Mittwoch, 01.04.2020

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Fürther Experte: So geht der richtige Obstbaumschnitt

Kreisgartenfachberater Lars Frenzke räumt mit Mythen auf - 21.03.2020 09:26 Uhr

Was muss hier weg, was darf bleiben? Lars Frenzke setzt die Baumschere an. © Annika Fröhlich


Da wäre zum einen die Sache mit dem Hut, der beim Wurf des Gärtners angeblich locker durch die Baumkrone fliegen muss; zum anderen sind da Begriffe wie Königsmörder oder Saftwaage: Der Schnitt von Obstbäumen, und zwar der richtige, wirkt auf den ersten Blick geheimnisvoll. An die Hand nahm deshalb unlängst Kreisgartenfachberater Lars Frenzke die Teilnehmer beim Baumschnittkurs des Heimat- und Gartenbauvereins Ammerndorf – noch bevor die Corona-Krise selbst derlei vereiteln konnte.

Der Apfelbaum im Mittelpunkt des Geschehens wirkt auf den ersten Blick ziemlich unscheinbar. Ein gutes Dutzend Hobbygärtner sind trotz wenig frühlingshafter Temperaturen auf eine Obstwiese am Rande des Dorfs gekommen.

 

Von Rehen angefressen

 

Frenzke hat den Musterbaum schon einmal vor drei Jahren für Anschauungszwecke mit der Astschere bearbeitet – von Rehen angefressen, war damals ein radikaler Schnitt nötig. "Ich erinnere mich noch an die entsetzten Blicke der Teilnehmer", erzählt der Experte schmunzelnd. Ziel war es, herausfinden, wie viel Vitalität der Baum noch hatte.

Das hat sich inzwischen eindrucksvoll gezeigt: Der Apfelbaum ist kräftig gewachsen. Nur ein geschultes Auge kann noch die Schäden am Stamm erkennen. Doch da seitdem niemand mehr pflegerisch Hand angelegt hat, ist nun eine "Nofalloperation" nötig. Dabei sind laut Frenzke auch ungewöhnliche Maßnahmen erlaubt: So schneidet er den Apfelbaum von unten nach oben. Normalerweise empfiehlt er, mit der Spitze zu beginnen. Das Grundgerüst, das aus drei oder vier Ästen besteht, gibt Orientierung bei der Arbeit, ebenso die ideale Gestalt der Krone – wahlweise in Kegel- oder Pyramidenform.

Nach einer theoretischen Einweisung greift Frenzke dann zur Astschere. Er entfernt Wassertriebe und kürzt Triebholz. Ein wichtiges Prinzip beim Schnitt ist die Saftwaage. Das meint: "Die Äste müssen auf der gleichen Höhe abgeschnitten werden, damit sie gleichwertig weiterwachsen können. Frenzke setzt mit der Schere entsprechend an.

Zum Schluss ist die Spitze an der Reihe. Sie sollte stets der eindeutige König sein und am höchsten hinausragen. Sogenannte "Königsmörder", die ihr Konkurrenz machen, werden deshalb entschärft; oder es wird ein neuer König gewählt. Zwar kappt Frenzke die Spitze ebenfalls ein wenig, betont aber: "Wir müssen dem Baum eine gewisse Höhe zugestehen. Deshalb sollte man sich schon beim Pflanzen überlegen, wie viel Platz zur Verfügung steht."

 

Viele Wassertriebe

 

Im Vergleich zu vorher wirkt der Apfelbaum nun plötzlich kahl, sodass eine Teilnehmerin prompt feststellt: "Durch die Krone kann man ja einen Hut durchwerfen, ohne dass er hängen bleibt." Von dieser Gärtnerweisheit hält Frenzke freilich nicht viel: Sie stamme aus dem Erwerbsobstbau, in dem man zwei Mal im Jahr schneide. Deshalb gelte dieser Ratschlag nur, wenn man zusätzlich auch noch im Sommer zur Astschere greife. "Bei so drastischen Maßnahmen bilden sich viele Wassertriebe, die im Sommer ausgerissen werden müssen."

Und auch mit einem anderen Schnitt-Mythos räumt Frenzke auf: Er rät vom Herbstschnitt ab, da die Bäume in dieser Zeit ihre biologische Aktivität herunterfahren und Wunden nicht mehr heilen können. Ein Winterschnitt, wie jetzt im März, wirke anregend, ein Sommerschnitt im Juni dagegen beruhigend.

"Die Frage ist immer: Was braucht der Baum?", sagt Frenzke. Eine Grundregel, die Gärtner in der Wissenschaft des Baumschnitts stets berücksichtigen müssen.

Annika Fröhlich

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