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Fürth: Stadtmuseum nicht mehr auf bayerischer Denkmalliste

Landesamt in München begründet späte Entscheidung mit massiven Umbauten - 03.08.2015 06:00 Uhr

Das Gebäude wurde zu stark verändert, finden Denkmalschützer. Sie verweisen unter anderem auf das neue Dach mit seinen Loggien.

© Foto: Hans Winckler


Der Umbau des Gebäudes ab 2005 zählte zu den Leuchtturmprojekten, um die marode Fürther Innenstadt aufzuwerten. Wo bis zum Jahr 2003 Realschüler unterrichtet wurden, baute die Firma P & P auf drei Etagen 44 Eigentumswohnungen. Das Stadtmuseum bezog das Erdgeschoss.

Für den Laien sieht das Gebäude von außen wie ein typischer Fürther Altbau aus der Gründerzeit aus. Das ist er aber nicht mehr, findet das Landesamt für Denkmalpflege. „Nach Auswertung der Ergebnisse einer Ortseinsicht und der Archivmaterialien wurde das Anwesen Ottostraße 2 aus der Denkmalliste gestrichen, da es nicht mehr die Voraussetzungen für ein Einzelbaudenkmal erfüllt“, teilte die Behörde mit Sitz in München auf FN-Anfrage mit. Die Stadt habe man am 16. Juli darüber informiert.

Als Begründung führen die Denkmalschützer an, dass das Gebäude aus dem Jahr 1869 während des Umbaus komplett entkernt und das historische Dachtragwerk abgetragen und durch einen neuen Dachstuhl ersetzt wurde. Zudem habe der Bauträger das „bauzeitliche Erscheinungsbild der Straßenfassaden durch Vergrößerungen und Neusetzungen von Fenster- beziehungsweise Türöffnungen verändert“. Die historische Ausstattung sei vollständig verloren gegangen.

In Bayern gibt es fast 110.000 Baudenkmäler

 Fürths Stadtbaurat Joachim Krauße verteidigt die damaligen Umbaupläne. „Wir mussten schwierige Entscheidungen treffen im Interesse von Nutzung und Erhalt, das ist nun eben die Folge“, sagt er und betont: „Wir haben das ja nicht getan, um die Denkmaleigenschaft aufzugeben, sondern um ein Haus in Nutzung zu bringen.“ Das Landesamt habe damals viele Entscheidungen mitgetragen, das neue Dach sei dann aber zu viel gewesen, erinnert sich Krauße.

Apropos damals: Der Umbau ist einige Jahre her. Warum haben die Denkmalschützer diese Entscheidung derart zeitverzögert gefällt? Nach Angaben der Behörde lief zwischen 2006 und Ende 2014 die sogenannte Nachqualifizierung aller Baudenkmäler im Freistaat. Das heißt, die Gebäude wurden erneut einer kritischen Bewertung unterzogen.

Da es in Bayern – Stand heute – fast 110.000 Baudenkmäler, davon 872 Ensembles, gebe, sei das eine Mammutaufgabe, die entsprechend Zeit benötige. Das heutige Fürther Stadtmuseum nahmen die Prüfer im Mai 2014 in Augenschein – mit den nun mitgeteilten Folgen.

Wie berichtet, hat das Landesamt vor einem Jahr bereits den Sandsteinhäusern Rudolf-Breitscheid-Straße 4, 6, 8 und 10 die Denkmaleigenschaft abgesprochen, weil der Investor MIB sie im Zuge der Arbeiten für den Einkaufsschwerpunkt Neue Mitte im Inneren stark verändert und zum großen Teil entkernt hatte.

Neuer Name ohne Erhard

Das Stadtmuseum verliert übrigens nicht nur seinen Platz auf der Denkmalliste, sondern auch seinen Namenszusatz „Ludwig Erhard“. Da Fürth in nicht allzu ferner Zukunft ein Ludwig-Erhard-Haus bekommt, findet man im Rathaus, dass es verwirrend und von daher nicht sinnvoll sei, wenn das Museum weiter den Namen des früheren Bundeskanzlers und Fürther Ehrenbürgers trage.

Nach einem Stadtratsbeschluss am Mittwoch wird das Haus ab Januar 2016 einfach „Stadtmuseum Fürth“ heißen.

JOHANNES ALLES

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