Einkaufszentrum

Fürther Flair-Eröffnung: Das glückliche Ende einer Reise ins Ungewisse

17.9.2021, 19:30 Uhr
Vor dem Startschuss am Freitagvormittag hatten sich schon etliche Neugierige vor dem Flair-Eingang in der Hallstraße versammelt.

Vor dem Startschuss am Freitagvormittag hatten sich schon etliche Neugierige vor dem Flair-Eingang in der Hallstraße versammelt. © Hans-Joachim Winckler

Der erste Eindruck ist verblüffend: Wer das Flair betritt und sich vorarbeitet, erlebt tatsächlich jenen „Wow-Effekt“, mit dem die manchmal etwas zu euphorischen PR-Strategen von Investor P & P immer wieder geworben hatten. Kaum noch wiederzuerkennen ist dieses Einkaufszentrum, alles Dunkel-Muffige, das im angejahrten City-Center aus den 80er Jahren die Stimmung drückte – es ist nach der Runderneuerung wie weggeblasen.

Stattdessen empfängt die Kundschaft ein warmes Ambiente mit Böden und Wandverkleidungen in hellen Eichentönen, dank komplett veränderten Zuschnitts mit Weite und Offenheit – und mit sehr viel Licht. Das fällt, hier schlägt das Herz von Lokalpatrioten höher, noch immer durchs altbekannte Kuppeldach herein. Dank neuer Glasscheiben nun gänzlich ungetrübt.

Nostalgiker wird's freuen: Das markante Glasdach aus City-Center-Zeiten ist dem Einkaufszentrum erhalten geblieben.

Nostalgiker wird's freuen: Das markante Glasdach aus City-Center-Zeiten ist dem Einkaufszentrum erhalten geblieben. © Hans-Joachim Winckler

Wer es seit jeher gewohnt war, wird sich über die Reminiszenz ans City-Center freuen, wer es nie zuvor gesehen hat, wird den Flair-Machern in Ermangelung historischer Kenntnis Respekt zollen für diesen Überdachungs-Coup. Manchen eisernen Traditionalisten wird es aber vielleicht einfach nur die Identifikation mit der schillernden Shopping-Welt erleichtern.

Denn die notorische Fürther Skepsis, sie hielt sich während der gesamten Bauphase. Das werde doch sowieso nichts, war immer wieder zu hören. Und selbst Michael Peter gibt zu, dass ihn schwere, allerschwerste Zweifel sogar befielen, ob das noch wird mit seinem bisher ambitioniertesten Projekt.

Der Chef von Investor und Bauherr P & P, der es 2016 gegen alle Widerstände geschafft hat, die Flächen aus den Händen von 351 einzelnen Eigentümern an sich zu bringen, sagt heute sichtlich bewegt: Er habe „Angst gehabt, den Fehler meines Lebens gemacht zu haben“, und schon ans Aufgeben gedacht.

Zu einer „Reise ins Ungewisse“, ohne klares Ziel, aber mit „Zuversicht und Glaube“ sei man vor fünf Jahren aufgebrochen. Nach herben Rückschlägen mit abspringenden Mietern, dann zu allem Überfluss der Pandemie mit ihren Erschwernissen endete sie nun doch noch in aller Glückseligkeit.

Die ergriff auch Fürths Oberbürgermeister: Das Wort vom Wunder sei zwar überstrapaziert, aber in diesem Fall zutreffend, findet Thomas Jung. Das Flair stehe für die „Vollendung der Einkaufsstadt Fürth“, die zuvor einen „beispiellosen Niedergang“ erlebt habe. „Wir waren die mit Abstand schlechteste Einkaufsstadt Bayerns“, so Jungs drastische Selbsteinschätzung.

Dann kamen Neue Mitte, Hornschuch-Center, Carré, Wochenmarkt – und jetzt eben die Wiederauferstehung des Einkaufszentrums im Herzen von Fürth, die viele nach den desaströsen Turbulenzen im City-Center nicht mehr für möglich hielten.

Hautnah miterlebt hat all das der städtische Wirtschaftsreferent Horst Müller, der über zwei Jahrzehnte hinweg um das Center kämpfte, der aufkeimende Hoffnungen immer wieder fahren lassen musste – und dennoch weiter ans Gelingen glaubte.
Wie es der Zufall so will, hatte der Abreißkalender in seinem Büro just an diesem 17. September den passenden Sinnspruch parat: „Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten“, ist auf dem Blatt zu lesen, das Müller zur Einweihungszeremonie mitbrachte.

Rochen und chinesischer Glücksfisch

Auch Michael Peter würde wohl jederzeit einen Haken hinter diese Erkenntnis setzen. Er hat durchgehalten, jetzt, sagt er, müsse sich das Flair auf dem Markt beweisen. Klappt es mit der Wohnzimmer- und Wohlfühl-Atmosphäre, die die Menschen locken soll, mit dem Mix der 60 Geschäfte, mit unterhaltenden Elementen inklusive Fitness-Fläche und Riesenaquarium samt Rochen und – wie passend – sündteurem chinesischem Glücksfisch?
All das gilt es abzuwarten, der Andrang und die positiven Reaktionen an Tag eins lassen schon mal die Zuversicht wachsen. Die Werbetrommel rührte sicherheitshalber der Rathauschef persönlich: „Kaufen Sie ein, sonst wird die ganze Geschichte nichts“, rief er den Leuten zu.

Kaufen und Verkaufen – dafür ist indes auch P & P bekannt, mit diesem Geschäftsmodell ist das Unternehmen mit Sitz in der Südstadt groß geworden. Wird also auch das Flair schnell den Eigentümer wechseln, wenn der Preis stimmt? Peter winkt, von den FN gefragt, ab. Denn im Fall des Fürther Einkaufszentrums sei er von seinem Grundsatz abgewichen, sich niemals emotional an eine Immobilie zu binden.


Vom City-Center zum Flair: Fürths Einkaufstempel wird wachgeküsst


„Wenn ich das Flair sehe, sehe ich mich“, sagt Peter, von einer Herzensangelegenheit spricht er gern: Die Sportelemente, die Kunstwerke vor den Eingängen und im Inneren, das Design – „das bin alles ich“. Deshalb habe er „keine Ambitionen, zu verkaufen“ – zumindest momentan. Stattdessen werde man „in aller Ruhe schauen: Was braucht Fürth noch, was bringt zusätzliche Frequenz?“

Fünf sogenannte Pop-up-Läden hat P & P mit kurzfristig kündbaren Mietverträgen ausgestattet – auch, um schnell die Pferde wechseln zu können, falls nötig. Und dann wäre da ja noch der bisher unberührte Trakt des alten City-Centers zur Königstraße hin. Er, so Peter, diene mit seinen einigen tausend zusätzlichen Quadratmetern als „Reservefläche“, auf der man nachlegen könne.

1 Kommentar