Fürth sucht Rezepte gegen den Verkehrslärm

3.11.2016, 06:00 Uhr
Auch die Anwohner der Hirschenstraße müssen viel Lärm ertragen. Ihre Lebensqualität könnte sich verbessern, meinen Experten, wenn Autos zwischen Max- und Rosenstraße nicht schneller als 30 km/h fahren dürften.

© Thomas Scherer Auch die Anwohner der Hirschenstraße müssen viel Lärm ertragen. Ihre Lebensqualität könnte sich verbessern, meinen Experten, wenn Autos zwischen Max- und Rosenstraße nicht schneller als 30 km/h fahren dürften.

Mit Hilfe von Lärmkarten, die das Landesumweltamt erstellte, haben die Verantwortlichen - das Umweltreferat der Stadt Fürth und die Dresdner Firma IVAS, die es unterstützt - etliche "Lärmschwerpunkte" im Stadtgebiet ausgemacht. Dort müssen jeweils viele Anwohner mit erheblicher Belastung leben: An der Fassade ihrer Häuser werden teils ganztägig Pegel von deutlich über 65 Dezibel und/oder nachts von über 55 Dezibel erreicht, was sich auf die Gesundheit auswirken kann. (Die Karten geben allerdings keine Auskunft darüber, wie viele der Betroffenen bereits durch gut gedämmte Fassaden oder spezielle Fenster geschützt sind.)

In einem ersten Schritt haben die Experten nun 16 Stellen in den Fokus genommen, an denen es am lautesten ist, und sich Maßnahmen überlegt, die helfen könnten. Unter 67 beziehungsweise 57 Dezibel möchte man den Lärm hier senken. Andere Straßen sollen in den kommenden Jahren folgen; der Aktionsplan muss alle fünf Jahre erneuert werden (mehr zu dem Vorhaben lesen Sie hier). Zu hohe Erwartungen aber sollte niemand haben: Keiner hat einen Anspruch auf die Umsetzung der Maßnahmen. Der Stadtrat muss entscheiden, was er davon für finanzierbar hält.

Überschaubares Interesse

Wenig überraschend ist der Lärm an Fürths Hauptverkehrsadern am größten - und dort ist es am schwersten, ihn zu reduzieren, sagt Martin Schüffler von IVAS. Er stand kürzlich bei einer Infoveranstaltung im Rathaus neben Vertretern der Stadt Bürgern Rede und Antwort. Nur etwa ein Dutzend Fürther waren gekommen. Gut möglich, dass das Vorhaben vielen zu abstrakt scheint. Man muss sich tatsächlich ein wenig durchkämpfen durch den Entwurf des Aktionsplans, der im Umweltamt und im Internet einsehbar ist – doch dann stößt man auf konkrete Maßnahmen, die für die ausgewählten Stellen ins Auge gefasst werden. Einige Beispiele:

Vacher Straße: Es wird empfohlen, zu prüfen, ob sich im Abschnitt zwischen "Am Altengraben" und der Obermichelbacher Straße Tempo 30 machen ließe. Dies würde den Lärm um drei Dezibel reduzieren. Zudem könnte es helfen, Schutzstreifen für Radfahrer zu markieren und bei der Erneuerung der Fahrbahn sogenannten Flüsterasphalt zu verwenden. Für die Stadelner Straße in Mannhof wird im Aktionsplan Ähnliches vorgeschlagen. Untersucht werden sollen in beiden Fällen sowie für den Fischerberg zudem die Auswirkungen einer Westumfahrung beziehungsweise für Mannhof und den Fischerberg auch die einer Nordumgehung von Stadeln.

* Auf der Hardhöhe soll geklärt werden, ob die Soldnerstraße eine Hauptstraße ist oder ob hier Tempo 30 möglich wäre und man mit gestalterischen Möglichkeiten (Begrünung, Fahrbahnbreiten) mehr Ruhe erreichen könnte.

* Im Fall der Hochstraße/Würzburger Straße zwischen Pfeifferstraße und Cadolzburger Straße regen die Experten an, die zulässige Geschwindigkeit nachts testweise auf 30 km/h zu begrenzen. Außerdem könnte der Abschnitt infrage kommen für ein "kommunales Förderprogramm Lärmschutzfenster". Untersucht werden sollte auch, ob man Regelungen für Radfahrer treffen kann, die auch Anwohnern zugute kommen. Die drei Strategien werden auch für die Poppenreuther Straße/Erlanger Straße (Laubenweg bis Ulmenstraße) in Betracht gezogen.

* Zwischen Max- und Rosenstraße soll die Hirschenstraße ausgebaut werden und einer Tempo-30-Zone zugeordnet werden.

Schwabacher Straße: Hier sollte abschnittsweise überprüft werden, ob die Straße vierspurig bleiben soll. Daneben empfehlen die Experten, hier auch über lärmmindernden Asphalt und das Förderprogramm Lärmschutzfenster nachzudenken.

Weitere Schwerpunkte sind die Würzburger Straße in Burgfarrnbach, Kapellenstraße (zwei Abschnitte), Bad-/Theresienstraße, Nürnberger Straße, Hans-Böckler-Straße, Herrnstraße und die Ritter-/Waldstraße.

Die Bürger sollen an der Erstellung des Plans beteiligt werden. Der Entwuft kann unter www.fuerth.de/laermaktionsplan heruntergeladen werden und liegt auch bis Mittwoch, 11. November, in Zimmer 331 des Amts für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz, Schwabacher Straße 170, aus und kann eingesehen werden (Anmeldung unter Tel. 9741493 ist erforderlich). Anregungen und Einwendungen können schriftlich bis 23. November ans Amt oder per E-Mail an laermaktionsplan@fuerth.de geschickt werden.

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