Verkehrswende

Fürth soll beim Klimaschutz Gas geben

17.5.2021, 21:00 Uhr
Mehr Rad, weniger Auto: das wollen die Klimaschützer forcieren.

Mehr Rad, weniger Auto: das wollen die Klimaschützer forcieren. © Stefan Hippel

Autos, Lkw und Motorräder erzeugen ein Viertel der klimarelevanten Emissionen hierzulande. Diesen Wert präsentierte Andreas Sauter vom alternativen Verkehrsclub Deutschland (VCD) zu Beginn der Online-Veranstaltung in seinem Impulsreferat. Gleichzeitig aber sei der Verkehr der einzige Sektor, dessen Ausstoß in den zurückliegenden Jahren weiter gewachsen ist.

Viel mehr Fläche

Doch nicht nur die Luft werde belastet. "Autos brauchen im Vergleich zu ihrer Verkehrsleistung viel mehr Flächen als andere", so Sauter. Und Fläche ist in dicht besiedelten Städten seit jeher eine der knappsten Ressourcen. Für den erklärten Fahrrad-Aktivisten ist deshalb klar: Der motorisierte Individualverkehr muss reduziert werden.

Städte wie Freiburg hätten das überzeugend vorgemacht, findet er. "Ich höre zwar immer wieder, dass man Fürth nicht mit Freiburg vergleichen könne, aber für mich ist das ein Totschlagargument", so Sauter. "Schließlich haben die auch einmal aus einer Situation heraus angefangen, die mit unserer vergleichbar ist. Nur eben 20 bis 30 Jahre früher."

Ebenfalls den Weg zu einer anderen Verkehrspolitik geebnet haben Erfurt, Berlin und Anderlecht. Mit Achim Kintzel, Lena Osswald und Susanne Müller-Hübsch berichteten in unterschiedlichen Diskussionsforen drei Aktivisten beziehungsweise Politiker über ihre Erfahrungen.


Klimaneutral bis 2040: Fürths ambitioniertes Ziel kommt an


"Mobilitätsprojekte sind vor allem Kommunikationsprojekte", erklärte etwa Müller-Hübsch, "denn das Planen anderer Verbindungen und das konkrete Aufstellen von neuen Schildern ist ja oft noch das Einfachste." Die Deutsche lebt seit 15 Jahren in Anderlecht, Teil der belgischen Region Brüssel-Hauptstadt, sitzt dort seit 2012 für die Grünen im Stadtrat und ist seit den jüngsten Wahlen zweite Bürgermeisterin.

In diesem Amt verfolgt sie das Ziel, in die seit Jahrzehnten autogerecht konzipierten Stadtviertel "wieder mehr Lebensqualität und Gleichgerechtigkeit unter den Verkehrsteilnehmern" zu bringen. Aktuell setze Anderlecht dies im Viertel Kuregem um. "Wir wollen den Durchgangsverkehr auf die Außenachsen bringen", so Müller-Hübsch, "damit die Wohnviertel mehr Platz, mehr Grün und mehr Ruhe erhalten."

Proteste von Anwohnern

Wie zu erwarten habe es trotz zahlloser persönlicher Gespräche im Vorfeld Proteste von Anwohnern und Händlern gehagelt. "Das sind jedes Mal die gleichen Diskussionen, auch wenn wir viele Beispiele nennen können, bei denen es sehr gut funktioniert", berichtet sie.

Eine Klage "der Autolobby", wie sie sagt, sei allerdings abgewiesen worden. Man habe sich juristisch gut vorbereitet, die angestoßenen Maßnahmen waren laut der "Mobilitätsbürgermeisterin" wasserdicht und legal – woraufhin sich das Gericht mit Verweis auf die Gewaltenteilung für nicht zuständig erklärt habe – denn das sei schließlich Sache von Stadtrat und Verwaltung.

Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden in Anderlecht außerdem etwa 40 Kilometer neue Radwege ausgewiesen. Der Tipp der Kommunalpolitikerin aus Belgien: groß denken und planen. "Wir konzipieren unsere Projekte mittlerweile überambitioniert, um hinterher wieder Zugeständnisse machen zu können."

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