Hochwasser im Kreis Fürth

Flut im Zenngrund: Für die Helfer gab es Dankbarkeit – und Beschimpfungen

13.7.2021, 16:00 Uhr
Feuerwehrleute waren im Hochwasser stark gefordert – und bei den meisten Bewohnern sehr willkommen. Aber sie mussten auch Diskussionen führen.

Feuerwehrleute waren im Hochwasser stark gefordert – und bei den meisten Bewohnern sehr willkommen. Aber sie mussten auch Diskussionen führen. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Nach den heftigen Regenfällen vom Freitag wurden Teile des Fürther Landkreises überschwemmt, bei vielen Bewohnern lagen deshalb die Nerven blank. Während die meisten sich schnell dran machten, Hab und Gut zu retten, ließen andere ihrem Frust freien Lauf.

In Veitsbronn mussten sich Feuerwehrmänner Beleidigungen anhören, ein Autofahrer drohte gar mit Schlägen, weil mehrere Strecken wegen des Hochwassers gesperrt waren. "Aber man kann die Leute ja nicht in eine überflutete Straße reinfahren lassen. Da nehmen die Fahrzeuge Schaden, im schlimmsten Fall sogar sie selbst", sagt Kistner.

Durch das Hochwasser sei jede Verbindung über die Zenn blockiert gewesen. "Da ging nichts mehr. Mancher reagierte völlig hilflos, geradezu verzweifelt, wenn er einen größeren Umweg fahren musste. Solche Menschen gehen dann auch auf die Helfer los", so Kistner. Dieses Verhalten habe – über die Jahre betrachtet – deutlich zugenommen. Nicht umsonst häufen sich die Medienberichte über verbale oder körperliche Angriffe.


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Erfahrene Feuerwehrleute können jedoch souverän mit Querulanten umgehen, weiß der Veitsbronner Bürgermeister. "Sie haben einen breiten Buckel und geben Kontra, bevor die Situation aus dem Ruder läuft." Der Zuspruch unter den Kameraden helfe, "aggressive Begegnungen zu relativieren". Insgesamt habe die Mehrheit der vom Hochwasser Betroffenen indes sehr viel Verständnis für die Arbeit der ehrenamtlichen Feuerwehrleute gezeigt. Das kann Kreisbrandrat Frank Bauer nur bestätigen. Der 40-Jährige ist eigentlich beim Landratsamt Fürth Sachgebietsleiter für Sicherheit und Ordnung. Für Notfälle, wie jetzt beim Hochwasser, wird er allerdings freigestellt.

30 Wehren im Einsatz

Bauer hatte während der sogenannten Großschadenslage im Landkreis mit dem Schwerpunkt in Wilhermsdorf, Langenzenn und Veitsbronn die Einsatzleitung und koordinierte die Arbeit der 30 beteiligten Freiwilligen Feuerwehren. Auch er hat erfahren, dass es im Landkreis immer wieder zu Diskussionen kommt – etwa wenn jemand sich mit Straßensperren partout nicht abfinden mag und sogar die Durchfahrt erzwingen will. "Aber wir haben gerade in diesen Tagen auch das andere Extrem erlebt", sagt Bauer: Die ehrenamtlichen Helfer hatten noch gar nicht richtig angefangen zu arbeiten, da stürzten Privat- und Geschäftsleute schon mit Kaffee, Tee und Kuchen aus den Häusern, um sie zu verköstigen. "Sie haben uns große Dankbarkeit entgegengebracht. Das war einfach toll, das beflügelt und motiviert uns!"

Das Engagement der Bewohner beschränkte sich Bauer zufolge nicht nur auf die Versorgung der Einsatzkräfte. Viele packten auch selbst beherzt mit an, griffen zu Pumpe, Schaufel, Eimer und Wischmop, um der Wassermassen Herr zu werden. Andere wiederum stapelten Sandsäcke auf.

"Man hat gemerkt, dass die Leute schon öfter mit Hochwasser zu tun hatten und sich auskennen. Da ergeben sich wunderbare Synergieeffekte", sagt Bauer. Sein Resümee: "Im Fürther Landkreis funktioniert die Nachbarschaftshilfe ausgezeichnet!"

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