Donnerstag, 09.04.2020

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Faszinierende Fiesta mit Café del Mundo

Die Gitarristen Alexander Kilian und Jan Pascal hielten die Fürther in Atem - 14.01.2020 12:30 Uhr

Alexander Kilian (re.) und Jan Pascal schwingen im Kulturforum auf derselben Wellenlänge. © Foto: Thomas Scherer


Wie von Zauberhänden wirbeln 20 Finger auf zwölf Saiten in unermüdlicher Bewegung: Jan Pascal und Alexander Kilian, beide fränkischen Ursprungs, sind mit der Gitarre in der Hand aufgewachsen.

Pascal komponierte eigene Stücke bereits in der Schulzeit, experimentierte früh im eigenen Tonstudio; Kilian wurde von der georgischen Folkloristin Zaza Miminoshvili multikulturell geprägt, gewann mit 15 Jahren seinen ersten internationalen Gitarren-Wettbewerb. Bei einem Flamenco-Workshop lernten sie sich kennen, die vierhändige Gitarren-Musik blieb fortan ihre Leidenschaft.

Flamenco war der erste einer Vielzahl von Stilen, in denen sie im Duo ihre Empfindungen auszudrücken begannen: Ihr Name Café del Mundo klingt wie feinstes spanisches Kaffeearoma mit kräftigen Spuren von Röstnoten, verführerischem Sherryduft und süß-salziger Pralinen-Crème.

In Fürth wurde begeistert ein weiterer Höhepunkt gefeiert in der breitgefächerten Passagen-Konzertreihe. Die beiden Flamenco-Gitarristen reisen und beobachten Menschen in aller Welt, erfinden Arrangements und komponieren Liebes- und Lebensfreude. Kilian und Pascal kleiden Emotionen von Begehren, Eifersucht und Stolz in feine Ästhetik zwischen Klassik, Jazz, Techno und Weltmusik, balancieren geschickt und verführerisch auf dem schmalen Band einer Spannung zwischen Einfachheit und Raffinesse.

Sie führen vor, wie beim Flamenco Tanz, Gesang und Gitarrenspiel verschmelzen. In Fürth fokussierten sie sich auf vom Flamenco inspirierte multikulturelle Gitarrenkompositionen, überließen die Vision des Tanzes der Fantasie der Zuhörer.

Das ursprüngliche Begleitinstrument stellten sie mit verblüffender Fingerfertigkeit in den Mittelpunkt, malten elegant schwungvoll ihre Eindrücke von unterwegs: von Geräuschen zu Melodien, Tanzboden zu Straßenlied, Augen-Blicken zu leidenschaftlichem Liebesspiel. Alles fein intellektuell moderiert von Jan Pascal, durch Alexander Kilian süffisant ins moderne Jetzt geerdet.

Flamenco-Gitarren lassen besonders intensive rhythmische Nuancierungen zu, sind gleichzeitig auch melodisch reichhaltiger als die klassische Gitarre. Neben dem Rhythmus stellten die beiden perkussive Elemente und typische Schlagtechniken in den Vordergrund.

Sie trommelten Taktmotive aufs Holz, strichen harfenartige Akkordfolgen mit den Rücken ihrer Fingernägel, schlugen den augenblicklich präsenten Ton in bestimmender Härte an – fast wie am Cembalo und oft muskulös aufgeladen wie im Krafttraining. Dabei blieb der Gitarrenton elektronisch unverändert, nur fein ausgehorcht von je zwei Mikrophonen.

Eher klassisch erklang der Anfang mit argentinisch glühendem Tango des Astor Piazzolla, dem tänzerischen Wettstreit um die Frau des Müllers in Manuel de Fallas "Dreispitz"- Ballett und den spanischen Jazzrock-Fantasien des Amerikaners Chick Corea.

Die Folge eigener Werke von Pascal und Kilian lud zum Mittanzen ein, führte vom WWW einer Wattwürmerwanderung zur arabischen Nacht im Beduinenzelt eines Berberdorfs wie zur dankbaren Ode an das geliebte Europa am Inselstrand der griechischen Ägäis. Immer melodischer, auch träumerischer geriet die besinnliche Parabel am Felsen des schlafenden Löwen oder die Flussfahrt über den Rio Guadalest. Und träumerisch wurde die Reise durch das "Beloved Europe" geschlossen: in der zart wiegenden "Danza Espanola Oriental" des Katalanen Enrique Granados.

InfoBR-Klassik sendet eine Aufzeichnung des Konzerts bereits am kommenden Donnerstag, 16. Januar, um 20.05 Uhr.

Michael Vieth

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