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Fürth soll Plastiktüten den Kampf ansagen

Vorbild Kiel und Roßtal: Grüne fordern Kampagne vom Rathaus — Kommune setzt auf „mündige Bürger“ - 21.04.2016 06:00 Uhr

Einkaufstüten — hier lebende Exemplare, die zur Eröffnung der Neuen Mitte durch Fürth liefen — gehören zum Bummel dazu. Dass sie künftig nicht mehr aus Plastik sind, dafür setzen sich die Grünen ein. © Foto: André De Geare


Das Umweltbundesamt weiß es offenbar ganz genau: 71 Plastiktüten im Jahr verbraucht der Durchschnittsdeutsche. Ein Unding, meinen die Fürther Grünen, schließlich würden fossile Rohstoffe wie Erdöl und darüber hinaus viel Energie benötigt, um sie herzustellen. Weil leider nicht jeder Mensch die Kunststofftaschen ordentlich entsorgt, vermüllen sie die Natur und treiben millionenfach in den Weltmeeren, ohne zu verrotten.

Grünen-Stadträtin Waltraud Galaske glaubt, dass es gerade in Fürth enormes Einsparpotenzial gibt. Beim Einkaufen habe sie den Eindruck gewonnen, „dass bei uns deutlich mehr als 71 Tüten pro Kopf im Jahr verbraucht werden“. Am Donnerstag will die Ökopartei das Thema im Umweltausschuss zur Sprache bringen. Ihr Antrag zielt darauf ab, ein Konzept zu erarbeiten, mit dessen Hilfe Fürth eines Tages zur plastiktütenfreien Stadt wird.

Als gutes Beispiel führen die Grünen Kommunen wie Heidelberg, München und Göttingen an, wo die Bürger bei besonderen Aktionen Plastiktüten gegen Stoffbeutel tauschen durften. Zudem hätten sich in vielen Städten entsprechende Arbeitskreise mit Vertretern der Stadt, Politikern und Geschäftsleuten gebildet. So auch in Kiel, wo die Ratsversammlung im September 2014 den Beschluss fasste, sich auf den Weg zu einer plastiktütenfreien Stadt zu machen.

Man muss aber gar nicht mal in den hohen Norden schauen, es genügt der Blick in den Landkreis Fürth, wo die Marktgemeinde Roßtal seit 2013 gegen die Plastikflut kämpft. In der Nachbarstadt Erlangen wiederum fährt das dortige Umweltamt seit März eine Plakat-Kampagne mit dem Titel „Unverpackt einkaufen“.

Mit ihrem Antrag wollen die Grünen nun erreichen, dass Fürth nachzieht. Zunächst solle geklärt werden, „welche Maßnahmen die Stadt ergreifen kann, um lenkend einzugreifen, ohne gleich mit der Verbotskelle zu winken“. Stadträtin Galaske kann sich sowohl vorstellen, direkt an die Verbraucher zu appellieren, als auch das Gespräch mit dem örtlichen Einzelhandel zu suchen.

Fürths Umweltreferent Christoph Maier hat gegen diese Ideen „grundsätzlich nichts einzuwenden“, sagt er auf FN-Anfrage. Allerdings setzt er nach eigenen Worten „lieber auf die Mündigkeit der Verbraucher und Einzelhändler“. Schon jetzt verlangten viele Fürther Läden Geld für Tüten, was die Nachfrage erwiesenermaßen deutlich senke.

Keine Zeit

Natürlich, so Maier, könne eine Stadt auch mal „Symbolpolitik“ betreiben und beispielsweise Plakate aufhängen oder bei Verbrauchern aktiv für ein Umdenken werben. Allerdings sei sein Amt dafür personell zu schlecht ausgestattet. Er erinnert daran, dass der Posten der Umweltpädagogin im Zuge der großen Sparrunde vor einigen Jahren auf eine Halbtagsstelle reduziert worden ist. Die Frau sei sehr gut ausgelastet, zumal sie sich auch um das Thema Fairtrade-Stadt zu kümmern habe. Was die Kosten betrifft, haben die Grünen bereits einen Vorschlag parat: Wer auch immer sich am Ende um eine Kampagne kümmert, er oder sie könnte – wie der städtische Abfallberater – über die Abfallgebühren finanziert werden. Auf diese Weise würde die Stelle nicht den Haushalt belasten.

Wichtig sei Aufklärung in jedem Fall: „Wir wollen erreichen“, sagt Grünen-Stadträtin Galaske, „dass sich die Leute im Voraus Gedanken machen, wie sie ihre Einkäufe nach Hause transportieren wollen, und in Zukunft eine Einkaufstasche mitnehmen, statt gedankenlos die x-te Plastiktüte an der Kasse zu kaufen.“ 

Johannes Alles

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