Samstag, 20.04.2019

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Fresstempel mit Flair

Auf der Kärwa haben sich die Vesperhütten etabliert - 07.10.2005

Gemütlichkeit unter Bäumen: In der Königstraße direkt vor der Gaststätte „Zum Tannenbaum“ genießen Kärwa-Besucher die Bummelpause im Vesperhäuschen. Foto. Ralf Rödel © -


Noch vor wenigen Jahren war die Fürther Kärwa fast eine reine Wirtshauskirchweih. Vor oder nach der Zuckerwatte-Schleckerei, dem Senfgekleckere, der Autoscooterfahrt, der Suche nach Kittelschürze, Gemüsehobel oder Teflonpfanne inmitten der Budenstadt kehrten Besucher gerne in den Gasthäusern der Altstadt ein. Denn mangels Bierzelt waren sonst kaum Alternativen zum Vespern geboten.

Das hat sich grundlegend geändert. 21 gastronomische Betriebe bieten mittlerweile über die ganze Kärwa verteilt Stühle, Bänke und Tische in einer Atmosphäre, die viele als urgemütlich empfinden. „Schauen Sie sich das Südtiroler Bergdorf auf der Kleinen Freiheit an - eine richtig schöne Sache“, findet Helmut Dölle als 1. Vorsitzender des süddeutschen Schaustellerverbandes, Sektion Fürth. Er selbst betreibt mit dem Alten Brathaus eines der ältesten Vesperhäuschen auf der Fürther Freiheit. Und wenn die Temperaturen so mild sind wie an den vergangenen Abenden, dann geraten die Wirte beim Ausschank an ihre Kapazitätsgrenzen.

„Die Leute sind begeistert von dem großen Angebot, wir haben ein ganz anderes Flair als früher“, weiß Dölle. Den „gesunden Mix“ aus Karussells, Marktständen und Gastronomie findet er viel besser als das seiner Ansicht nach eher einseitige Angebot auf dem Nürnberger Altstadtfest oder Volksfest. „Hier in Fürth sprechen wir jedes Alter an. Du kannst Strumpfbänder kaufen, Speckknödel essen oder wilde Karussells fahren. Ganz wie du willst“, verspricht Dölle.

Trotz aller Euphorie findet er jedoch, dass die Fresstempel-Grenze nun erreicht ist. Soll heißen: Mehr Wirte, Hütten und Mini-Biergärten dürfe es nicht geben. Wirtschafts- und Kirchweihreferent Horst Müller gibt ihm Recht. Rund 3300 Sitzplätze seien genug. „Ich glaube aber, wir sind bisher den richtigen Weg gegangen“, ergänzt Müller. Von insgesamt 268 Schaustellern betrieben lediglich 21 solche bestuhlten Vesperhäuschen.

Fürchten denn die Wirte in der Altstadt die neue Konkurrenz auf der Kärwa? Weder Christa Rezac vom „Stadtwappen“ noch Peggy Jünigk vom „Tannenbaum“ wollen die Imbiss-Häuschen verurteilen. „Ach was, das sehen wir nicht als Konkurrenz“, sagt Jünigk, „wer seine Bratwurst essen will, geht sowieso nicht ins Restaurant.“ Was sie ärgert, ist nicht das Vesperhäuschen direkt vor ihrer Gaststätte, sondern seine Größe. „Der Juwelier in der Königstraße hat gar keinen Stand vor seinem Haus. Aber wir sind überhaupt nicht mehr zu sehen“, klagt sie und bedauert, dass die Laufkundschaft völlig ausbleibt. Grundsätzlich habe sie keine Einwände gegen die Imbissgelegenheiten, aber die Stadt müsse den Gaststätten eine Chance geben, an der Kärwa teilzunehmen.

Bei der Wirtin „Christa“ aus dem Stadtwappen kehren täglich Stammgäste ein, die Neuigkeiten aus der Budenstadt mitbringen und natürlich auch von den vielen Einkehrmöglichkeiten berichten. „Ich selbst war noch nie auf der Kärwa, obwohl ich schon seit 1969 hier wohne. Wenn ich im Lokal fertig bin, leg ich mich lieber in mein Bett“, erzählt die Wirtin. Ihr Gäste berichten aber, „dass du auf der Kärwa jetzt alles essen kannst, außer Karpfen.“ Diesen letzten Trumpf hält die Stadtwappen-Gastronomin fest in der Hand, denn das Lokal ist immer voll. Eine Konkurrenz fürchtet sie nicht. „Und wenn’st schaust, wer in meinem Stadtwappen sitzt“, so ergänzt die Wirtin, „dann sind’s halt oft die ganzen Schausteller.“ 

BIRGIT HEINRICH

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