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Fürther Kino-Clinch: Metroplex hält Konkurrenz auf Trab

Uferpalast und Babylon müssen auch mit Verleiher anders verhandeln - 14.01.2016 06:00 Uhr

Fit für die Zukunft: Seit einem Jahr hat der Uferpalast — hier Thomas Kruppe und Katja Waldhauser von der Kinokooperative Fürth — einen Digitalprojektor. Für Archivklassiker wird weiterhin der 35mm-Apparat (re.) genutzt. Archivfoto: Hans Winckler


„Wir sind nicht mehr der Platzhirsch.“ Ein Satz, der nach Resignation klingen könnte. Bei Christian Ilg klingt er wie: Jetzt erst recht. Dass der neue Sechsender in der Gebhardtstraße, keine fünf Spazierminuten vom Babylon-Kino im Stadtpark entfernt, nun der Größte im Revier ist, sei „extrem herausfordernd. Es macht aber auch extrem viel Spaß, sich auf die Lage einzustellen“.

Ilg, der 2007 als Geschäftsführer des Babylon — zwei Säle, 141 Plätze — antrat und seitdem zahlreiche Filmtheater-Preise einheimste, glaubt, dass neue Leinwände in einem prosperierenden Multiplexkino „gut sind für den Aufbau einer Kinokultur in dieser Stadt“. Trotzdem ist Ilg froh, dass kein zweites Cinecittà, sondern „nur“ das Metroplex mit sechs Sälen auf den Plan getreten ist.

Die geografische Nähe stelle kein Problem dar, „auch das Cineplex und das Manhattan in Erlangen, die dicht beieinander liegen, haben sich eingegroovt“. Eine harte Nuss aber sei das veränderte Verhalten der Verleiher. Die beobachten den vergrößerten Kino-Standort Fürth haargenau und mischen die Karten neu. „Der Kleinere muss flinker sein“, so Ilg über den neuerdings intensivierten „Verleihkontakt“, wie er das spannende wöchentliche Telefonat mit den Disponenten der Filmkonzerne nennt.

In 90 Prozent der Fälle sei eh klar, welches Werk in welchem Haus landet. Der Babylon-Chef: „Das Metroplex ist das starabhängige Kino mit den klassischen Blockbuster-Beeindruckend-Filmen. Wir haben den anspruchsvollen Film, der den Star nicht ausschließt, aber nicht nur auf ihn setzt.“ Das wissen auch die Verleiher. Doch in der Zehn-Prozent-Schnittmengen-Zone hat die Rangelei zwischen Metroplex und Babylon begonnen. Dass Ach („Ich kenne ihn persönlich nicht“) nun ebenfalls Kinderfilme zeigt, ärgert Ilg aktuell nur deshalb kaum, weil es derzeit genügend gute Beiträge gebe, bei denen sich beide Kinos nicht in die Quere kämen.

Rangelei um Tarantino

„Bei Tarantino jedoch“, so Ilg, „hebt halt jeder die Hand.“ Und so entschied der Verleiher, den neuen Film „The Hateful Eight“ des Kultregisseurs zwei Wochen lang exklusiv im Metroplex zu platzieren, das Babylon darf ihn im Original mit Untertiteln (OmU) zeigen. „Aber besser OmU als gar kein Tarantino“, bekennt Ilg, denn: „Wir brauchen populäre Filme zur Querfinanzierung unseres Programms“, zu dem viele Reihen jenseits des Mainstreams zählen – Reihen, die er noch ausbauen will, vorwiegend an den schwächeren Kinotagen Dienstag und Mittwoch.

Auch für das Golden-Globe-gekrönte Rachedrama „The Revenant“ mit Leo DiCaprio bekam das Babylon den Zuschlag, nicht das Metroplex. Warum, weiß der Verleiher: In kleineren Städten gilt „The Revenant“ als Arthouse-Stoff, in größeren als Futter für die XL-Filmpaläste. Im Fürther Fall also: Punkt fürs Babylon.

Ein wichtiger Punkt, denn mindestens zwei Kassenschlager pro Jahr, sagt der Chef, brauche das Kino in der Nürnberger Straße, um wirtschaftlich über Wasser zu bleiben. Doch die Konkurrenz heißt nicht nur Ach, sondern auch Wetter. Der tolle Sommer 2015 bescherte dem Babylon im Vergleich zum Vorjahr einen Besucherrückgang um 4000 auf 37 000. 2016 naht die Fußball-EM, das heißt: Wochen voller Kino-Unlust. Im 40 000er-Bereich, so Ilg, müsse das Babylon bleiben, sonst drohten Probleme. Ende 2015 gingen Ilgs Mundwinkel südwärts, magnetisch waren die Anziehungskraft des Metroplex und des neuen „Star Wars“Epos. Babylonische Leere war die Folge. Aber seit Neujahr laufe es wieder phantastisch, „Kirschblüten und rote Bohnen“ sei ein Kassenhit.

Anspruchsvolle Filmreihen und Nostalgie-Klassiker sind die Spezialität des Uferpalastes im Kulturforum, mit 54 Plätzen und einem Saal seit eh und je zartestes Pflänzchen der hiesigen Kinolandschaft. Von veränderten Besucherzahlen weiß Ingo Oschmann vom Verein Kinokooperative Fürth nichts zu berichten, „die normalen Schwankungen würden derzeit noch jeden von Herrn Ach verursachten Abwärtstrend verdecken“.

Der Uferpalast stehe sowieso nicht in Konkurrenz zum Metroplex, wie anhand der Profile beider Häuser leicht zu erkennen sei. Am Filmprogramm, über das der Verein wöchentlich basisdemokratisch grübelt, werde sich „prinzipiell nichts ändern“. Und: „4K-Technik und Surround-Sound finden Sie mittlerweile auch bei uns.“ Zudem bezweifelt der ironiebegabte Oschmann, „ob die Anreicherung des Kufo-Foyers mit Popcornduft eine Option wäre“.

Am vergangenen Samstag übrigens war Christian Ilg mit seinem Sohn im Metroplex, zum ersten Mal. „Legend“, ein Thriller über Zwillingsgangster. Hat gepasst. „Ein Kino von Grund auf so zu gestalten, wie man möchte, das finde ich toll. Das macht mich wirklich neidisch.“

Matthias Boll

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