Keine Kehrtwende

Fürth bleibt bei Nein zum Kärwa-Ersatz

Birgit Heidingsfelder
Birgit Heidingsfelder

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6.10.2021, 14:54 Uhr
Bilder wie dieses wecken wehmütige Erinnerungen an Kärwatage, wie es sie in Fürth bis 2019 gab.

Bilder wie dieses wecken wehmütige Erinnerungen an Kärwatage, wie es sie in Fürth bis 2019 gab. © Hans-Joachim Winckler

An sich war das Herbstvergnügen als Ersatzrummel für die Fürther Kirchweih seit August abgesagt. Als aber das bayerische Kabinett am vorigen Donnerstag, 30. September, Volksfeste unter Beachtung der 3G-Regel ab Oktober prinzipiell zuließ, begann man in Fürth neu über die Frage nachzudenken, ob eine abgespeckte Variante der Kärwa nicht vielleicht doch noch denkbar wäre. Doch nun sind die Würfel gefallen: Der Aufwand, sagte Fürths Wirtschafts- und Kirchweihreferent Horst Müller auf Nachfrage, stehe in keinem Verhältnis zum Ergebnis.

An diesem Dienstag trafen sich die Schaustellerverbände, das städtische Marktamt sowie das Amt für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz zur Krisensitzung unter Müllers Leitung. Dieser berichtet von etwa zweistündigen "sehr konstruktiven" Beratungen, bei denen man zu dem Schluss kam, dass zwar mit der prinzipiellen Erlaubnis von Volksfesten formal das Gesundheitsamt im Einzelfall kein grünes Licht geben müsse.

Faktisch ergäben sich aber keine größeren Änderungen bei den Vorgaben der 14. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung: 3G-Regel, Registrierungspflicht, Maskenpflicht auf Begegnungsflächen.
Heißt, so Müller: Die Stadt müsste die Schauplätze des Herbstvergnügens – vor einem Jahr waren das Bahnhofplatz, große und kleine Freiheit sowie Hallplatz – einzäunen und Security-Leute für die Kontrolle von 3G-Nachweisen und Kontaktdaten-Erfassung engagieren. Ein Aufwand, der sich nach Einschätzung aller Beteiligten nicht lohnt. Für die Schausteller sei ein Herbstvergnügen mit diesem ganzen Drumherum und bei schönem Wetter dann womöglich noch langen Warteschlangen am Eingang nur „mäßig attraktiv“.

Verworfen hat die Runde laut Müller aber auch die Variante „außen streng, innen locker“ nach der neuen 3G-plus-Regel, die im Freistaat jetzt in Clubs und Diskotheken, in der Gastronomie, im Kino, bei Kultur- oder Sportveranstaltungen möglich ist. Dabei werden PCR-Getestete wie Geimpfte behandelt. Im Gegenzug fallen Maskenpflicht, Abstandsregel, gegebenenfalls auch Alkoholverbot und Personenobergrenze.

Das Problem: Ab Montag, 11. Oktober, gibt es Corona-Tests nicht mehr gratis. Wie viel sie kosten, ist noch nicht klar. Man muss aber davon ausgehen, dass die aufwendigeren PCR-Tests, die im Labor ausgewertet werden, teurer sind als Antigen-Schnelltests. Müller sieht hier ein K.-o.-Kriterium fürs Herbstvergnügen, denn: "Wer zahlt, vorsichtig geschätzt, 30 oder wohl eher 50 Euro pro Person, nur um dann mit einer ganzen Familie auf eine Kirchweih zu gehen?“ Mit Blick auf den späten Beschluss des Kabinetts klagt er: "Der Unmut ist groß, dass bei besseren Rahmenbedingungen weniger möglich ist als vor einem Jahr, als eine Impfquote ja noch gar nicht existierte."

Von den infektionsschutzrechtlichen Auflagen abgesehen macht es nach Ansicht aller Beteiligten auch organisatorisch keinen Sinn, jetzt auf die Schnelle noch einen Ersatz für die Michaelis-Kirchweih aus dem Boden zu stampfen. Der zeitliche Vorlauf sei, wie schon befürchtet, einfach zu knapp. Mit 55 Teilnehmern habe das Herbstvergnügen vor einem Jahr seinen Zweck erfüllt. Doch müssten die Schaustellerverbände jetzt ja theoretisch erst klären, ob und wann ihre Mitglieder kommen könnten, das lasse sich nicht übers Knie brechen. Man habe die „begründete Angst“, letztlich eine nur noch kleinere Veranstaltung als 2020 anbieten zu können – und das so spät im Jahr, dass das Herbstvergnügen dann fast schon dem nächsten Sehnsuchtsevent in die Quere kommen könnte: dem Weihnachtsmarkt auf der Freiheit.

Müller ist "ziemlich sicher", dass es den heuer gibt. Im Wirtschaftsministerium berät über Weihnachts- und Christkindlesmärkte am 12. Oktober ein Runder Tisch, der Fürther Kirchweihausschuss hat deshalb seine Sitzung vom 11. Oktober auf den 19. Oktober verlegt und will dann konkrete Pläne schmieden.