Samstag, 14.12.2019

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Fahrer fehlen: Fürther Taxis lassen auf sich warten

Auch in der Comödie sind Engpässe schon aufgefallen - 15.11.2019 06:00 Uhr

Auch wenn es in Fürth 80 Taxis gibt – wer eines benötigt, muss oft länger als vermutet darauf warten. © Foto: Horst Linke


Immer öfter beobachtet Comödie-Chef Volker Heißmann, dass einige der Besucher, die nach einer Aufführung in der Comödie nach draußen strömen, recht lange dort verweilen müssen. Der Grund: Das Taxi lässt auf sich warten. Manchmal müssen seine Mitarbeiter bei der Taxizentrale nachhaken, wo das bestellte Transportmittel bleibt.

Besonders eklatant sei der Mangel samstags zwischen 17 und 20 Uhr. "Da wurde mir in der Zentrale auch schon gesagt, dass in Fürth nur fünf Wagen unterwegs sind," sagt Heißmann kopfschüttelnd. Immer wieder müsse man sich in der Comödie ärgern, weil man nicht wisse, ob oder wann das Taxi komme.

Aber auch wenn er privat mal ein Taxi brauchte, hat Heißmann schon schlechte Erfahrungen gemacht. Man warte lange – oder sogar vergeblich. "Ich würde wirklich öfter mit dem Taxi fahren, wenn es schneller und verlässlicher käme", sagt er – und glaubt, dass es vielen so geht wie ihm.

Thomas Malter sind solche Beschwerden nicht unbekannt. "Zu bestimmten Zeiten gibt es immer mal wieder Probleme", räumt Malter, einer der Vorstände der Taxizentrale, auf FN-Anfrage ein. Die Krux sei in Fürth, wie auch in anderen deutschen Großstädten, dass es zu wenige Fahrer gebe. Rund 200 arbeiten in Fürth; 80 Fahrzeuge mit einer Lizenz stehen ihnen zur Verfügung.

"Der Beruf scheint nicht mehr attraktiv zu sein", bedauert Malter, der selbst seit 26 Jahren Taxi fährt. Früher haben sich gerade junge Menschen so ihr Studium finanziert. Das gebe es heute kaum mehr. So eingespannt seien sie mittlerweile an den Hochschulen, dass keine Zeit mehr für diesen Nebenjob bleibe, glaubt er. Zudem nehme die Bereitschaft ab, am Wochenende, an Feiertagen oder nachts hinter dem Steuer zu sitzen. "Die meisten Menschen wollen am liebsten von acht bis 16 Uhr arbeiten", sagt Malter.

Hinzu kommt: Da Taxiunternehmer auf selbständiger Basis arbeiten und lediglich über die Vermittlung Fahrten angeboten bekommen, lässt sich nicht regulieren, wer wann im Einsatz ist. Um Engpässe zu vermeiden, kriegen alle Fahrer einmal in der Woche eine Mail, die auf voraussichtlich stark frequentierte Veranstaltungen, etwa Konzerte oder Messen, hinweist, sagt Malter.

Baustellen sind Zeitfresser

Trotz möglichst vorausschauender Planung gebe es immer wieder unvorhersehbare Ereignisse, die dazu führen, dass Wagen knapp werden. Malter denkt dabei vor allem an Pannen bei der Bahn. Dann müssen immer wieder Taxis als Schienenersatzverkehr herhalten. Auch Baustellen und Fahrten ins Umland sorgten für Verzögerungen.

Dass es Engpässe gibt, bestreitet Malter nicht. Allerdings glaubt er auch, dass die Menschen heute ungeduldiger sind als früher. "Wer ein Taxi ruft, erwartet, dass es unmittelbar danach vor der Tür steht." Volker Heißmann beobachtet diese Tendenz ebenfalls: "Wenn ich aber schon ein gebranntes Kind bin, steigt auch die Ungeduld."

Etwas helfen könnten der Digitalfunk und die Taxi-Apps (cab4me und Taxi-Deutschland), über die man neuerdings auch in Fürth einen Wagen ordern kann. Die Anfrage geht direkt an das Taxi, das sich bereits in der Nähe befindet. Dies sei meist schneller als der Weg über die Zentrale, die immer nur einen Anruf entgegennehmen könne, sagt Malter.

Der Kunde wiederum bekommt angezeigt, wie lange er warten muss. Die neue Technik sorgt auch dafür, dass der Funk in den Taxis wegfällt – und der Fahrgast keine Nachrichten mehr mithört, die nicht für ihn bestimmt sind.

Vielleicht könnten ab kommendem Jahr aber auch mehr als die derzeit 80 zugelassenen Taxis in Fürth unterwegs sein. Dann nämlich überprüft die Stadt wieder, wie sie es in regelmäßigen Abständen tut, ob die Zahl der Lizenzen noch ausreichend ist oder ob sie erhöht werden muss.

Gwendolyn Kuhn

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