Dienstag, 31.03.2020

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Fürth: Die Biberdämme wurden beseitigt

Kritisches Echo auf Räumaktion im Poppenreuther Landgraben am Talblick - 28.01.2017 10:00 Uhr

Im Sommer 2015 ließ sich der putzige Dammbaumeister noch die Grünkost des Landgrabens schmecken. Gestern wurden die Spuren seines Wirkens beseitigt. © Foto: Beate Lechner


Mit dem Segen des Biberberaters Herbert Schlicht und der städtischen Umweltbehörde haben Tiefbauamtsmitarbeiter drei Dämme beseitigt, die Biber im Bachlauf am Talblick angelegt hatten. Zuvor hatte Schlicht das Revier monatelang beobachtet und festgestellt, dass sich dort kein Tier mehr aufhält. Der Biber sei wohl vertrieben worden, meint er.

Nachdem dort auch keine Wohnburg angelegt wurde, gab der Biberberater grünes Licht für die Räumaktion. Nötig hält sie die Stadtverwaltung, weil der teilweise verrohrte Landgraben zum Abfluss von Regenwasser aus den angrenzenden Wohngebieten dient und deshalb freigehalten werden soll. Der städtische Umweltplaner Jürgen Tölk gibt zu bedenken, dass sich die Biberpopulation selbst reguliert und der Landgraben offenbar kein guter Lebensraum sei, den es zu schützen gilt.

Anders an der Mühltalstraße, wo man einen Biberdamm mit Drainagerohre versehen hat, um ihn erhalten zu können. Durch die kann das Hochwasser abfließen und überflutet dann nicht den nahen Fuß- und Radweg. Auch an der Geißäckerstraße gibt es ein geschütztes Biber-Revier.

Für einen Naturfrevel hält die Räumaktion am Poppenreuther Landgraben gleichwohl der Fürther Naturkundler Gunnar Förg. Er denkt dabei weniger an den Biber als vielmehr an Tiere, die von den Staustufen des Dammbauers profitieren. Zum Beispiel Silberreiher. Sie finden gerade jetzt im Winter in den Wasserlachen lebenswichtige Nahrung. Außerdem habe der Zaunkönig im Reisigdamm des Bibers Unterschlupf gefunden.

Für zu kurz gedacht hält Förg die Frage nach dem Bibervorkommen. Man müsse bei Eingriffen vielmehr das ganze Ökosystem im Blick haben. Diese Ansicht teilt auch Reinhard Scheuerlein. Der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) hält ein flexibleres Reagieren für ratsam. Reines Ordnungsverständnis wie im Fall des Poppenreuther Landgrabens werde der Natur nicht gerecht. Scheuerlein: „Wir sollten auch die kostenlose Biotopgestaltung des Bibers nutzen.“

Viele neue Tiere

Beate Lechner, die neben dem Landgraben wohnt, unterstreicht diesen Aspekt mit eigenen Erfahrungen: „Seit der Biber hier aktiv war, haben wir ganz viele neue Tiere beobachten können. Auch Eisvögel gehörten dazu.“ Lechner hatte fest damit gerechnet, dass der Dammbauer irgendwann wieder zurückkehren würde in das Revier am Talblick. Für das Vorgehen der Stadt hat sie kein Verständnis.

Im Dezember erst hatte, wie berichtet, eine Fällaktion in Zirndorf für Ärger gesorgt. Vorsorglich hatte die Stadtgärtnerei damals rund 20 Weiden und Erlen am Ufer des Banderbachs gefällt, die vom Biber angenagt worden waren und umzufallen drohten. Einen regelrechten Masterplan, der den Umgang mit Biberschäden reglementiert, gibt es auch in Fürth noch nicht, räumt Jürgen Tölk auf FN-Nachfrage ein.

Biberreviere gehören generell zu den artenreichsten Biotopen. Wo immer der Öko-Manager auftritt, nimmt die Vielfalt der Lebewesen sprunghaft zu. Vor allem der natürliche Wasserhaushalt wird unterstützt.

Der Bund Naturschutz bricht mit einer neuen Ausstellung in Fürth eine Lanze für Biber. „Die guten Geister des Wassers“ ist die Schau überschrieben, die am 31. Januar um 18.30 Uhr im Foyer des Stadtmuseums vom nordbayerischen BN-Biberbeauftragten Horst Schwemmer eröffnet wird. Die Schau kann man bis 2. April zu den Öffnungszeiten des Museum betrachten. Der Eintritt ist frei.

Volker Dittmar

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