Frühjahrsputz im Storchenhorst über der Gustavstraße

2.2.2018, 20:00 Uhr
Wohnen wie ein Storch in Fürth: Herbert Schlicht blickt ins sanierte Nest hoch über den Dächern der Stadt.

© Foto: Thomas Scherer Wohnen wie ein Storch in Fürth: Herbert Schlicht blickt ins sanierte Nest hoch über den Dächern der Stadt.

Mit einem Hubsteiger ging es am Morgen zur Storchenunterkunft hoch oben auf dem Schlot, denn: Ein Drama wie im Mai 2017 soll sich dort nicht wiederholen. Damals ertranken oder erfroren die drei Jungtiere. Fast 20 Jahre hatten die Störche Frühjahr für Frühjahr an diesem Nest gebaut, bis es so dicht war, dass das Regenwasser nicht mehr richtig abfließen konnte. Die kühlen Temperaturen taten dann ihr Übriges.

Für Herbert Schlicht, Naturschutzwächter und so etwas wie Fürths Storchenvater, stand schnell fest, dass man handeln muss, bevor die Störche aus dem Winterquartier zurückkehren. Das Fürther Rathaus organisierte einen passenden Hubsteiger bei einer Nürnberger Firma und sprach die Maßnahme mit den privaten Grundstückseigentümern rund um den Schlot ab.

Zweige, verrottendes Nistmaterial und haufenweise Erde holten zwei Mitarbeiter des Grünflächenamts am Freitag aus dem Horst und füllten damit drei große Säcke. Zu den kurioseren Dingen, die man im Nest fand, zählen eine plattgedrückte Blechbüchse, Strümpfe und ein schwarzer Handschuh mit dem Kleeblatt-Emblem der SpVgg Greuther Fürth. Der Storch, ein Fußballfan? Herbert Schlicht schmunzelt: "Wenigstens war vergleichsweise wenig Plastik drin."

Jetzt ist wieder alles so, wie es sein soll. Das Nest ist durchlässig und hat eine gut 30 Zentimeter tiefe Kuhle. Zwar wärmen die Eltern ihre Jungen mit den Flügeln und dem Bauchgefieder – der Fachmann nennt das Hudern –, aber ein zusätzlicher Windschutz könne nicht schaden, findet Schlicht. Er geht fest davon aus, dass die Störche sich das Nest selbst noch heimeliger machen werden – mit ein paar zusätzlichen Ästen für den Rand und einer Ladung Gras oder Heu für einen weichen Untergrund. Gedanken über die Kosten muss man sich Fürther Rathaus nicht machen. Das Ordnungsamt hat dafür entsprechende Mittel bei der Regierung von Mittelfranken beantragt.

Im Storchennest in Vach müssen die Helfer übrigens nicht anpacken, dort wurde der Horst erst vor einigen Jahren saniert. Lang dürfte es nicht dauern, bis die Zugvögel zurückkehren, im vergangenen Jahr war es bereits Mitte Februar so weit. Zwar wurde in Fürth schon vor mehreren Wochen ein einzelner Storch gesehen – Fachleute gehen aber davon aus, dass es sich dabei um ein Tier handelt, das in Franken überwintert; das passiere immer häufiger. Herbert Schlicht hofft nur, dass es nicht zu Revierkämpfen kommt, falls die Daheimgeblieben fremde Nester in Beschlag nehmen. "Störche", so Schlicht, "können sich gegenseitig ernsthaft verletzen."

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