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Fürth jagt Parksünder jetzt auf ganz leisen Sohlen

Die Stadt setzt künftig verstärkt auf Elektroautos in ihrem Fuhrpark - 14.08.2015 06:00 Uhr

Stolz präsentieren Gabriele Amsinger und Matthias Mann von der Verkehrsüberwachung ihre neuen und fast lautlosen Dienstwagen. © Foto: Michael Müller


Ganz vorsichtig rangiert Matthias Mann beim Pressetermin das weiße Auto mit den auffälligen Aufklebern im Innenhof des Rathauses. Es ist fast komplett still, nur die Reifen quietschen beim Lenken auf dem Kopfsteinpflaster leise. Der Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung muss deshalb höllisch aufpassen: „Die meisten Fußgänger hören uns nicht, weil wir so leise sind.“ Seit Donnerstag werden nun Falschparker mit zwei strombetriebenen VW Golf aufgespürt.

Die beiden Wagen sind Nummer 55 und 56 der in der Stadt zugelassenen Fahrzeuge, die ausschließlich von einem Elektromotor angetrieben werden. Zwei weitere gehören dem Ordnungsamt, ab Oktober fahren drei für das städtische Versorgungsunternehmen infra.

Anfang 2014 hat die wöchentlich mit dem OB tagende Referentenrunde festgelegt, dass bei der Anschaffung von Dienstwagen künftig auf Elektroautos zurückgegriffen werden soll. In der Regel werden neue Fahrzeuge gekauft, wenn alte ersetzt werden müssen. Es sei ein „Grundsatzbeschluss“ gewesen, sagt Oberbürgermeister Thomas Jung – allerdings einer, der Ausnahmen vorsieht, wenn „zwingende Gründe“ gegen ein E-Mobil sprechen. So hat die Feuerwehr für Einsatzfahrten einen neuen Kombi mit Verbrennungsmotor bekommen.

Ein E-Golf, wie ihn die Verkehrsüberwachung fährt, würde neu stolze 34 900 Euro kosten. Die Stadt hat die neuen Mobile aber erst einmal für drei Jahre geleast. Mit Strom betankt werden sie ganz bequem in ihrer Garage am Ämtergebäude Süd.

Für die Bürger gibt es in Fürth derzeit drei öffentliche Ladestellen: an der Fürther Freiheit, bei der infra in der Leyher Straße und am Königsplatz, vor dem Sozialrathaus. Diese ist bereits seit längerer Zeit defekt, wird aber in zwei Wochen ersetzt, sagt Josef Pscheidt von der infra: „Wir haben neue Schnellladesäulen bestellt und werden die alten nach und nach austauschen.“

Die Station an der Freiheit wird dabei um 50 Meter versetzt, damit sie bei den diversen Festen nicht stört. Zudem kommen zwei neue Standorte am U-Bahnhof Hardhöhe und in der Nähe des Phönix-Centers hinzu. Bis Jahresende können Kunden dort umsonst tanken, ab 2016 wird dann eine Nutzungsgebühr fällig.

Darüber hinaus bieten manche Geschäfte – beileibe nicht nur Autohäuser – Ladesäulen für ihre Kunden. In 30 Minuten laden sie den Akku bis zu 80 Prozent auf. An der normalen Haussteckdose dauert das wesentlich länger. Gelegentliches Ärgernis für E-Mobil-Fahrer: Die Säulen werden manchmal übersehen, die Parkplätze davor sind dann von normalen Autos blockiert, berichtet Oberbürgermeister Thomas Jung.

Hat der OB eine Ladesäule im Rathausinnenhof? Nein, da steht eine schwarze Limousine mit Hybridantrieb. Kurze Strecken übernimmt ein Elektromotor, für weite Fahrten schaltet sich ein Verbrenner zu. „Ich hatte neulich einen Termin in Passau, da wäre ich mit einem reinen Elektroauto einfach nicht hingekommen“, sagt Jung und deutet auf sein anderes Dienstfahrzeug: ein Fahrrad. „Damit bin ich meistens in der Stadt unterwegs.“ Wer hätte das mittlerweile nicht gewusst?

Die Autos der Verkehrsüberwacher schaffen nach Herstellerangaben immerhin bis zu 190 Kilometer mit einer Ladung. „Im Schnitt sind wir 60 Kilometer am Tag unterwegs“, sagt Mitarbeiter Matthias Mann. Für ihn und seine Kollegin ist es übrigens das erste eigene Dienstfahrzeug. Bislang haben sie nur ausrangierte Wagen aus dem städtischen Fuhrpark erhalten. 

BENJAMIN HUCK

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