Bundestagswahl

Fairtrade: Was tun die Fürther Kandidaten?

30.8.2021, 17:46 Uhr
Menschenwürdige Arbeitsbedingungen und entsprechende Löhne für Produzenten und Arbeitende, hier Teepflücker auf einer Plantage im afrikanischen Malawi – auch darum geht es beim Thema Fairtrade.

Menschenwürdige Arbeitsbedingungen und entsprechende Löhne für Produzenten und Arbeitende, hier Teepflücker auf einer Plantage im afrikanischen Malawi – auch darum geht es beim Thema Fairtrade. © Foto: imago images/Le Pictorium

Das wollten Fairtrade Deutschland, das Forum Fairer Handel und der Weltladendachverband von ihnen wissen. Zu einer Online-Diskussionsrunde hatten deshalb die Steuerungsgruppen von fünf Fairtrade-Städten aus dem Fürther Landkreis – die Kommunen Roßtal, Oberasbach, Stein, Veitsbronn und Cadolzburg – kürzlich eingeladen.

Grundsätzlich, das bestätigten zu Beginn alle Parteienvertreter, würden sie einen gerechteren Welthandel begrüßen. Anschließend wurden aber schnell die teilweise großen Unterschiede zwischen den Vorstellungen der Direktkandidaten aus den verschiedenen politischen Lagern deutlich.

"Viel Zeit bleibt nicht mehr"

Klaus John von der ÖDP betonte, dass er die fünf Ziele zu 100 Prozent befürworte. "Doch so lange die Gewinnmaximierung an erster Stelle unserer Werte steht, wird sich nichts ändern." Man würde jetzt auf entscheidende Kipppunkte, zum Beispiel bei Regenwald und Golfstrom, zusteuern, sagte John und mahnte: "Viel Zeit bleibt nicht mehr. Dann ist Schluss, meine Damen und Herren, auf diesem Planeten."

Deutlich weniger dramatisch beurteilte Thomas Kestler (FDP) den weltweiten Zustand. Der Direktkandidat für den Wahlkreis Ansbach war für den terminlich verhinderten Daniel Bayer eingesprungen.

Zu gewichtige Fairtrade-Vorgaben würden die Angebots- und Nachfragestruktur verzerren, meinte der Liberale. Weltweit sei die extreme Armut in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, der normale Welthandel in dieser Zeit gewachsen. "Handel reduziert Armut", schlussfolgerte Kestler.

Staat sollte mehr eingreifen

Von dieser Sichtweise deutlich abgrenzen wollte sich Hermann Ruttmann von den Linken. Die weltweite Armutsschere sei sehr wohl weiter auseinandergegangen. "So falsch wie die FDP kann man die Statistiken gar nicht interpretieren. Der Markt funktioniert nicht und der Markt regelt nichts vernünftig", kritisierte der Linkenpolitiker. Aus seiner Sicht sollte der Staat viel mehr eingreifen, konkret: nachhaltige Hersteller subventionieren, ausbeutende Unternehmen sanktionieren.

Das Thema Ausbeutung von Rohstoffen durch Konzerne hatten auch die Zuschauenden der virtuellen Runde auf dem Schirm. Wie man diese stoppen könnte, fragten sie im Chat. Dies beantwortete Tobias Winkler (CSU) mit mehr Freihandelsverträgen. Er wolle keinesfalls feste Kontingente vorgeben, wie viele Rohstoffe die Industrie verbrauchen dürfe.

Zudem sei es aufgrund der verschiedenen Rechtslagen in Teilen der Welt sehr schwierig, Verbindlichkeit über Gesetze zu schaffen. Nur über Verträge habe man echte Interventionsmöglichkeiten. So könnte man zum Beispiel Erzeuger in Brasilien unterstützen, wenn diese dafür auf die Regenwaldrodung verzichteten.

Die Wichtigkeit von Handelsverträgen unterstrichen auch Kestler und John in ihren Statements. Uwe Kekeritz von den Grünen hingegen sagte: "Wir haben bereits weltweite Handelsregeln durch die WTO. Handelsverträge hingegen hebeln diese Regeln aus."

Eine weitere Frage: Wie kann der Export von billigem Fleisch aus Europa nach Afrika, durch den dortige Erzeuger ihre Lebensgrundlage verlieren, verhindert werden? Carsten Träger (SPD) erklärte, dass hier ein falsches Fördersystem die Ursache sei. Man würde vor allem die Erzeuger mit der größten Fläche subventionieren. Das würde Überschüsse hervorrufen, die dann auch nach Afrika exportiert würden. Seine Partei wolle das ändern, stoße jedoch auf massive politische Gegenwehr. Optimistischer zeigte sich Träger dagegen bei den Vergabeentscheidungen der Kommunen: "Mittlerweile wird hier nicht mehr nur an den wirtschaftlichsten Anbieter vergeben, sondern auch auf Nachhaltigkeitskriterien geachtet."

Keine Zeit für das Thema

Kaum Redezeit beanspruchte Katrin Reber von "Die Basis" für sich. Ihre Partei wurde erst im vergangenen Jahr gegründet und steht ganz überwiegend für Protest an den Corona-Schutzmaßnahmen. Die Handelsfachwirtin sagte, sie sei in Vollzeit berufstätig und habe deshalb noch keine Zeit gefunden, sich intensiv mit Fairtrade zu beschäftigen. Deshalb wolle sie zu den Themen nichts sagen.

Die Sprecherin der Oberasbacher Steuerungsgruppe, Christa Bartsch, kritisierte in der Runde das im Juni verabschiedete Lieferkettengesetz. Dieses würde nicht weit genug gehen. Träger betonte, es sei ein toller erster Schritt und ab 2024 würde das Gesetz auch für Unternehmen ab 1000 Mitarbeitenden gelten. Er sehe aber Verbesserungspotenzial, zum Beispiel indem man etwa kleinere Unternehmen und mehr als nur den direkten Lieferanten mit einbeziehe.

Ob sich dahingehend etwas verbessert hat, wollen die Initiatoren in gut einem Jahr nachfragen. Dann soll die Runde erneut tagen und berichten, was sich seitdem hinsichtlich der Fairtrade-Ziele getan hat.

1 Kommentar