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Fürther David pocht auf Familiengeschichte

Breitscheidstraße 12 gehört der fünften Generation: Metallschläger, Tuchhändler, Lehrer - 01.05.2009

Das Haus, das nicht verkauft wird, weil zu viele Erinnerungen daran hängen: 1861 ließ es der Metallschläger Linz erbauen. © Hans-Joachim Winckler


David siegt gegen Goliath. Erlebt man das als Triumph? «Ich habe das nicht als Kampf für mich empfunden», sagt der Hausbesitzer, der im westlichen Mittelfranken lebt, «sondern als Notwendigkeit aus der geschichtlichen Abfolge.» Denn die Breitscheidstraße 12 atmet Familienhistorie: 1861 ließ der Metallschlägermeister Johann Linz, der Ururgroßvater des heutigen Eigentümers, das spätklassizistische Wohnhaus errichten. Dann betrieb der Urgroßvater einen Tuchladen darin, später zog die Großmutter ihre Zwillinge hier auf.

Ein Sohn starb früh, der andere - ein Lehrer - kam 1935 aus der Pfalz zurück, um die kranke Mutter zu stützen. Mit dabei hatte er seine Frau und den dreijährigen Sohn. «Mir ist als Kind immer eingebläut worden, das Haus ist unser wichtigster Besitz», sagt der Eigentümer. Es hat zwei Kriege überstanden - eine Brandbombe warfen Vater und Hausmeister eigenhändig aus dem Haus - und sich gegen zwei Geldentwertungen gestemmt.

25 Jahre lang lebte der heutige Eigentümer darin, bis er nach dem Jura-Studium fortzog. Der Kleeblattstadt fühlt sich der 77-Jährige weiterhin verbunden: «Mein Herz hängt noch an Fürth - und der Spielvereinigung.»

Nicht überzeugend

An einen Verkauf des Hauses habe er - als fünfte Generation - nicht gedacht. Das von der Stadt vorbereitete Gespräch mit Martin Philippen von Sonae Sierra («ein umgänglicher Mensch») konnte ihn nicht überzeugen und schon gar nicht umstimmen. Seine Frau und der Sohn bestärkten ihn in dieser Entscheidung. Dazu kam, dass einige Mieter inständig darum baten, das Haus nicht zu verkaufen. Die Friseurin vom Salon Lissi zum Beispiel, die schon als Lehrmädchen im Haus war.

Außerdem hatte Stadtheimatpfleger Alexander Mayer Kontakt aufgenommen, und die Bürgerinitiative ließ ihm den Entwurf des geplanten Einkaufszentrum zukommen. «Ein schönes neues Gebäude für die Innenstadt», sagt er. Aber dass die ganze Straße nicht mehr begehbar sein soll für normale Leute? Dass sie nachts für Stunden ganz geschlossen wird?

Das stieß dem Juristen auf. Bei den folgenden Verhandlungen sei es vor allem um persönliche Beweggründe gegangen. «Vielleicht ist es für die Firma sogar besser, wenn sie das so nicht verwirklichen kann», sagt der Hausbesitzer.

Ob seine Standhaftigkeit später einmal seinen Ruhm mehren oder aber zur Verdammnis führen wird? Der Fürther David bleibt da gelassen: «Ich glaube nicht, dass ich allein der Schuldige bin.» GABI PFEIFFER 

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