Fürth: Erinnerungen an die Atomkatastrophe

27.4.2016, 21:00 Uhr
Mit Kerzen formten die Aktivisten ein Radioaktiv-Zeichen auf dem Grünen Markt.

Mit Kerzen formten die Aktivisten ein Radioaktiv-Zeichen auf dem Grünen Markt. © Foto: Kunz

In 13 Ländern, die vom Fallout des Unglücksreaktors betroffen waren und sind – von der Ukraine bis Spanien – wurden am Abend des 25. April Kerzen entzündet, auch auf dem Grünen Markt in Fürth. „Für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ heißt die europaweite Aktionswoche. Trotz wenig frühlingshaftem Wetter sind 40 Frauen und Männer bei der Fürther Kundgebung dabei, von denen sich die meisten wohl noch gut an die dramatischen Wochen im April 1986 erinnern können. Stephan Stadlbauer vom Fürther Bündnis „Atomausstieg JETZT“ erklärt warum sie hier sind: „Wir wollen daran erinnern, dass diese Technologie tausende Opfer gefordert hat.“

Nach Reden von Oberbürgermeister Thomas Jung, Dekan Jörg Sichelstiel und Reinhard Scheuerlein vom BN spricht Zeitzeuge Walentin Jarmola, der nach dem Reaktorunglück zu Aufräumarbeiten im Sperrgebiet abkommandiert worden war. Knapp drei Monate musste der heute 57-Jährige aus Weißrussland wie viele andere als sogenannter Liquidator in Reaktornähe arbeiten. Alle Kameraden wurden verstrahlt, viele starben. „Danke, dass die Deutschen sich an uns erinnern“, sagt Jarmola bescheiden und erinnert auch an die Tschernobyl-Kinder, die zu Kuraufenthalten nach Deutschland eingeladen wurden und werden. „Das hat viele Kinder gerettet.“ Um 21 Uhr wird ein „Radioaktiv!“-Zeichen aus Kerzen entzündet, dazu spielt der Posaunenchor der Wilhelm-Löhe-Gedächtniskirche.

Deutlich mehr Menschen als die stimmungsvolle, fast familiäre Kerzenaktion wird die Aktionswoche mit Zeitzeugengesprächen an den Schulen erreichen. Marga Auer, Koordinatorin für Fürth, Nürnberg und Stein, wünscht sich eine in die Zukunft gewandte Erinnerung für kommende Generationen.

Die Schüler des Heinrich Schliemann-Gymnasiums jedenfalls hatten viele Fragen an Walentin Jarmola. Der findet es gut, dass er jungen Menschen von seinen Erfahrungen erzählen kann. Dass nun ausgerechnet sein Heimatland Weißrussland in die Atomkraft einsteigen will und ein AKW plant, sorgt ihn und Victor Shuk, seinen Übersetzer. Hier ist man da schon viel weiter, ist ihr Eindruck. „Deutschland ist für uns ein gutes Vorbild, wie man andere Energieformen nutzen kann.“

Aber selbst in Deutschland wird die Kernenergie wortwörtlich eine Ewigkeit ein Thema bleiben, mahnen die Atomgegner. In trockenen Tüchern sei die Energiewende auch in Deutschland noch lange nicht – nicht nur wegen der ungeklärten Endlagerung und weil der Ausstieg vielen zu lange dauert: „Wir haben bisher gar keinen richtigen Ausstieg, solange wir immer noch einen Teil der Atomkraftwerke weltweit mit Brennstoff beliefern“, sagt Gisela Hirt von „Mütter gegen Atomkraft“.

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