Frankens Bäcker setzen auf Qualität

17.6.2011, 22:00 Uhr
Manfred Stiefel hat beim Brot den Durchblick. Im Hintergrund warten örtliche Bäckermeister auf die Ergebnisse des gestrengen Prüfers.

Manfred Stiefel hat beim Brot den Durchblick. Im Hintergrund warten örtliche Bäckermeister auf die Ergebnisse des gestrengen Prüfers. © Thomas Scherer

Schon das Treppenhaus des Handwerkshauses an der Freiheit ist erfüllt von wohligem Backduft. Auch 2011 haben sich wieder einige Bäckereien aus der Region der alljährlichen Brot- und Semmelprüfung des „Instituts für Qualitätssicherung von Backwaren“ gestellt. Brotexperte Manfred Stiefel kam, sah und probierte.

62 Brote sowie 54 Semmel- und Brezensorten hat der freundliche Berliner innerhalb von zwei Tagen gekostet und danach anhand von Kriterien wie Aussehen, Geruch und natürlich Geschmack bewertet. Endergebnisse gibt es leider noch nicht, weil Stiefels Gerätschaften zur Datenerhebung kurzerhand in den Streik traten.

In der Vergangenheit schnitten die Bäckereien aus Fürth und Umgebung aber immer gut ab bei Stiefels Härtetest: 2008 etwa zeichnete der gelernte Bäckermeister, der sich trotz seines Jobs übrigens jeden Tag über frisches Brot freut, gleich ein Fünftel aller Kandidaten mit der Bestnote „sehr gut“ aus.

Solche positiven Ergebnisse von anerkannten Experten sind ein wichtiger Beleg für die hohe Qualität des deutschen Bäckerhandwerks und ein guter Werbefaktor. Immerhin befindet sich die traditionsreiche Branche seit Jahren in einer Umbruchsphase: Überall schießen Selbstbedienungsbäckereien aus dem Boden, jeder zweite Discounter verfügt mittlerweile über einen Backautomaten.

Die Fürther Bäckermeister begegnen dieser Niedrigpreis-Herausforderung durchaus selbstbewusst. Neben der besseren Qualität ihrer Waren, die auch Brotexperte Stiefel bestätigen kann, werfen sie ihre Verwurzelung in der Region in die Waagschale, zudem bilden sie junge Menschen aus. Josef Kittel von der gleichnamigen Brezenbäckerei will künftig versuchen, dem Kunden diese Fakten noch deutlicher zu vermitteln.

Den SB-Filialen kreidet er indes an, mit gezinkten Karten zu spielen. Durch die geschickte Platzierung ihrer Öfen erwecken sie Kittel zufolge den Eindruck, stets frisch zu backen. Dass der verwendete Teig aber oft eingefroren aus dem Ausland importiert werde, falle hingegen unter den Tisch.

Bei allem Konkurrenzdruck: Noch geht es dem deutschen Bäckerhandwerk dem Vernehmen nach gut. Manfred Stiefel ist froh, dass nicht alle Bundesbürger nach dem Motto „Hauptsache, der Magen ist voll“ konsumieren und beim Lebensmittelkauf auch mal tiefer in die Geldbörse greifen. Kittel verweist auf Südeuropa und Frankreich: „Dort steht gutes Essen trotz Sparzwängen an oberster Stelle.“

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