Sonntag, 18.04.2021

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Für 180 Millionen: Hornschuch-Campus entsteht an der Stadtgrenze

Die Fürther P & P-Gruppe schafft Raum für Arbeitsplätze, Studenten und ein Hotel - 18.07.2020 11:00 Uhr

So stellt sich die P & P-Gruppe die Bebauung der langgezogenen Brachfläche an den Gleisen vor, die inzwischen den Namen Hornschuch-Campus trägt. Sie beginnt unten mit einem Hotel- und Bürokomplex, gefolgt von Wohnungen für Studenten, einem Parkhaus und weiteren Gewerbebauten. Eingeplant ist auch ein Radweg nach Nürnberg.

17.07.2020 © Visualisierung: P & P-Gruppe


Die Baufortschritte sind nicht zu übersehen. Neben einem Kran ragen zwei Treppenhäuser wie Zahnstümpfe in die Höhe. Sie gehören zu einem Parkhaus, das hier entsteht. Es ist der erste Abschnitt eines Mammutprojekts, von dem Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung sagt: "Eine Baustelle wie diese werden wir in der Innenstadt in den nächsten zehn Jahren nicht mehr haben." Schon deshalb, weil es unbebaute Flächen dieser Größenordnung gar nicht mehr gibt.

Die P & P-Gruppe investiert an der Hornschuchpromenade nach eigenen Angaben gut 180 Millionen Euro, die Arbeiten werden sich über vier bis fünf Jahre erstrecken. Das Parkhaus ist nur der Auftakt. Die Hornschuchpromenade, die man sonst eher mit prächtigen Sandsteinfassaden von Gründerzeithäusern in Verbindung bringt, verläuft auf ihrem letzten Abschnitt Richtung Nürnberg entlang einer schlauchartigen Brachfläche, die lange Zeit unter anderem der Bahn gehörte. Die Stadt betrieb darauf bis vor wenigen Jahren einen Recyclinghof. P & P will das Areal nun füllen.

Zur Jakobinenstraße hin ist ein siebengeschossiger Turm mit einem Gebäuderiegel an den Bahngleisen vorgesehen. In ihn soll ein 120-Betten-Hotel einziehen. Als Betreiber ist – namentlich passend zum Bauherrn P & P – die französische Economy-Hotelkette B & B vorgesehen. In der Nachbarschaft schließen sich Gebäude mit etwa 180 Wohnungen für Studenten sowie Menschen an, die auf dem Gelände arbeiten. In Richtung Nürnberg folgen weitere Gewerbebauten für Forschungseinrichtungen, Hochschulen oder Unternehmen, die eng mit diesen kooperieren möchten.

Bis zu 1000 Arbeitsplätze könnten hier entstehen, sagen die Verantwortlichen. Nach den Worten von P & P-Geschäftsführer Michael Peter haben auch staatliche Institutionen Interesse signalisiert, hierher zu ziehen. Namen möchte er jedoch noch nicht nennen. Dank der U-Bahn-Anbindung (Jakobinenstraße) sei das Gelände aber auch ideal als Wohnort für Studenten, die die neue Uni Nürnberg besuchen werden.

Ganz am Ende, schon fast an der Stadtgrenze, steht der denkmalgeschützte, aber halb verfallene Lokschuppen. Er soll ein selbstverwaltetes soziokulturelles Zentrum für junge Menschen beherbergen. Segnet der Stadtrat diese Pläne im September ab, könnte es in gut zwei Jahren eröffnen, glaubt OB Jung. Um die verschiedenen Nutzungsformen unter einen Hut zu bekommen, hat die Stadt den Bereich zum "urbanen Gebiet" erklärt. Das Bundesbauministerium hat diese Kategorie geschaffen, um unter anderem die Nachverdichtung in Städten zu erleichtern. Kurz gesagt: In einem urbanen Gebiet darf enger und höher gebaut werden. Und es darf lauter zugehen als in anderen Vierteln.

Über Jahre werden sich die Arbeiten hinziehen: Zwei Treppenhäuser fürs künftige Parkhaus auf dem Hornschuch-Campus ragen schon in die Höhe.

17.07.2020 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Apropos Bebauung. Der Baukunstbeirat hatte 2019 heftige Kritik an den P & P-Plänen geübt. Dem Entwurf fehle ein Rahmenkonzept für den gesamten Baustreifen, urteilten die Fachleute und: "Er ist Teil eines Städtebaus, der seine Banalität mit einer beliebigen Klötzchenanhäufung in den Vogelperspektiven zeigt."

Der Stadtrat entscheidet

P &P und seine Architekten von Chapman Taylor hätten danach gleich mehrere Anregungen aufgegriffen, beteuert Michael Peter. Man habe die Struktur etwas "harmonisiert". Außerdem erhalten alle Gebäude eine Dachbegrünung, auch an der Parkhausfassade werden sich Pflanzen emporranken. Am Mittwoch soll der Stadtrat grünes Licht geben für die Pläne sowie den städtebaulichen Vertrag zur Erschließung des Geländes, durch das auch ein Radweg Richtung Nürnberg führen wird.

Warum laufen dann schon jetzt Bauarbeiten? "Es ist nicht ungewöhnlich, vorab Teilgenehmigungen zu erteilen", sagt der Rathauschef. Und dass der Stadtrat sich querstellt, sei nicht zu erwarten. Die große Mehrheit stehe hinter dem Projekt.

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