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Mittwoch, 24.07.2019

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Frauenmuseum ist Lebensgefühlen auf der Spur

Ausstellung widmet sich den weiblichen Seiten von sechs Städten - 07.05.2018 21:00 Uhr

Bunter Marstall: Das Organisationsteam vor einem Werk der Fürther Künstlerin Barbara Engelhard mit dem Titel „Ein Gewand für die Wand“. © Foto: Rempe


Gut die Hälfte der Einwohner von Fürth sind Frauen. Die Macherinnen der neuen Schau im Frauenmuseum wollen freilich mehr wissen. "Uns interessiert, ob die weiblichen Anteile auch sichtbar werden", sagt Gudrun Cyprian, die mit Gaby Franger und Tijana Jakovljevic-Sevic die Ausstellung organisiert hat. Ein Jahr lang wurden mit einem ungewöhnlich großen Team von Unterstützerinnen und Unterstützern nicht nur Fürth, sondern auch die Partnerstädte Limoges, Marmaris, Paisley und Xylokastro sowie Midoun auf der Insel Djerba unter die Lupe genommen.

Bei den Besuchen ging es unter anderem darum, welche Positionen Frauen in den jeweiligen Städten einnehmen. Welchen Einfluss haben sie etwa als Politikerinnen? Wie steht es um Unternehmerinnen? Künstlerinnen? Welche Möglichkeiten bieten sich in punkto Bildung und Ausbildung? Aus der Fülle des Materials entstand die Präsentation im barocken Marstall, die ein Beitrag zum Fürther Jubiläumsjahr ist.

Das Thema beleuchten Fotos, Installationen, Filme und Porträts. Künstlerinnen aus den sechs Städten beteiligen sich mit Beiträgen. Einem sehr weiblichen Utensil nähert sich etwa Fotokünstlerin Annette Horn, die in der Fürther Fußgängerzone Frauen bat, den Inhalt ihrer Handtaschen fins Bild nehmen zu dürfen. In der Nähe stehen Porträts der Besitzerinnen; was zu wem gehört, kann allenfalls erraten werden.

Eine aufschlussreiche Gegenüberstellung von Limoges und Fürth gelingt mit dem Blick auf Straßennamen, die Frauen gewidmet sind. Ein Film von Peter Krüger richtet die Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Füße von Vorübereilenden und fängt dabei immer wieder auch schwere Einkaufstaschen ein. Im Zentrum des Raumes steht eine Art Kiosk, auf dem Frauen aus den beteiligten Städten in Texten und Fotos mitteilen, was sie in ihrer Umgebung als weiblich empfinden und was eher nicht. Besonders interessant ist das spürbar veränderte Lebensgefühl der Bewohnerinnen von Midoun. In der tunesischen Stadt, mit der Fürth eine Projektpartnerschaft pflegt, sollen nun zum ersten Mal Kommunalwahlen stattfinden.

Stellvertretend treten in zwölf Porträts Frauen vor die Besucher. Aliye Ayyildiz (1888–1971) etwa, die als Händlerin in Marmaris lebte, oder die Widerstandskämpferin Thérèse Menot aus Limoges. Für Fürth wird neben Jutta Czurda Margarete Rückerl (1905–1969) vorgestellt. 1931 trat sie in die SPD ein. Zwei Jahre später wurde sie in "Schutzhaft" genommen, weil sie "wiederholt öffentlich in provozierender Weise eine staatsfeindliche Gesinnung" geäußert habe, heißt es in den Akten der Gestapo. Drei Jahre und sechs Monate wurde Rückerl in Gefängnis und KZ festgehalten.

Teil der Ausstellung sind auch zahlreiche Informationen zur Frage "Was kann Kommune?" Dabei geht es unter anderem darum, was Frauen in wichtigen Bereichen angeboten wird. Demgegenüber werden an einer weiteren Station die Leistungen gewürdigt, die Frauen für ihre Stadt erbringen. Dafür dient Papier, kunstvoll drapiert und gefaltet, als Medium.

"Wie weiblich ist die Stadt?": Im Rahmen der Schau gibt es Vorträge, Aktionen und Führungen. Bis 31. Oktober. 

Sabine Rempe

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