Montag, 18.11.2019

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Fürth: Die Ära des Kioski im Babylon endet

Nach neuneinhalb Jahren zieht der finnischer Plattenladen in die Hirschenstraße - 06.07.2016 16:00 Uhr

Martti Trillitzsch, hier vor dem Babylon-Kino, suchte 2002 einen Namen für seinen Plattenladen. „Der Name Kioski war naheliegend, es war das einzig sinnvolle finnische Wort, das für Deutsche auszusprechen war.“ © Foto: Hans Winckler


Christian Ilg musste sich etwas einfallen lassen. Denn seit der Eröffnung des Metroplex im November ist zwar klar: Es gibt in Fürth durchaus genügend Publikum für zwei Kinos. „Aber das Kinderprogramm ist bei uns komplett eingebrochen“, muss sich der Betreiber des Babylon an der Nürnberger Straße eingestehen.

Was nicht verwunderlich ist, schließlich waren Kinderfilme schon zu City-Kino-Zeiten in der Rudolf-Breitscheid-Straße die Domäne von Metroplex-Betreiber Alfred Ach. Ilg versucht nun, diesen Verlust zu kompensieren, indem er seine Gastronomie vergrößert. Und stellt etwa zum Sonntagsbrunch im Kioski, dem zweiten großen Raum im Erdgeschoss, weitere Tische für die Gäste auf.

Bei allem Verständnis war dieser Schritt für Martti Trillitzsch das Signal: „Ich muss etwas ändern“. Die Nutzung als weiteren Gastraum sei für den Kioski an sich kein Problem. Schließlich veranstaltete er hier selbst immer wieder Lesungen und Konzerte. Etwa mit dem Schauspieler und Musiker Marko Haavisto, bekannt aus den Filmen von Aki Kaurismäki, oder den Zeichnungen des Bassisten der Band 22 Pistepirkko.

Doch der Kioski, der mit der Zeit mehr absurde Geschenkartikel wie Pechkekse oder Öltanker- und Bohrinsel-Quartette als Platten verkaufte, ist gleichzeitig auch Trillitzschs Büro. Da ein Tausendsassa wie er aber keine festen Arbeitszeiten hat, um drei Labels, einen Musikverlag und seine eigenen Auftritte zu koordinieren, daneben Veranstaltungen wie das Kultifest in der Badstraße plant, lässt sich das nicht mit einer gastronomischen Nutzung unter einen Hut bringen.

Ohnehin ist es eine Win-win-Situation für Ilg und Trillitzsch. Ende Juli wird der Kioski aufhören, Kooperationspartner „Fachmarie“, ein Geschenkeladen aus der Fürther Straße in Nürnberg, soll weiterhin seine Ware präsentieren dürfen, geöffnet ist parallel zum Barbetrieb. Bei schönem Wetter ist der Eckladen eine kleine Eisdiele, nach den Sommerferien will Ilg den Raum „gastrotechnisch nutzen“, spruchreif sei noch nichts.

Dann, im September, ist auch Trillitzsch an anderer Stelle wieder aktiv. Ein bisschen kleiner, für weniger Miete, mit abgespecktem Sortiment in der Hirschenstraße 33. In einem ehemaligen Frisörladen wird sich der Kioski den Eingang mit dem Nudellokal „Pastarello“ teilen.

Flair eines Lagers

„Die Grundidee bleibt gleich“, sagt der 51-Jährige. 2002, im ersten Domizil in der Schwabacher Straße, öffnete er das Lager eines Web-Shops fürs Publikum mit der Begründung: „Wenn wir das Zeug eh da haben, warum keinen Laden aufmachen?“

Dieses Flair hatte auch der Raum im Babylon und soll auch der in der Hirschenstraße bekommen. Diesmal aber spezialisiert er sich auf die Importschlager aus Finnland wie das Kegelspiel Mölkky, finnisches Birken-Shampoo, hinzu kommen Gläser und Tassen von finnischen Designern. Auch Musik wird es weiterhin geben, aus Skandinavien und von ausgesuchten fränkischen Bands.

Zu Letzteren gehört er auch selbst. Ob solo oder mit seinen Bands The Goho Hobos und The Très Biens – der in Mittelfranken aufgewachsene Sohn einer Finnin scheint momentan einen Lauf zu haben. Zuletzt war er einen Monat lang solo als „Mäkkelä“ auf einer Neun-Länder-Tour von Skandinavien übers Baltikum nach Österreich. „Es war überall proppenvoll“. Schon deshalb will er noch mehr Konzerte geben und die Arbeit in Fürth herunterfahren.

Martin Schano

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