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Faurecia-Areal: Stadt bremst Vorstoß für Wohnraum aus

Sorge um die zur Neige gehenden Gewerbeflächen-Reserven - 02.02.2016 06:00 Uhr

Einen Blickfang neben den verwaisten Produktionsstätten bildet die 1910 errichtete Firmenvilla des Metallspiegelfabrikanten Adam Kugler in der Herboldshofer Straße bei der Einmündung der Straße An der Rampe. © Foto: Michael Müller


Was ist wichtiger, Wohnungen oder Arbeitsplätze? Diese Frage mündet in Fürth in ein klassisches Dilemma. Denn die Stadtspitze sucht einerseits händeringend nach neuem Wohnraum, bangt aber zugleich um ihre zur Neige gehenden Gewerbeflächen-Reserven. Stadträte wie der Grüne Harald Riedel wollen zudem der Grundstücksspekulation keinen Vorschub leisten und billigen Gewerbegrund nicht in teures Bauland umwidmen – was Voraussetzung für eine Wohnbebauung wäre.

Einschlägige Referenzen

„Wir sind ein Wohnungsbauspezialist“, sagt der Nürnberger Immobilienmakler Ralph Munck auf Anfrage der Fürther Nachrichten. Er unterstreicht das mit dem Hinweis auf den Zirndorfer „Pinderpark“ mit 400 Häusern, das ehemalige Tempo-Areal „Sunnyside“ in Heroldsberg mit über 200 Gebäuden und die Siedlung „Am Reichswald“ auf dem Fella-Landmaschinen-Areal bei Feucht mit 350 Gebäuden – allesamt Großprojekte, die er zusammen mit dem Investor Krauß Verpachtungen und dem Bauunternehmen Rödl als Erschließungsträger realisiert hat. Neu im Portfolio ist neben dem Faurecia-Areal das Adelsdorfer Aldi-Gelände am Reuthsee, wo Munck rund 500 Wohnungen plant.

Das von drei Seiten umschlossene Stadelner Grundstück bietet sich nach den Worten des Nürnbergers schon wegen der Nähe zur S-Bahn-Station und zum Hallenbad für eine Wohnnutzung an. Außerdem seien die kleinen Zubringerstraßen für gewerblichen Lieferverkehr kaum geeignet. Wirtschaftsreferent Horst Müller kennt diese Bedenken und schließt deshalb auch eine Nutzung durch Transport- und Logistikunternehmen aus. Ihm schwebt vielmehr ein Gewerbehof für qualitativ hochwertige Unternehmen nach dem Vorbild von „Complex“ im Fürther Süden vor.

Vor allem um Arbeitsplätze geht es Müller. Denn mit der Beschäftigungsquote macht Fürth im bundesweiten Vergleich keine gute Figur. Der Wirtschaftsreferent setzt auf qualitatives Wachstum. Nachdem die letzten Grundstücke der Gewerbeparks Hardhöhe West und Süd verkauft sind, muss sich die Stadt umtun, um neue Interessenten halten zu können. Gerade erst hat sie sich 8000 Quadratmeter auf dem ehemaligen BIG-Standort in Stadeln gesichert.

Flächenfraß stoppen

Aber nicht alle verkauften Gewerbegrundstücke werden auch umgehend bebaut, weshalb der Eindruck entstehen kann, dass Fürth über ausreichende Reserven verfügt. Ähnlich verhält es sich übrigens bei den Wohngrundstücken. Hier wollen Bund Naturschutz und die Grünen den Hebel ansetzen, um den Flächenfraß zu stoppen. Im Hinblick auf das Faurecia-Areal warnt Riedel jedoch davor, die Plaungshoheit an Investoren abzugeben. Auch er wünscht sich hier arbeitsplatzintensives Gewerbe nach dem Vorbild des Nürnberger Südwestparks. BN-Kreisvorsitzender Reinhard Scheuerlein sieht ebenfalls die Notwendigkeit von Gewerbeflächen, könnte sich im Stadelner Norden aber auch mit einer Umwandlung für Wohnzwecke anfreunden. Allerdings kritisiert Scheuerlein die „an Käfighaltung erinnernde“ Art der Bebauung des Areals „Am Reichswald“.

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Munck will sich einer Gewerbenutzung nicht generell sperren. Schneller nutzbar sei das Faurecia-Areal dann jedoch auch nicht, betont er, weil hierfür ebenfalls viele Altgebäude abgebrochen und Flächen neu parzelliert werden müssten. Obendrein sind Altlasten im Boden zu beseitigen. Der Betriebswirt rechnet damit, dass eine Wohnbebauung in zwei Jahren fertiggestellt sein könnte. Ihm schwebt eine klassische Reihenhaussiedlung für untere und mittlere Einkommensschichten vor. 25 Prozent seien für soziales Wohnen vorgesehen.

In der Bauausschusssitzung an diesem Mittwoch sollen auch Vertreter von Organisationen wie der BN Stellung zur aktuellen Suche nach Wohnbaupotenzialen beziehen. Ende Februar ist dann ein Gespräch zwischen OB Thomas Jung und Munck anberaumt. Wobei die Stadt ihm gegenüber nach eigenen Worten bereits zu erkennen gegeben hat, dass er kaum Zugeständnisse erwarten könne.

Volker Dittmar

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