Fürth: Der Lärmaktionsplan lässt auf sich warten

2.5.2015, 11:00 Uhr
Feste und Kneipen interessieren hier nicht: Beim Aktionsplan geht es allein um den Verkehrslärm.

© Archivfoto: Hans Winckler Feste und Kneipen interessieren hier nicht: Beim Aktionsplan geht es allein um den Verkehrslärm.

Seit einigen Jahren spricht und streitet man in Fürth sehr viel über Lärm – allerdings über eine spezielle Sorte: Wenn Feste gefeiert und Menschen bewirtet werden, dann fällt das in die Kategorie „Freizeitlärm“.

Der EU geht es um etwas anderes: Sie will den Verkehrslärm reduzieren und vor allem das Bewusstsein dafür schärfen, dass ein Großteil der Stadtbevölkerung mit einer belastenden Geräuschkulisse lebt – und das oft rund um die Uhr. Angesichts der Erkenntnis, dass Lärm krank machen kann, nahm die EU das Problem bereits 2002 mit der „Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm“ in Angriff. Doch die Aktionspläne, die größere Städte erstellen sollen, lassen vielerorts auf sich warten. Fürth hinkt nun besonders hinterher.

Vorgesehen war, dass zuerst Städte mit mehr als 250 000 Einwohnern aktiv werden. Für Städte wie Fürth mit mindestens 100 000 Einwohnern sollte der Aktionsplan laut Richtlinie bis Mitte 2013 fertig sein. Aber erst im Frühjahr 2013 standen den Kommunen die dafür nötigen Lärmkarten des Landesamts für Umwelt zur Verfügung. Sie zeigen die berechnete Belastung an Straßen mit mehr als drei Millionen Fahrzeugen pro Jahr.

Umso eiliger hatte es dann das Fürther Umweltamt vor einem Jahr. Rasch wollte man sich der Aufgabe widmen und im ersten Quartal 2015 den fertigen Plan vorlegen. Den „sehr optimistischen“ Zeitplan habe man leider nicht einhalten können, sagte Amtsleiter Jürgen Tölk nun auf FN-Nachfrage. Personelle Engpässe waren dafür ebenso ausschlaggebend wie die Entwicklungen im Gustavstraßenstreit: Mit Umweltingenieurin Gudrun Lohfink verfügt die Behörde über eine Expertin für Immissionsschutz und Schallmessungen. Die „intensive Vorbereitung auf die Mediation“ verschlang viel Arbeitszeit, erklärt Tölk. Lohfink saß später mit am Tisch in München und in Ansbach.

Unterstützung ist nötig

In Sachen Lärmaktionsplanung steht man deshalb noch ziemlich am Anfang und hat erkannt, dass Unterstützung nötig ist. Tölk: „Wir können die nächsten Schritte nicht während des Tagesgeschäfts schaffen.“ Per Ausschreibung soll zeitnah ein erfahrenes Fachbüro gefunden werden.

Zu dessen Aufgaben wird es gehören, auch die Bürger zu fragen, wo und wie der Straßenverkehrslärm ihrer Meinung nach verringert werden muss. Der EU ist es wichtig, dass die Bevölkerung eingebunden wird. Um die Öffentlichkeit zu informieren, wird wohl eine Internetseite eingerichtet werden, wie sie etwa in Nürnberg geschaffen wurde (www.nuernberg-aktiv-gegen-laerm).

Mit Hilfe der Bürger soll das Fachbüro einen Entwurf erarbeiten, der die Situation in Fürth beschreibt und Maßnahmen auflistet, die vor Ort helfen könnten, etwa Temporeduzierungen, geänderte Ampelschaltungen, die den Verkehr flüssiger und damit leiser machen, oder neue Straßenbeläge. Im Fokus stehen vor allem Hauptverkehrsadern.

Allerdings gilt: Im Aktionsplan, der alle fünf Jahre erneuert wird, werden Ziele festgehalten – einen Anspruch, dass vor der eigenen Haustür Abhilfe geschaffen wird, kann keiner daraus ableiten, heißt es aus dem Umweltamt. Welche Maßnahmen umgesetzt werden, entscheidet der Stadtrat.

Auch in den Nachbarstädten ist der Plan noch nicht fertig. In Nürnberg, wo die Erstellung aufwendiger ist, weil mehr Straßen sowie U-Bahn- und Straßenbahn-Strecken zu berücksichtigen sind, konnten die Bürger 2012 erstmals Vorschläge machen. Seit vergangenem Montag liegt ein Entwurf öffentlich aus, zu dem sie Stellung nehmen können. In Erlangen hat man im vergangenen Sommer die Bürger erstmals informiert – zur Auftaktveranstaltung kamen jedoch gerade einmal vier Interessierte.

Schneller ging es vor Jahren in Oberasbach: Auch dort wurde ein Lärmaktionsplan verlangt – hier ging es jedoch nur um einen Abschnitt der vielbefahrenen Rothenburger Straße.

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