Fürth: Hat der historische Pavillon doch eine Zukunft?

1.3.2021, 13:45 Uhr
Früher für die Nahversorgung wichtig: Um diesen Pavillon in der Friedenstraße wird gerungen.

Früher für die Nahversorgung wichtig: Um diesen Pavillon in der Friedenstraße wird gerungen. © Hans-Joachim Winckler

Möglicherweise sind die Tage des historischen Holzpavillons nahe der Ludwigbrücke doch noch nicht gezählt. Wie es heißt, zeigen sich die Grundstückseigentümerinnen gesprächsbereit.


Historischer Pavillon an der Friedenstraße: Abriss droht


Das zumindest versicherte nun Baureferentin Christine Lippert im Finanz- und Verwaltungsausschuss, in dem die Grünen per Dringlichkeitsantrag auf den Erhalt des charmanten Bauwerks pochten. An dem Tag, als die FN über den drohenden Abriss berichteten, so Lippert, habe sie bei der Familie nachgefragt und erfahren: "Die Bauherrschaft hat überhaupt noch nicht festgelegt, ob sie das Gebäude abbrechen wird."

Allerdings haben die Eigentümerinnen bereits im November die Stadt über den geplanten Abbruch informiert. Kommt dann binnen vier Wochen kein Widerspruch, dürfen Fakten geschaffen werden.

Im konkreten Fall wurde der geplante Abbruch zweier Gebäude auf dem Grundstück an der Ecke Erlanger Straße und Friedenstraße angezeigt. Weil aber zu prüfen war, ob sie unter den Denkmalschutz fallen, legte die Stadt ihr Veto ein.

Das Hauptgebäude aus dem 19. Jahrhundert – manchen Fürthern ist es als ehemaliges Gasthaus "Il Fiume" ein Begriff – wurde zwischenzeitlich bereits eingeebnet. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte es Ende November mit Verweis auf die fehlende historische Ausstattung und veränderte Grundrisse als nicht erhaltenswert eingestuft. Im Inneren spiegelten sich nicht mehr die Lebens- und Wohnverhältnisse der Entstehungszeit wider, hieß es dazu.

Viel Lob für die Neubau-Pläne

An derselben Stelle wollen die Schwestern, denen das Grundstück gehört und von denen eine in der Immobilienbranche tätig ist, einen in sich verschränkten, zweigeteilten Kubus errichten. Bei einem Pressetermin vor Ort schwärmte Oberbürgermeister Thomas Jung, sogar vom "sonst so kritischen Baukunstbeirat" habe es für die ersten Entwürfe "so viel Lob wie noch nie" gegeben. Der Neubau soll ausschließlich Wohnungen beherbergen und so hoch werden wie die Nachbarbebauung.

Zum Nebengebäude äußerten sich die Münchner Denkmalschutz-Experten im November noch nicht. Ihre Stellungnahme dazu erreichte die Stadt erst kürzlich, Mitte Februar. Das Urteil: Der kleine, 1907 nach Plänen des bekannten Fürther Architekten Leo Gran als Grabsteinlager errichtete Holzpavillon mit den zwei markanten trapezförmigen Schaufenstern sei kein Baudenkmal.

Stadtheimatpflegerin: Pavillon hat städtebauliche Bedeutung

Denn: Von der ursprünglichen Nutzung seien keinerlei bauliche Spuren und im Inneren keine historischen Ausstattungselemente erhalten. Auch lasse die heutige Umgebung mit bis zu 14 Stockwerken hohen Wohnhäusern nicht mehr erkennen, dass hier einmal Zulieferbetriebe des nahen Friedhofs beheimatet waren.

Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz warf dem Landesamt daraufhin Einseitigkeit vor. Es habe "wieder ausschließlich auf die innere Ausstattung verwiesen". Doch habe das kleine Holzbauwerk "durchaus städtebauliche Bedeutung". Solche Pavillons seien früher für die Nahversorgung wichtig gewesen. Im Häuschen in der Friedenstraße wurden bis in die 1970er Jahre Blumen verkauft.

Kann er behutsam versetzt werden?

Auch wenn das Schicksal des Pavillons jetzt reine Privatsache ist: Jungkunz sieht Fürth als "Denkmalstadt" in der Pflicht. Die Stadtheimatpflegerin und die Grünen fordern die Stadt auf, wenigstens zu verhindern, dass der Pavillon dem Erdboden gleichgemacht wird. Ihn behutsam ab- und an anderer Stelle wieder aufzubauen, wäre für sie eine Option. Als Alternativstandort schwebt Jungkunz der Friedhof vor oder der Stadtpark.

Interesse an einer Nutzung haben rasch die United Kiltrunners bekundet, die Senioren und Gehbehinderte kostenlos durch die Stadt chauffieren. Sie suchen für ihre E-Rikschas eine Einstellmöglichkeit - allerdings ist der Eingang wohl nicht breit genug für die Fahrzeuge.

Ein Ortstermin ist geplant

Laut Lippert, die es trotz "schlechter Bausubstanz" schön fände, wenn der Pavillon erhalten bliebe, ist noch alles möglich. In Kürze, ein Datum steht noch nicht fest, soll es einen Ortstermin mit Vertretern des Baureferats, der Stadtheimatpflege und der Eigentümerfamilie geben. Über die Ergebnisse will Lippert im nächsten Bauausschuss am 10. März berichten. Karin Jungkunz zeigt sich "vorsichtig optimistisch".

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