Sonntag, 17.11.2019

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Fürth dezimiert seine katholischen Seelsorgebereiche

Demografischer Wandel und veränderte Lebensverhältnisse fordern neue Strukturen - 31.07.2019 16:00 Uhr

Er sei dankbar, dass das Dekanat Fürth in dem Umstrukturierungsprozess erhalten bleibt, sagt der katholische Dekan André Hermany. Vor drei Jahren feierte er in St. Otto in Cadolzburg sein 25-jähriges Priesterjubiläum (Bild) – bald wird sich auch im Alltag der hiesigen Pfarreien manches verändern. © Hans-Joachim Winckler


Die katholische Kirche weiß, was auf sie zukommt: Der demografische Wandel und die veränderten Lebensverhältnisse werden sie weiter herausfordern – und wie! Nicht nur die Zahl der Mitglieder wird weiter zurückgehen. Auch für den Priesterberuf werden sich wohl immer weniger Menschen entscheiden.

So prognostiziert das Freiburger Forschungszentrum Generationenverträge (FZG), dass im Erzbistum Bamberg im Jahr 2035 nur noch 545.000 Katholiken leben werden – heute sind es 684.000. Zugleich rechnet laut dem BR beispielsweise die Erzdiözese München-Freising damit, dass die Zahl der pastoralen Mitarbeiter bis 2030 um 30 Prozent abnimmt.

Wie aber lässt sich mit weniger Personal – und auch mit weniger Kirchensteuereinnahmen – das Netz der Pfarreien, das Gemeindeleben erhalten? Die Frage beschäftigt die katholische Kirche seit mehreren Jahren, das Ergebnis ist eine Schlankheitskur, die nun unmittelbar bevorsteht: Bis Ende September setzt das Erzbistum Bamberg eine umfassende Strukturreform um. Sie wird eine engere Verknüpfung zwischen den Pfarreien bringen und manche Einschnitte.

Konkret sieht das so aus: Das Erzbistum vergrößert seine Dekanate – und verringert damit ihre Zahl von bisher 21 auf nur noch zehn. Und auch die sogenannten "Seelsorgebereiche" – das sind Verbünde, in denen Pfarreien kooperieren – werden größer: Aus 95 Einheiten werden 35. Die bisherigen Pfarreien sollen bestehen bleiben, aber künftig enger zusammenarbeiten und Aufgaben untereinander aufteilen.

Für Fürth bedeutet dies zweierlei: In Stadt und Landkreis Fürth gab es bisher insgesamt sechs "Seelsorgebereiche". Daraus werden zwei: Die katholischen Pfarreien und Gemeinden im Stadtgebiet gehören künftig zum "Seelsorgebereich Fürth-Stadt", die im Landkreis zum "Seelsorgebereich Fürth-Land". Das übergeordnete Dekanat bleibt als eigenständiges jedoch erhalten.

"Wir haben sehr dafür gekämpft, dass wir das Dekanat Fürth behalten", sagt der katholische Dekan André Hermany, "und wir haben es geschafft." Ihm zufolge gab es Überlegungen, Fürth zu einer Einheit mit Erlangen und dem Nürnberger Land zusammenzulegen. Er ist froh, dass es anders kommt: Eine Großstadt brauche ein eigenes Dekanat, findet er. Er sei dankbar, dass er dabei viel Unterstützung erfahren habe. Auch der Oberbürgermeister und der Landrat hätten sich dafür eingesetzt.

Dekan wird neu gewählt

Ob Hermany auch Dekan bleiben darf, wird sich im November zeigen: Die Umstrukturierung im Bistum macht die Neuwahl der Dekane nötig, weshalb Hermany nach dem 31. August nurmehr "kommissarischer Dekan" ist. Er werde sich auf jeden Fall wieder zur Wahl stellen, sagt er, sehr gerne würde er sich weiter in dem Amt engagieren. Gewählt wird der neue Dekan von der Pastoralkonferenz, in der alle pastoralen Mitarbeiter vertreten sind.

Mit Blick darauf, dass er gerne weiter als Dekan tätig wäre, habe er selbst nicht den neuen Posten des "Leitenden Pfarrers" des Seelsorgebereichs angestrebt, sagt Hermany. Leitender Pfarrer des Bereichs Fürth-Stadt wird Markus Goller aus der Pfarrei Christkönig, die damit auch zum Verwaltungssitz wird. Für den Bereich Fürth-Land wurde Matthias Stepper von der Oberasbacher Gemeinde St. Johannes beauftragt, das zentrale Büro wird, so habe es das Erzbistum festgelegt, in Zirndorf angesiedelt sein. Sie sollen den Einsatz des Personals im Verbund koordinieren.

Wie das Bistum betont, bedeute dies nicht, dass nun "XXL-Pfarreien" entstünden. Die einzelnen Pfarreien blieben erhalten, das Gemeindeleben solle lebendig bleiben. Allerdings sagt das Bistum auch: Nicht an jedem Ort könne künftig jedes Angebot aufrechterhalten werden.

Zum 1. September werde der Wandel noch nicht spürbar sein, sagt Hermany, es gebe keine unmittelbaren Stellenkürzungen. Die Veränderungen werden mit der Zeit kommen, wenn Pfarrer in den Ruhestand gehen und Stellen nicht oder anders besetzt werden. In Zukunft aber werden sich Pfarreien abstimmen müssen: bei der Jugendarbeit, bei der Kirchenmusik, bei der Frage, wer welche Beerdigungen übernimmt oder wer wann welchen Gottesdienst anbieten kann. Der Weg zum Sonntagsgottesdienst wird mancherorts länger werden, der Ruf nach dem Ehrenamt lauter, sagt Hermany: "All das werden wir erleben und mit erhobenem Haupt mittragen."

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