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Donnerstag, 25.04.2019

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Fürth zeigt dem Schwenk die Rote Karte

Mit juristischen und planerischen Mitteln legt die Stadt im Tauziehen um die S-Bahn-Führung nach - 16.09.2011 09:00 Uhr

Ein grünes Sperrgebiet für die Bahn-Planer: Als ökologische Ausgleichsfläche weist die Stadt die Stadelner Hard am Tierschutzhaus (re.) aus. Bei Steinach schiebt sie außerdem ein neues Gewerbegebiet in die Schwenk-Trasse. © Pfrogner


Auf der Stadelner Hard wurde eine ökologische Ausgleichsfläche ausgewiesen und am Rand der Schmalau ein Gewerbegebiet. Diese Möglichkeit hat die Stadt, solange das für Großprojekte dieser Art vorgeschriebene Planungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Nachdem Fürther Untersuchungen nachgewiesen haben, dass die S-Bahn-Führung entlang der Bestandsstrecke wirtschaftlicher ist, bezeichnet Baureferent Joachim Krauße das Überplanen der Schwenk-Trasse als nur folgerichtig.

Ob es auch juristisch Bestand haben wird, lasse sich noch nicht absehen. Denn wenn sich die Bahn mit ihrer umstrittenen Variante durchsetzt, muss die Kommune mit ihren Nutzungsvorstellungen zurückstecken. Andererseits könne der Stadt Inkonsequenz vorgeworfen werden, wenn sie nicht alles daransetzt, der von ihr für besser erachteten Lösung planerisch Rechnung zu tragen.

Unter Verschluss

„Ein paar Tausend Euro“ investiert die Stadt laut Krauße daneben in die juristische Auseinandersetzung mit der Bahn. Es geht dabei um Informationen, die Fürth benötigt, um die Behauptung widerlegen zu können, dass ein Schwenk durch das Knoblauchsland die bessere Variante ist. Wie mehrfach berichtet, weigert sich die Bahn bislang vehement, Berechnungsgrundlagen ihres Modells offenzulegen.

20 Seiten umfasst die Klageschrift der Stadt gegen die Bahn. „Eine Schande“ ist es für Oberbürgermeister Thomas Jung, dass die Kommune Einsicht in so elementare Dinge wie ein schalltechnisches Gutachten, Kostenschätzung und die Planung der Haltepunkte vor Gericht erstreiten muss. Es gebe keinen Grund, der Stadt solche Daten vorzuenthalten — außer, man habe etwas zu verbergen. Die Fürther Klage hat nach Ansicht des Juristen Jung durchaus Aussicht auf Erfolg.

Der noch aus Zeiten des längst verworfenen Plans eines gemeinsamen Gewerbeparks der Nachbarstädte im Knoblauchsland stammende S-Bahn-Schwenk beeinträchtigt nach Auffassung der Stadt Fürth nicht nur die landwirtschaftliche Nutzung, sondern auch weitere gewerbliche Entwicklungsmöglichkeiten östlich des geplanten Möbelhauses Höffner. Gerade im Hinblick auf die sich inzwischen abzeichnende Ansiedlung von Möbel Höffner und Teppich Kibek sieht die Bauverwaltung günstige Bedingungen für weitere gewerbliche Ansiedlungen in der Nähe des geplanten Autobahnanschlusses.

Die seit Jahren von der Stadt gewünschte und jetzt auch vom Petitionsausschuss des Bundestages unterstützte S-Bahn-Führung an der Bestandsstrecke ist laut Krauße abgestimmt mit dem 300-Millionen-Euro- Projekt eines Güterzugtunnels zwischen Doos und Kronach. Fürth legt aus Lärmschutzgründen großen Wert auf die Realisierung dieses Bahnvorhabens. Denn bislang rattern die Güterzüge noch quer durch die Stadt.

Über den zum Tunnelprojekt kurzfristig angesetzten Informationstermin der Bahn am Montag in Nürnberg ist Fürth nicht informiert worden. Krauße geht jedoch davon aus, dass es auch in der Kleeblattstadt eine ähnliche Veranstaltung geben wird. In Nürnberg hat die Bahn, wie berichtet, für ihre Informationspolitik heftige Kritik einstecken müssen.

Zu einer Nervenprobe war in Fürth zuletzt die unter hohem Zeitdruck angesetzte abschließende Erörterung sämtlicher Einwände gegen die Bahnplanung geworden. Im Kulturforum konnten die städtischen Verkehrsplaner schließlich die Argumente der Bahn für den Schwenk in allen Punkten widerlegen.

  

Volker Dittmar

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