlich leichter.

Der Blick richtet sich dabei aber auch in die Zukunft: "Für den Fall, dass es mit der großen Baseballkarriere nicht klappt, kann es nicht schaden, zwei der wichtigsten Fremdsprachen zu beherrschen."

 

Quirin Seilbeck

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth