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Fahrradverleih: Bloß keinen Ramsch!

Die Fürther Zweiradlobby über Konsequenzen aus dem Münchner oBike-Desaster - 05.04.2018 06:00 Uhr

Die wild abgestellten oBikes haben in der Landeshauptstadt für viel Ärger gesorgt. Weil der Vandalismus überhandnahm, hat der Anbieter aus Fernost nun den Rückzug angetreten. © Foto: Dittmar


Auch wenn Leihfahrräder in Fürth noch Fehlanzeige sind, hält sich das Interesse an minderwertiger Massenware hier in Grenzen. Die Fahrräder aus München möchte man hier keinesfalls entdecken. Während die Fahrradlobby an den Fernost-Produkten technische Defizite – etwa das Fehlen von Gangschaltungen und unkomfortable Vollgummireifen – beanstandet, geht in der Stadtverwaltung die Sorge um eine Verschandelung des Stadtbildes um.

Könnte oBike die Räder aber tatsächlich hier einfach so aufstellen? Von einer rechtlichen Grauzone spricht der Leiter der kommunalen Verkehrsplanung, Matthias Bohlinger. Denn eigentlich ist das Abstellen von Fahrrädern auf Gehwegen und im Fußgängerbereich genehmigungsfrei. Da die mit GPS ausgestatteten oBike-Räder ohne feste Standorte auskommen, braucht es auch keine Sondernutzungserlaubnis des Tiefbauamtes, wie Amtsleiter Hans Pösl erläutert.

Aus dem Münchner Experiment zieht der Fürther Kreisvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Olaf Höhne, den Schluss: "Quantität ist nicht alles." Leihfahrräder minderer Qualität seien anfällig für Zerstörungswut. Wenn sie dann auch noch überall abgestellt werden können, werde die Wartung zum Problem. Fotos von in der Isar versenkten, beschädigten und zusammengeworfenen Plasikrädern haben in München hohe Wellen geschlagen.

Höhne warnt ferner vor versteckten Fallen wie hohe Regressforderungen bei unsachgemäßer Rückgabe und offene Fragen des Datenschutzes. Was nach Ansicht des Fürther ADFC-Kreisvorsitzenden vermieden werden sollte, sind unterschiedliche Verleihsysteme im Ballungsraum.

Chance für Fürth

Eine Chance sieht Höhne indes darin, dass die VAG nun die Leihräder des Leipziger Anbieters Nextbike übernimmt, die in Nürnberg im Rahmen eines Förderprojekts unter dem Namen Norisbike auf die Straße kamen. Der Fürther Verkehrsbetrieb sollte sich daran beteiligen, damit der Nahverkehr homogen ergänzt werde.

Nextbike bleibt auch künftig Betreiber der VAG-Leihfahrradflotte. Für Nextbike-Sprecherin Mareike Rauchhaus ist neben einem gewissen Qualitätsstandard der Räder ein Verleihsystem mit festen Standorten wichtig für den Erfolg. Ein Mindestmaß an Ordnung müsse sein, auch wenn es nach Ansicht von Rauchhaus gar nicht genug Leihfahrräder geben kann. Zum Decken des Bedarfs in der Landeshauptstadt zum Beispiel wurden immerhin 12 000 Räder angepeilt. Und laut Studien für die urbane Mobilität bräuchte München sogar 30 000 bis 45 000 Leihräder.

Derzeit bieten die Münchner Verkehrsbetriebe jedoch gerade mal 1200 Räder an 120 Stationen an. 2000 weitere sind bestellt. Hinzu kommen 1200 Räder der Deutschen Bahn.

Dagegen wirken die Fürther Gehversuche in Sachen Leihfahrräder lächerlich. Gerade mal 25 hatte Nextbike an drei Stationen von 2008 bis 2010 im Einsatz, bevor sich das Unternehmen auf Nürnberg konzentrierte, wo 1,9 Millionen Euro Fördermittel des Verkehrsministeriums fürs Projekt Norisbike lockten. Auch Stein beteiligte sich. Die Flotte umfasste 700 Räder an 70 Standorten. Fürth war außen vor.

Fatal am Scheitern von oBike in München ist für Mareike Rauchhaus der Imageschaden, der auf die gesamte Branche ausstrahle. Zudem hält sie das Geschäftsmodell ohne Partner bei den Verkehrsbetrieben für unseriös. Rauchhaus vermutet, dass die Weitergabe der persönlichen Nutzerdaten und Bewegungsprofile für Werbezwecke zur Finanzierung beitrage. Schließlich seien Internetfirmen auch die Geldgeber der Fahrradschwemme.

Olaf Höhne fordert, Leihfahrradanbieter auch datenschutzrechtlich unter die Lupe zu nehmen. In Fürth setzt der ADFC indes auf eine Marktnische und arbeitet derzeit am Aufbau eines Lastenfahrrad-Verleihs. Ein gespendeter Prototyp steht, wie berichtet, zur Verfügung. Doch versicherungsrechtliche Fragen verzögern den Start. Es geht um die Haftung für Unfälle, die auf mangelhafte Wartung zurückgeführt werden können.

Um auf die Vorzüge der schadstofffreien Kleintransporter aufmerksam zu machen, wurde am Rand der jüngsten Fahrradmesse in Fürth die Vielfalt der Transportfahrräder bei einem Treffen der Szene vor Augen geführt. Von der Stadthalle radelte der Pulk bis auf den Solarberg.

Volker Dittmar

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