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Fürth braucht ein neues Goldenes Buch

Das handgeschöpfte Papier muss Archiv-Qualität haben - 02.08.2019 11:00 Uhr

Sie stellen das neue Goldene Buch für Fürth in filigraner Arbeit her: Matthias Schwethelm zeigt in seiner Werkstatt mit Buchbinderin Sarah Edith Schwerda das bereits fertige Papier. Ab Mitte August wird es gebunden.

31.07.2019 © Hans-Joachim Winckler


Drin ist, wer wichtig ist. Der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt gehört auch in Fürth ganz selbstverständlich dazu, wenn bedeutender Besuch vorbeischaut oder Großes gefeiert wird. Doch selbst den dicksten Büchern gehen irgendwann die Seiten aus. Bei dem Exemplar, das seit dem 4. Juni 1993 im Einsatz ist, sind gerade noch knapp 20 Seiten frei. Die Blätter für das nächste Buch sind aber schon geschöpft.

Eines nimmt Matthias Schwethelm behutsam von einem hohen Stapel und hält es gegen das Licht. Zart schimmert das Wappen der Stadt darauf, ein dreiblättriges Kleeblatt, das auf jeder Seite zu finden ist. Nach althergebrachter Methode hat der 37-Jährige die Blätter in Handarbeit in seiner Werkstatt, dem Papieroffizin in der Langen Straße, gefertigt. Sein Können beruht auf dem fast vergessenen Wissen um eine traditionelle Kunst, die sich der Mann, der von Haus aus Buchwissenschaftler ist, vor vielen Jahren angeeignet hat.

Für den Auftrag der Stadt, das nächste Goldene Buch herzustellen, hat sich Schwethelm zunächst mit Grundsätzlichem beschäftigt. "Das Papier muss natürlich Archiv-Qualität haben", erklärt er. Unter dieser Prämisse entwickelte er eines seiner "bisher aufwändigsten Rezepte überhaupt".

Den nötigen Faser-Brei, der am Anfang jeder Papierproduktion steht, rührte er aus zwei Drittel Leinen und einem Drittel Baumwolle an. Hochwertige Rohstoffe, zu denen ein Anteil mineralischer Zusatzstoffe wie Kalziumkarbonat hinzugefügt wurden. Das Ergebnis wird gut zu beschreiben sowie holz- und säurefrei sein – ein Garant für lange Haltbarkeit.

Den feinen Brei schöpfte Schwethelm von Hand aus der "Bütte", in der die Masse angerührt wurde, mit einem eigens von ihm gebauten Sieb. Die Größe dieses Siebs bestimmt die Maße des künftigen Papierbogens, außerdem sorgt ein – ebenfalls in Handarbeit – gebogener Draht anschließend für das Kleeblatt-Wasserzeichen.

Die Idee entstand beim "Lesen!"-Festival

Vom Sieb wird der frisch geschöpfte Bogen auf Filz abgelegt – gautschen heißt das in der historischen Fachsprache. Eine große Presse befördert in Schwethelms Werkstatt anschließend mit 300 Bar das überschüssige Wasser aus dem Papier, das nun getrocknet wird. Beschnitten wird nichts, die Blätter haben einen echten "Büttenrand".

Rund 200 Bögen sind auf diese Weise im Format von etwa 44 mal 34 Zentimetern entstanden. Der Auftrag der Stadt, erinnert sich Schwethelm, hat übrigens direkt mit dem Literatur-Festival "Lesen!" zu tun. Zu einer Lesung in seiner Werkstatt kam im vergangenen Herbst unter anderem Susanne Altenberger, bei der Stadt zuständig für Grafik. Prompt nahm eine Idee Gestalt an . . .

Unterschrieben haben auch Merkel, Rau, Kissinger

Altenberger ist es auch, die in edler Kalligrafie die Seiten beschriftet, bevor die jeweiligen Signaturen folgen. Sie erinnert sich: "In dem Buch, das bald in Rente geht, haben zum Beispiel Angela Merkel und Johannes Rau unterschrieben." Gleich dreimal ist Henry Kissinger vertreten, die Spielvereinigung zweimal, 1997 und 2012, ebenso DTM-Sieger Marco Wittmann.

Vor der Premiere des nächsten Exemplars steht freilich noch ein sehr wichtiger Schritt: Es muss gebunden werden, eine Aufgabe, die Sarah Edith Schwerda ab Mitte August übernimmt. Die 33-Jährige studierte Buchkunst in Halle – und wenn sie über ihr Metier spricht, dann wird sofort klar, was für eine sinnliche Fertigkeit das ist. Der Bedeutung des Buches entsprechend, wird sie den aufwendigen "Franzband" arbeiten; Deckel und Buchblock sind dabei fest miteinander verbunden. Das sieht schön aus und verleiht besondere Stabilität.

Üblicherweise wird das Wappen der Stadt stets auf den Einband gedruckt, Sarah Edith Schwerda wird es jetzt unterlegen: "Dann kann man es nicht nur sehen, sondern auch fühlen." Das Äußere wird, nicht zuletzt wegen der Haltbarkeit, aus echtem Leder in einem edlen Grünton sein.

Fragt sich nur noch: Wo bleibt denn da das Gold? Schwethelm und Schwerda verraten: "Das Vorsatzpapier wird Goldsprenkel haben."

Informationen und Kurse bei den beiden Künstlern: www.papieroffizin.de und www.seschwerda.de

Sabine Rempe

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