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Filmpremiere: Inklusion an der Fürther Pestalozzischule

Medien-Praxis hat Partnerklassen über vier Jahre begleitet - 27.01.2015 11:00 Uhr

In der Schulaula präsentieren Julia Thomas und Thomas Steigerwald von der Medien-Praxis den jungen Akteuren das in vierjähriger Arbeit entstandene Filmdokument. © Foto: Edgar Pfrogner


Die Hauptdarsteller sitzen in der Aula in der ersten Reihe und freuen sich über ihr Wiedersehen. Die Mädchen und Jungen, die inzwischen in der fünften Klasse sind, haben ihre Grundschulzeit miteinander verbracht. Sie haben gelernt, gestaunt, gespielt, manchmal gestritten, sich immer wieder vertragen und sich gut kennengelernt – in Partnerklassen.

Das heißt: „Pesta“-Schüler und Kinder aus der Hallemannschule, die einen besonderen Förderbedarf haben, werden von der ersten bis zur vierten Klasse regelmäßig gemeinsam von ihren beiden Lehrkräften unterrichtet. Ein bewährtes Model an der Pestalozzischule, das möglich ist, weil die Lebenshilfe als Kooperationspartner mitmacht.

Viele wichtige Punkte lassen sich aufzählen, warum diese besondere Form des Unterrichts allen gut tut. Der einstündige Film von Julia Thomas und Thomas Steigerwald geht weiter. Mit einfühlsamen Bildern und intensiven Gesprächen öffnet er den Blick für den Schulalltag der Kinder. Bemerkenswerter als alles andere ist zunächst die Selbstverständlichkeit, die den Umgang der Jungen und Mädchen miteinander prägt.

Keinen Moment wird in diesem Beitrag von den Kindern eine Behinderung als solche thematisiert. Stattdessen bestimmt praktische Selbstverständlichkeit die Gemeinschaft: Wer ein Handicap hat, bekommt – wenn nötig — Unterstützung angeboten. Jeder Pesta-Partnerschüler kümmert sich jeweils um drei Hallemann-Mitschüler, beantwortet Fragen, hilft, Aufgaben zu verstehen. Ansonsten zählt, was wesentlich ist. Ob man gut miteinander kann und sich versteht, zum Beispiel. Eine Mutter berichtet vor der Kamera, dass auch bei Kindergeburtstagsfeiern schon bald Einladungen zwischen den Partnerklassen hin und her gingen.

Überhaupt kommt von den Eltern viel Lob und Zustimmung. In kurzen Statements wird von gewonnener Selbstständigkeit, sozialer Kompetenz und prägnanten Fortschritten berichtet. Oder wie ein Pestaschüler sagt: „Man merkt, wie das Leben so ist und schließt keinen aus.“

Hoher Einsatz

Der Film berührt. Und erlaubt keinen Zweifel daran, dass ein hoher Einsatz hinter dem Erreichten steht. Thomas Bauer, Rektor der Pestalozzi-Grund- und Mittelschule, hatte schon zur Begrüßung klargemacht, dass erfolgreiche Inklusion in der Schule immer auf vielen Schultern ruhen muss. Zur ausreichenden personellen Ausstattung kommen Faktoren wie Klassengrößen und zusätzliche Stunden. Bürgermeister Markus Braun nannte das Partnerklassen-Modell vor der Filmpremiere „ein Leuchtturmprojekt“. Hier sei ein Weg eingeschlagen worden, den man unbedingt weitergehen müsse.

Wie viel Engagement und Vorbereitung tatsächlich im gemeinsamen Unterricht für Kinder mit und ohne Beeinträchtigung stecken, wird deutlich. Die Kamera folgt den Lehrerinnen Gabriele Wille, Ursula Hentschel und Myriam Kunze und lässt erkennen, dass für die Schüler individuelle Lernwege erarbeitet werden, damit „für jedes Kind etwas dabei ist“. Ein Ansatz, der Zeit, Aufwand und Kraft kostet und nur im Team geleistet werden kann. Immer wieder fängt der Film, der mit Unterstützung der Hermann Gutmann Stiftung, der Lebenshilfe Fürth, des Pesta-Fördervereins und der Regierung von Mittelfranken finanziert wurde, Augenblicke ein, die ohne große Worte zeigen, warum die Partnerklasssen-Idee zu einem Erfolgsmodell wurde. Das Interesse der Eltern ist groß, weil aber in der Pesta Räume fehlen, kann nur alle vier Jahre ein neues Klassen-Tandem starten.

Annika gehört zu den Kindern, die im Film zu sehen sind. Seit dem Herbst besucht die Zehnjährige das Schliemann-Gymnasium. Die Dokumentation ihrer Grundschulzeit findet sie „gut, weil alle etwas gesagt haben“. Welche Erinnerungen hat sie an diese vier Jahre? „Es war wunderschön“, sagt Annika.

Der Film „Miteinander lernen, aneinander wachsen — Inklusion in einer Partnerklasse“ wird in zwei Teilen am Sonntag, 22. Februar (1. Teil), und am Sonntag, 1. März (2. Teil), im Franken Fernsehen (19.30 Uhr, 21.30 Uhr und 23.30 Uhr) ausgestrahlt. 

Sabine Rempe

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