Fürth plant die Mobilität der Zukunft

9.3.2017, 12:00 Uhr
Autos, Räder, Busse: Ein Verkehrsentwicklungsplan soll skizzieren, wie das Miteinander auf den Fürther Straßen aussehen soll.

Autos, Räder, Busse: Ein Verkehrsentwicklungsplan soll skizzieren, wie das Miteinander auf den Fürther Straßen aussehen soll. © Hans-Joachim Winckler

"Ich sehe, dass niemand eingeschlafen ist", meinte Mobilitätsforscher Werner Brög am Ende seines Vortrags halb zufrieden, halb belustigt. Tatsächlich war die recht trockene Kost, die er präsentierte, auch informativ. Schließlich hat die Firma Socialdata, für die Brög tätig ist, im Auftrag der infra für ihre Analyse "Mobilitätsverhalten in Fürth" über einen längeren Zeitraum 20 000 Einwohner befragt, 2000 sogar in ausführlichen mündlichen Interviews.

Herausgekommen ist ein 2000 Seiten starkes Dokument, dessen Inhalt Brög auf die Länge eines etwa einstündigen Vortrags einzudampfen versuchte. Das Datenmaterial schätzt der Forscher dabei als überaus wertvoll ein. "So eine umfangreiche Auswertung wurde in bislang keiner anderen Stadt gemacht." Untersucht wurde nicht das Stadtgebiet als Ganzes, sondern jeder der 18 Stadtbezirke.

Hier zeigte sich, so Brög, "dass die Ergebnisse unglaublich weit auseinanderklaffen" – ganz gleich, welches Verkehrsmittel betrachtet wurde: zu Fuß, Fahrrad, ÖPNV oder Pkw. Praktisch jeder Bezirk weise gegenüber den anderen Besonderheiten auf. Brög betonte, seine Verhaltensanalyse sei stets aus der Perspektive des Nutzers erhoben worden. Eingehend bewertet wurden verschiedene Variablen wie Sachzwänge – also wenn jemand objektiv keine Alternative zu einem bestimmten Verkehrsmittel hat – über den Grad der Information, Bewertung von Zeit und Kosten bis hin zur ganz persönlichen Einschätzung des Nutzers.

Ein Ergebnis – unter vielen anderen: Der ÖPNV stelle in den Augen der Fürther für zwei Drittel der Wege eine Alternative dar, wovon jedoch nur ein Drittel genutzt werde. "Das ist guter deutscher Durchschnitt", erklärte Brög. Ähnlich sehe es beim Fahrrad aus: Nicht nur in Fürth gebe es eine grundsätzliche Bereitschaft, den Drahtesel zu nutzen, "aber die Leute machen es dann meist doch nicht".

"Die Leute nicht erziehen"

Ob die Stadtverwaltung den VEP nach den Vorlieben der Bevölkerung zu konzipieren gedenke oder der Plan die Fürther zu einem nachhaltigeren Verkehrsverhalten anregen solle, wollte einer der rund 80 Zuhörer in der Innenstadtbibliothek wissen. Baureferent Joachim Krauße antwortete, er rate "dringend davon ab, die Leute erziehen zu wollen". Auch gelte es etwa beim Thema Radfahren, nicht nur Wege zu bauen, sondern verstärkt auf die Motivation der Bürger zu blicken, um Potenziale auszuschöpfen. "Der VEP wird für alle Verkehrsteilnehmer erstellt, niemand soll bevorzugt werden", formulierte er seinen eigenen Anspruch an den Plan.

Matthias Bohlinger vom Stadtplanungsamt ging nach Werner Brögs Fachvortrag noch auf das Prozedere beim VEP ein. Dessen wesentliche Aufgaben seien Analyse, Prognose, Gestaltung, Wirkung und Bewertung als Grundlage für die weitere Bedarfsplanung. Die sei langfristig und strategisch ausgelegt, weshalb die Bevölkerung beispielsweise über das "Forum Verkehr", aber auch über Beratungskreise eng daran beteiligt werden soll. Dies erhöhe die Transparenz, verbessere die Akzeptanz und vergrößere die Chancen für Konsenslösungen.

Weitere Inhalte der Auftaktveranstaltung sowie Informationen über das weitere Vorgehen werden laut Stadtplanungsamt demnächst auf der Portalseite www.fuerth.de/vep veröffentlicht.

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