Montag, 18.11.2019

|

Filmkulisse Fürth

Dreiviertelmond: Elmar Wepper in der Fußgängerzone - 29.10.2010 09:00 Uhr

Was darf’s sein? Schauspieler Elmar Wepper (links, mit Regisseur Christian Zübert) war gestern nicht nur in der Früchte-Oase in der Fußgängerzone zugegen. Auch eine Fürther Metzgerei diente als Drehkulisse. © Edgar Pfrogner


Aufnahmeleiter Peter Drexler hat alle Hände voll zu tun. Für ein paar Minuten muss er den Passantenstrom am Eingang der Fußgängerzone unterbinden. „Sie können gleich weitergehen“, wirbt er freundlich um Verständnis. Dann kommt das Kommando „Achtung“, gefolgt von einem lauten „Und bitte!“.

Die Kamera läuft, hält auf Elmar Wepper, der zu Fuß und mit suchendem Blick aus der Schirmstraße in die Fußgängerzone biegt, um wenig später einen türkischen Gemüseladen zu betreten. Schnitt. Die Szene ist im Kasten. Auch Gemüsehändler Muhlis Bulut ist kurz im Bild. Seine Aufgabe: Als Wepper in seiner Rolle des Taxifahrers Hartmut vorbeigeht, nimmt er – mit dem Rücken zur Kamera – prüfend Orangen in die Hand, packt dann die ganze Kiste und folgt dem Schauspieler in den Laden.

Dass er zum Komparsen und sein Laden zur Kulisse wird, hatte Bulut vor ein paar Monaten nicht im Traum gedacht. Den ganzen Tag dreht das Filmteam in der Früchte-Oase. Weil der Händler in dieser Zeit nichts verkaufen kann, bekommt er eine Aufwandsentschädigung. Zwar spielt der Film in Nürnberg und wird überwiegend dort gedreht, doch bei der Suche nach Drehorten habe man in Fürth „einfach viele tolle Ecken gefunden“, sagt Aufnahmeleiter Drexler.

„Dreiviertelmond“, der frühestens Mitte 2011 in die Kinos kommen wird, erzählt die Geschichte des verbitterten Taxifahrers Hartmut, der völlig überraschend ein sechsjähriges türkisches Mädchen in seine Obhut nehmen muss. Während er widerwillig anfängt, sich um Hayat zu kümmern, gelingt es dem Mädchen, seine raue Schale aufzubrechen.

Gezittert vor Aufregung

Zunächst einmal will Hartmut das Mädchen jedoch wieder loswerden – was er unter anderem in dem besagten Gemüseladen und einem türkischen Kulturverein versucht. Gedreht wurde in Fürth zudem bereits vor einiger Zeit an der Ecke Mathilden- und Theaterstraße; gestern morgen außerdem in der Metzgerei Sellerer in der Hirschenstraße. Elmar Wepper, alias Hartmut, nahm dort einen Imbiss zu sich.

„Er hat Leberkäs mit Kartoffelsalat gegessen“, berichtet Verkäuferin Birgit Czech immer noch staunend. Im Hintergrund der Szene mussten sie und ihre Kolleginnen Komparsen bedienen. „Ich hab’ vor Aufregung gezittert“, gesteht die Verkäuferin. Eineinhalb Stunden habe das Team im Laden aufgebaut, die Aufnahme dauerte nur wenige Sekunden.

In der Fußgängerzone wartet Elmar Wepper auf die nächste Szene. Eine Wärmflasche in der Hand hilft gegen klamme Finger. Der Schauspieler ist offen und zugänglich, plaudert mit Passanten. Von Fürth kannte er bislang nur den Namen, sagt er. Umso überraschter sei er vom intakten Stadtbild. Fürth habe Charme und Charakter. Die Menschen begegnen ihm herzlich, aber mit einer gewissen Vorsicht, was Wepper als „recht angenehm“ bezeichnet. Es scheint schlimmere Drehorte zu geben als die Fürther Innenstadt. Am 3. November wird das Team um Regisseur und Drehbuchautor Christian Zübert, der sich mit der Kiffer-Komödie „Lammbock“ einen Namen gemacht hat, noch einmal in die Kleeblattstadt kommen, um in einer Wohnung in der Mathildenstraße zu drehen. Außerdem wird am 10. und 11. November im Fürther Klinikum gefilmt.

Johannes Alles

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Fürth