Fürth: Radler fordern besseres Baustellen-Management

6.4.2017, 20:00 Uhr
Unvorbereitet ausgebremst wurden Radler von Baustellen wie dieser hier an der Einmündung der Meckstraße in die Nürnberger Straße.

Unvorbereitet ausgebremst wurden Radler von Baustellen wie dieser hier an der Einmündung der Meckstraße in die Nürnberger Straße. © Foto: ADFC

Die Stadt ist vor kurzem der Arbeitsgemeinschaft der fahrradfreundlichen Kommunen in Bayern (AGFK) beigetreten. Grünen-Stadtrat Harald Riedel fürchtet allerdings, dass die zahlreichen Baustellen im Stadtgebiet potenzielle Radler vom Umsteigen in den Sattel abhalten könnten.

Seine Fraktion findet es daher wünschenswert, dass die Stadt die Empfehlungen aus dem Leitfaden "Baustellen" der AGFK entsprechend umsetzt. Darin wird beschrieben, wie Radfahrer sicher – und möglichst ohne absteigen zu müssen – an Bauarbeiten vorbeigeführt oder umgeleitet werden. "Es wäre ein Armutszeugnis, wenn Fürth deswegen bei der Prüfung durch die Arbeitsgemeinschaft fällt", meint Riedel. Im Ausschuss stieß er damit jedoch auf Bedenken.

Bürgermeister Markus Braun kann die Befürchtungen nicht teilen: "Das ist schon ein bisschen arg hoch aufgehängt. Wegen der Baustellen werden wir sicher nicht durchfallen." Straßenverkehrsamtschef Hans-Joachim Gleißner verweist darauf, dass die AGFK-Empfehlungen nicht rechtsverbindlich und gerade von privaten Bauträgern nicht immer umzusetzen seien. Antonius Kaiser, der Leiter der städtischen Verkehrsaufsicht, gibt zu bedenken, dass die Prüfung und Einhaltung aller Empfehlungen einen erheblichen zeitlichen Mehraufwand für die Verwaltung bedeuten würde, "wenn wir dann jedes Mal einen Sachverständigen hinzuziehen".

Freie-Wähler-Stadtrat Georg Knorr mahnt eine gewisse Eigenverantwortung bei den Radfahrern an: "Wir können nicht alles regeln, und gewisse Umwege sind eben nicht immer zu vermeiden, um von A nach B zu kommen." Birgit Arnold (SPD) warnt schließlich davor, sich in dem Aspekt Baustellen zu verrennen: "Wir sollten lieber die Voraussetzungen schaffen, um mehr Radwege bauen zu können. Da haben wir genügend Arbeit."

Gefährliche Situationen

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Fürth freut sich indes darüber, dass Fürth als eine der letzten Städte in Bayern der Arbeitsgemeinschaft beigetreten ist und damit den Willen zu einer "menschengerechten und umweltfreundlichen Mobilität dokumentiert". Allerdings sei es dann nur konsequent, wenn die Empfehlungen zum Umgang mit Baustellen auch umgesetzt würden.

Der ADFC sieht hier deutlichen Handlungsbedarf, kam es doch nach seinen Erkenntnissen gerade an Baustellen in der Vergangenheit immer wieder zu vermeidbaren sehr ärgerlichen und gefährlichen Situationen: Mal sollen Radfahrer auf dem Weg in die Arbeit zwischendrin absteigen und das Rad schieben, mal werden sie kurzfristig und bisher häufig ohne ausreichende Sicherung auf die Straße verwiesen, wo die Autofahrer von den plötzlich auftauchenden Radfahrern überrascht wurden.

"Wenn Baustellen von privaten Bauträgern eingerichtet werden, muss die Stadt die Einhaltung der Richtlinien entsprechend kontrollieren. Bei Baustellen soll im Umgang mit Radfahrern und Fußgängern dieselbe Sorgfalt aufgewandt werden, wie wir sie von Verkehrsführungen für den Autoverkehr kennen", meint ADFC-Sprecher Thomas Schwerdtner. Auch im Fahrradklimatest, der alle zwei Jahre vom ADFC durchgeführt wird, ist das Thema Baustellenmanagement der am häufigsten benannte Schwachpunkt in der Stadt Fürth.

Den Baustellen-Leitfaden findet man unter www.agfk-bayern.de

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