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Montag, 20.05.2019

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Fürth löscht Cadolzburgs Durst

Beide Kommunen haben langfristige Kooperation zur Trinkwasserversorgung vereinbart - 25.04.2019 06:00 Uhr

Mit Technik vollgestopft ist das Wasserwerk der Cadolzburger Dillenberggruppe bei Gonnersdorf. Weil die Fürther über genügend Reserven verfügen, können sie in Notzeiten dem Nachbarn jährlich bis zu 150 000 Kubikmeter Trinkwasser liefern. Eine entsprechende Vereinbarung gilt zunächst für 30 Jahre. © Hans-Joachim Winckler


Im Fürther Wasserwerk an der Dianastraße haben Cadolzburgs Bürgermeister Bernd Obst und infra-Geschäftsführer Marcus Steurer einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Damit verpflichtet sich der Kommunalversorger infra zunächst 30 Jahre lang, jährlich bis zu 150 000 Kubikmeter Trinkwasser nach Cadolzburg zu liefern.

Noch heuer wollen die Cadolzburger die technischen Voraussetzungen dafür schaffen und eine etwa drei Kilometer lange Wasserleitung zum Lückenschluss zwischen dem Hochbehälter hinter dem Waldkrankenhaus und Egersdorf in den Boden verlegen. Die infra wiederum muss an ihrem Wasserspeicher eine Pumpstation bauen.

Die Kunststoffleitung mit einem Durchmesser von 15 Zentimetern soll hauptsächlich entlang von Wegen verlegt werden. Um möglichst wenig in den Wald eingreifen zu müssen, nimmt man Umwege in Kauf, weshalb die Leitung länger ist als die Luftlinie.

Gut aufgestellt

1,5 Millionen Euro lassen sich die Cadolzburger die langfristige Absicherung kosten. Was sie dazu veranlasst, sind zunehmende Probleme, die Spitzen beim Wasserverbrauch langfristig sicher abzudecken. Fürth ist mit seinen eigenen Wasserfassungen vergleichsweise gut aufgestellt. Immerhin 57 Prozent ihres Trinkwasserverbrauchs kann die Stadt aus eigenen Brunnen liefern.

Über eine 33 Kilometer lange Rohrleitung wird zudem Donauwasser aus dem Raum Allersberg angezapft. Das zweite Standbein der Trinkwasserversorgung dient dazu, regional begrenzte Versorgungsengpässe abfedern zu können. Luft, um auch den Cadolzburgern noch beispringen zu können, verschafft sich die infra, indem sie ihr Mannhofer Wasserwerk im Knoblauchsland mit einer aufwändigen neuen Wasseraufbereitungstechnik ausrüstet. Dadurch können bislang ungenutzte Ressourcen erschlossen werden.

Chemie stimmt

Cadolzburg bezieht sein Lebenselixier bislang aus fünf eigenen Brunnen sowie vom eigenständigen Wasserzweckverband der Dillenberggruppe und von den Zirndorfer Wasserwerken. Die Dillenberggruppe betreibt Wasserwerke bei Gonnersdorf und Wintersdorf. Seit rund neun Jahren kooperieren die Cadolzburger mit Zirndorf. Die neue Zusammenarbeit mit Fürth soll die Wasserversorgung langfristig absichern. Sie ist nach den Worten von Bürgermeister Bernd Obst eine Alternative zum Bohren weiterer eigener Brunnen.

Voraussetzung für den Zusammenschluss mit Fürth war der Nachweis, dass die Chemie des Trinkwassers beider Kommunen stimmt. Mit Analysen hat man nachgewiesen, dass das Nass im Hinblick auf Trübung, Verkeimung und Korrosion miteinander vereinbar ist.

Wenn alles gut geht, kann Fürther Wasser im Sommer 2020 nach Cadolzburg strömen. Derzeit bereitet die gute Auslastung der Baufirmen Probleme. Es ist nämlich gar nicht so einfach, in absehbarer Zeit eine Firma zu annehmbaren Konditionen für die Arbeiten zu finden.

So gelassen der Wasserwerke-Bereichsleiter Stephan Zeilinger die Fürther Trinkwassersituation einschätzt, er verkennt das Problem der zunehmenden Trockenheit nicht. "Es bräuchte schon sehr viel Regen, um die in den letzten Jahren zurückgegangenen Grundwasserstände wieder gut anzuheben", sagt der Fachmann. An der Alten Veste hat die infra erst 2014 einen zusätzlichen großen Wasserspeicher errichtet. 

Volker Dittmar

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