Neues Zuhause gesucht

Feuerwehr-Einsatz: Zwei Bienenvölker sorgen für Wirbel am Fürther Rathaus

16.5.2022, 19:05 Uhr
Der Schwarm auf dem Fahrradsattel sorgte für einige Aufregung bei den Passantinnen und Passanten am Rathaus.

© Foto: Hans-Joachim Winckler Der Schwarm auf dem Fahrradsattel sorgte für einige Aufregung bei den Passantinnen und Passanten am Rathaus.

Ein ungewöhnliches Brummen hat am Sonntagmittag die Passantinnen und Passanten auf ihrem Weg in die Fürther Fußgängerzone aufgeschreckt. Manch einer nahm gleich Reißaus, andere zückten die Handys oder blieben wie angewurzelt stehen: Am Fürther Rathaus, hoch über der Einmündung Bäumenstraße/Brandenburger Straße, summten und wirbelten zwei Bienenvölker durcheinander – auf der Suche nach einem neuen Ort für den Staat.

In der Hoffnung, dass die Königin mit dabei ist, kehrte Florian Bäcker den größten Teil des einen Schwarms mit einem Besen in den Bienenkasten.

In der Hoffnung, dass die Königin mit dabei ist, kehrte Florian Bäcker den größten Teil des einen Schwarms mit einem Besen in den Bienenkasten. © Foto: Hans-Joachim Winckler

An sich ist das nicht ungewöhnlich, denn von Mai bis Juni neigen Honigbienen zum sogenannten Schwarmtrieb. Wird es im Bienenstaat zu eng, teilt sich das Volk auf. Ein Teil des Schwarms begibt sich samt alter Königin auf die Suche nach einem neuen Zuhause.

Doch die Bäume direkt vor den Rathausfenstern sind für Bienen nicht gerade ein passender Platz, das sehen sicher nicht nur die Angestellten vor Ort so. Auch in der Eisdiele gegenüber war man dem brummenden Schwarm gegenüber eher skeptisch, was die mögliche Wahl des neuen Standorts anging.

"Das sieht man nicht alle Tage", staunte ein älterer Herr, der sich mutig an der Hauswand entlangdrückte und den Kopf nach oben reckte. "Früher hatten wir auch mal Bienen", fügte er hinzu. "Wenn man sie in Ruhe lässt, stechen sie auch nicht."

Kein Interesse an Eis und Döner

Zumindest hatten die Insekten keinerlei Interesse an Eis oder Döner, zu sehr waren sie damit beschäftigt, sich irgendwo niederlassen zu können. Offenbar schien ihnen ein abgestelltes Fahrrad am geeignetsten – und binnen weniger Minuten hing eine große Traube auf Sattel und Lenker. Ein zweiter Schwarm schwirrte zunächst Richtung Baum ab.

Schließlich rückte die Fürther Berufsfeuerwehr mit Leiter und zwei Kästen an. Die große Hoffnung: möglichst viele Bienen, unter denen sich idealerweise auch die Königin befindet, in einen aufgestellten Behälter zu locken. Denn: "Ist die Königin drinnen, begeben sich die restlichen Bienen eigentlich abends oder in der Nacht brav ins Häuschen", erläuterte Feuerwehrmann Joachim Borne.

Sein Kollege Florian Bäcker hatte den ersten Schwarm vom Fahrradsattel bereits mit einem Besen in den Kasten gekehrt, die Feuerwehrmänner Bastian Link und Eugen Sterzinger bemühten sich derweil, die im Baum noch orientierungslos wirkenden Tiere zum Umzug zu bewegen. Dabei ist die Einflugschneise des Behälters so geformt, dass die größere Königin zwar hinein-, aber nicht mehr hinausfliegen kann.

Dem zweiten Bienenvolk, das sich im Baum niedergelassen hatte, musste sich Feuerwehrmann Bastian Link über die Drehleiter nähern.

Dem zweiten Bienenvolk, das sich im Baum niedergelassen hatte, musste sich Feuerwehrmann Bastian Link über die Drehleiter nähern. © Foto: Hans-Joachim Winckler

"So etwas lernen wir in der Ausbildung", erklärte Borne, Imker müsse niemand von ihnen sein. Solche Hilferufe bei Feuerwehr oder Polizei sind in den vergangenen Jahren seltener geworden – wurden sie früher noch bis zu 20 Mal geholt, wenn sich mal wieder ein Schwarm am falschen Platz eingemietet hatte und Bürgerinnen und Bürger sich vor der neuen Nachbarschaft zu fürchten begannen, waren es in den vergangenen Jahren nur noch halb so viele Anrufer.

Sollte sich aber irgendwo wieder ein Bienenstaat ein eher ungewöhnliches Plätzchen als neues Zuhause auswählen – Imker oder Feuerwehr helfen gerne, die Insekten einzufangen, die dann einem Imker übergeben werden.