Fürth: Der Goldene Schwan mausert sich

22.2.2016, 21:00 Uhr
Zum Schmuckstück im Ensemble des Grünen Markts soll das lange verwaiste Gebäude des „Goldenen Schwans“ (oben rechts) wieder werden.

Zum Schmuckstück im Ensemble des Grünen Markts soll das lange verwaiste Gebäude des „Goldenen Schwans“ (oben rechts) wieder werden. © Fotos: Hans-Joachim Winckler

Bis vor kurzem, sagt Fürths Stadtheimatpflegerin, habe ihr das Herz geblutet, wenn sie am „Goldenen Schwan“ vorbeigelaufen ist. Kein Wunder, das Haus an prominenter Stelle steht seit Jahren leer und verfällt zusehends. Dass Karin Jungkunz nun mit anderen Augen auf das Gebäude blickt, hat einen Grund: Die Eigentümergemeinschaft will es grundlegend sanieren. Ein Transparent an der Fassade kündet von dem Vorhaben am Marktplatz, der einst die „gute Stube“ Fürths war, wie Karin Jungkunz sagt. „Die Wohnadresse schlechthin.“

Der „Goldene Schwan“ ist nach ihren Worten Baujahr 1681 und eines der ersten großen Gasthäuser des einstigen Marktfleckens. Händler auf der Route von Frankfurt nach Prag machten hier Station, vor allem wenn sie wussten, dass sie nicht rechtzeitig Nürnberg erreichen würden, bevor die Reichsstadt am Abend ihre Tore schloss. Im langgezogenen Hof des „Schwans“ parkten die Fuhrwerke, konnten die Pferde abgespannt werden. Eine Treppe vor der Eingangstüre gab es damals schon: Somit konnte der Kaufmann vom Wagen steigen, ohne seine Füße auf den damals noch ungepflasterten und mitunter schlammigen Marktplatz setzen zu müssen.

Den Architekten Hermann Keim interessiert die Historie zwar auch, noch mehr beschäftigt ihn aber der bedauernswerte Zustand des Gebäudes, das in der Vergangenheit immer wieder umgestaltet wurde und nun enorme Probleme mit der Statik habe. Der „Schwan“ bleibe zwar stehen, sei aber nicht standfest, so Keim. Deshalb komme man nicht umhin, vom Dach bis zum Erdgeschoss ein Stahlskelett einzuziehen.

Tonnenweise Schutt schaffen die Arbeiter schon jetzt aus dem Gebäude. Alte Kamine werden abgetragen, um später moderne Haustechnik einbauen zu können. „Ein Tal der Tränen hat man bei so einem Projekt immer“, sagt Keim. Für die Eigentümergemeinschaft bekräftigt Günter Lechner, dass sie trotzdem keinen Rückzieher machen wird: „Wer A sagt, muss auch B sagen.“

Wenn alles fertig ist, soll im Erdgeschoss wieder ein Gasthaus einziehen. Im Rückgebäude wäre Platz für eine Mikrobrauerei, die im prächtigen Gewölbekeller Seminare zur Braukunst anbieten könnte. Gesucht wird aber noch ein Brauer.

Im Inneren wird bereits kräftig in die Hände gespuckt.

Im Inneren wird bereits kräftig in die Hände gespuckt. © Fotos: Hans-Joachim Winckler

Als Hindernis erweist sich indes der Bebauungsplan für die Altstadt von 1988: Zum Schutz der Bewohner des Viertels untersagt er neue Kneipen und Gaststätten über das bestehende Angebot hinaus. Um die keinesfalls nur historische Bedeutung des „Schwans“ zu würdigen, will man im Rathaus allerdings eine Ausnahme machen.Der Bauausschuss hat deshalb bereits vor Monaten beschlossen, das Gebäude von den Vorschriften des Bebauungsplans zu befreien.

Im ersten Stock ist Raum für sechs kleine Wohnungen, etwa 30 bis 40 Quadratmeter groß. Junge Erwachsene, die es nicht schreckt, über einem Wirtshaus zu wohnen, seien die Zielgruppe, sagt Architekt Keim. Im zweiten Stock und dem Dachgeschoss sollen über zwei Etagen vier Mansardenwohnungen entstehen, jede zwischen 70 und 80 Quadratmeter groß. Im oberen Teil des Rückgebäudes, das sich nach hinten anschließt, haben zwei weitere Mietwohnungen Platz.

Eine Baugenehmigung liegt immer noch nicht vor, räumt Keim ein, dafür aber schon lange das Okay der Denkmalpflege, im Haus „entrümpeln“ und damit auch modernere Einbauten, wie nachträglich eingezogene Decken, Wände und Böden entfernen zu dürfen.

Falls das städtische Bauamt demnächst grünes Licht geben sollte, werde es nur wenige Wochen dauern, bis Gerüst– und Stahlbauer oder auch Zimmerer in die Hände spucken können. Die ersten Ausschreibungen seien gemacht. Nur eines traut sich Keim nicht zu: Einen Termin für den Abschluss der Sanierung will er partout nicht nennen.

 

17 Kommentare