Fürth hat die Quelle-Pleite überwunden

20.10.2012, 22:00 Uhr

© Harald Sippel

Am 19. Oktober 2009 ließ Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg wissen, dass die Rettung des angeschlagenen Versandhändlers gescheitert war. Tausende Arbeitsplätze gingen verloren, allein 2000 in der Kleeblattstadt, ruft Thomas Jung ins Gedächtnis. Anlässlich des Jahrestags der Quelle-Pleite besuchte Fürths Oberbürgermeister am Freitag die Niederlassung von Bureau Veritas in der Heinrich-Stranka-Straße.

Das weltweit tätige Unternehmen übernahm im März 2010 13 Mitarbeiter des ehemaligen Quelle-Instituts für Warenprüfung sowie die komplette Ausstattung (wir berichteten). Inzwischen beschäftigt Bureau Veritas in Fürth 18 Frauen und Männer. Mit maschinellem Einsatz testen sie die Stabilität und Qualität von Möbeln, Matratzen, Fahrrädern, Elektrogeräten und vielem mehr.

Jung verhehlt nicht, dass keinesfalls alle Quelle-Mitarbeiter wieder Arbeit fanden. Er kenne Menschen, die sich wegen der Unternehmenspleite immer noch in psychologischer Behandlung befinden. Andere wiederum haben zwar wieder Arbeit, aber viele nicht in ihrem ursprünglichen Beruf – manche mussten Gehaltseinbußen hinnehmen.

Gut entwickelt haben sich die über die Stadt verstreuten Quelle-Immobilien, nur das Retourenlager in der Waldstraße liegt noch zu einem Teil brach. Der Rest verwandelte sich in 300 neue Wohnungen beziehungsweise in ein Gewerbezentrum. In der ehemaligen Hauptverwaltung sitzt nun das Landesamt für Statistik.

Und Jung hat weitere positive Zahlen: Im dritten Quartal 2009 — also noch vor dem Quelle-Aus — gab es in Fürth 43276 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, inzwischen sind es fast 47000. Diesen Zuwachs habe man zum einen Neuansiedlungen wie dem E-Brief-Callcenter der Post oder der Firma Nordfrost zu verdanken, aber auch dem heimischen Mittelstand, der bei den Arbeitsplätzen im Durchschnitt um rund zehn Prozent zugelegt habe. Und das Handwerk habe ebenfalls viele neue Jobs geschaffen. Lag die Arbeitslosenquote 2009 bei 8,6 Prozent sind es nun 6,5 Prozent. Jung zufolge wird die Stadt in diesem Jahr zum ersten Mal über 50 Millionen Euro Gewerbesteuer einnehmen.

Als Gründe nennt der Rathauschef den Wirtschaftsaufschwung nach der weltweiten Krise sowie die Unterstützung durch die bayerische Staatsregierung, die ein 115 Millionen Euro schweres Strukturprogramm für die Städte Fürth und Nürnberg schnürte, um die Folgen der Quelle-Pleite für den Großraum abzufedern. Offensichtlich mit Erfolg.
 

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