Einkaufszentrum

Fürther "Flair": Letzter Lückenschluss und neue Perspektiven für die City

15.8.2021, 10:00 Uhr
Auf Eröffnungskurs: Der neu errichtete Zugang zum Einkaufszentrum an der Hallstraße ist ebenso nahezu fertig wie das Pflaster davor für die Verlängerung der Fußgänger- zone bis hinunter zum Stadttheater.

Auf Eröffnungskurs: Der neu errichtete Zugang zum Einkaufszentrum an der Hallstraße ist ebenso nahezu fertig wie das Pflaster davor für die Verlängerung der Fußgänger- zone bis hinunter zum Stadttheater. © Foto: Wolfgang Händel

Es waren die letzten 2000 Quadratmeter, die im künftigen "Flair" noch zu haben waren, und die FN hatten schon Ende Juni vermeldet: Belegen wird sie die Elektronikmarkt-Kette Expert mit einer Filiale. Jetzt hat auch "Flair"-Investor P & P ganz offiziell verkündet: Das Handelsunternehmen, bisher regional mit zwei Niederlassungen in Nürnberg und einer in Schwabach vertreten, hat sich im runderneuerten Einzelhandelskomplex im Herzen von Fürth verdingt.

Eine Überraschung war das für den städtischen Wirtschaftsreferenten Horst Müller zwar nicht mehr, auch er wusste schon länger Bescheid. Aber er wird nicht müde, von einem "absoluten Gewinn" für die City zu sprechen – denn der neue Elektronikmarkt wird nicht nur jenen ersetzen, der in Fürth vor dem Aus steht. Er hat auch noch annähernd die Fläche wie zuletzt die Saturn–Dependance am Kulturforum, bei der Ende September, wie berichtet, mangels Rentabilität die Lichter ausgehen.

Fürth wird also keinen Tag ohne einschlägiges Angebot bleiben. Denn bereits zwei Wochen vorher, am 17. September, öffnet das "Flair" mit seinen 60 Geschäften – darunter nun auch Expert im zweiten Untergeschoss, neben der künftig erweiterten Parkfläche – seine Pforten. Müller nimmt das mit hörbarer Erleichterung zur Kenntnis; Fürth wäre andernfalls, wie er sagt, "die einzige Großstadt in Deutschland ohne Elektronik-Fachmarkt" gewesen.

Apropos einmalig in Deutschland: Dieses Gütesiegel darf sich das "Flair" auf die Fahnen heften. Nach Müllers Recherchen eröffnet im Corona-Jahr 2021 in der ganzen Republik kein anderes Einkaufszentrum. Der Wagemut in dem auch ohne Pandemie schon heiklen Einzelhandelssektor, erzählt der Fürther Referent, habe neulich auch für großes Hallo unter Fachleuten gesorgt, vor denen er bei einer Tagung in Koblenz sprach.

Müller indes ist nicht bange. Er glaubt fest an das Gelingen des Unternehmens "Einkaufszentrum" in Fürth. Lange Jahre hat er mit großem Eifer um die Wiederbelebung des havarierten City-Centers gerungen, immer wieder gab es herbe Rückschläge. Dass demnächst tatsächlich die Wiedereröffnung in völlig verändertem Gewand gefeiert werden kann – nicht nur Müller dürfte sich angesichts dessen manchmal noch ungläubig die Augen reiben.


Burger, Spielwaren und ein veganer Metzger: Neue Mieter für das Fürther Flair


Der Wirtschaftsreferent ist allen Unkenrufen zum Trotz nicht nur davon überzeugt, dass der Betrieb im Shopping-Center selbst laufen wird, leide das Fürther Zentrum doch trotz Neuer Mitte immer noch unter einem Defizit im Innenstadthandel. Er glaubt auch fest daran, dass die umliegenden Geschäfte in der Fußgängerzone profitieren werden.

Blick in den Randbereich

Entsprechend optimistische Rückmeldungen habe er durch die Bank von Ladenbetreibern bekommen: Viele von ihnen habe die Pandemie hart getroffen, sie erhoffen sich nun eine deutliche Belebung der Einkaufsmeile durch das "Flair".

Was aber auch im Wirtschaftsreferat Sorgenfalten verursacht, ist der Ast der Fußgängerzone, der sich ab dem Dreiherrenbrunnen bis hinunter zur Maxstraße erstreckt. Etwas ab vom Schuss, galt er schon immer als problematisch. Das, weiß auch Müller, könnte sich durch das aufblühende Einkaufszentrum weiter verstärken. Die lukrativen Laufwege nämlich liegen in der Neuen Mitte und von dort aus hinunter Richtung Rathaus, zum "Flair".

"Das nehmen wir ein Stück weit billigend in Kauf", räumt Horst Müller ein – was natürlich nicht heißen solle, dass man nichts dagegen unternimmt. Unter anderem setzen Müller und die Innenstadtbeauftragte Karin Hackbarth-Herrmann auf einen Sonderfonds des Freistaats, der helfen soll, die von Corona gebeutelten Innenstädte aufzupäppeln.

330 000 Euro daraus stehen Fürth zur Verfügung, um Leerstände zu beseitigen und Existenzgründern im Einzelhandel finanziell unter die Arme zu greifen. Das, hofft man im Wirtschaftsrathaus, könnte dem einen oder anderen auch die Entscheidung für den Start in einer Problemzone erleichtern.

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