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Fürther Kriegsschäden sollen dokumentiert werden

Die Stadtheimatpflegerin und die Verantwortlichen des Internet-Lexikons FürthWiki sammeln Fotos und bitten Bürger um Hilfe - 09.04.2015 17:00 Uhr

Historische Fotografien zeigen das Ausmaß, etwa nach dem Luftangriff vom 8. auf den 9. März 1943 in der Amalienstraße, Ecke Benno-Mayer-Straße. © Stadtarchiv Fürth


Am 19. April 1945, einem Donnerstag, endete der Zweite Weltkrieg in Fürth, als der kommissarische Oberbürgermeister Karl Häupler die Kapitulation erklärte. 15 Luftangriffe hatte die Stadt erlebt, elf Prozent der Bausubstanz war zerstört – im Vergleich mit anderen Orten war das Stadtbild gut erhalten geblieben. Ein Glück für Fürth, sagt Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz. „Wir leben nicht im Disneyland, sondern im Original. Es gibt ganze Straßenzüge, die fast unverändert dastehen.“

Die Spuren, die der Krieg dennoch hinterlassen hat, wollen Jungkunz, ihr Stellvertreter Lothar Berthold und der Trägerverein des Internet-Lexikons FürthWiki dokumentieren – bevor es zu spät ist. Noch seien zahlreiche Zeugnisse zu finden: durch Granatsplitter verursachte Abplatzungen an Gebäuden, Einschusslöcher in Fassaden, die von Kampfhandlungen mit den einrückenden US-Streitkräften künden, Geschosse, die nach Bombentreffern aufgesetzt wurden, aber auch Bunker, die Leben retten sollten, erhaltene Luftschutzzeichen an Hauswänden oder Gedenktafeln, die an Opfer erinnern.

Durch Sanierungen verschwinden diese Spuren zunehmend. Einige Fotos, historische und aktuelle, haben die FürthWiki-Macher unter dem Titel „Relikte des Zweiten Weltkriegs“ bereits zusammengestellt. Mit Hilfe der Bürger soll die Sammlung auf der Internetseite wachsen: Wer Indizien des Krieges an seinem Haus erkennt oder aufschlussreiche alte Fotografien besitzt, soll sich melden, appellieren der Vereinsvorstand und die beiden Stadtheimatpfleger. Jungkunz, die um die Skepsis vieler in Sachen Denkmalschutz weiß, versichert: „Wir erwarten von keinem, dass er eine Plexiglasscheibe vor die Einschussstellen macht und sie konserviert. Uns geht es nur ums Dokumentieren.“ Von Interesse sind für sie auch Häuser wie das in der Luisenstraße 3, dessen mittlerer Teil nach einem Bombentreffer vereinfacht wiederaufgebaut wurde und links und rechts von verschnörkelten historischen Fassaden eingerahmt wird.

Auch Fürth blieb nicht ohne Kriegsschäden. Bis heute sind Splittereinwirkungen an der Fassade in der Theaterstraße 20 zu sehen. © Foto: Horst Linke


Wann und wo Fürth im Krieg beschädigt wurde, lässt sich auf FuerthWiki nachlesen. Dass die Stadt wegen ihrer jüdischen Geschichte verschont worden sei, höre man oft, sagt Jungkunz. Nur: „Es stimmt nicht.“ Dass Fürth vergleichsweise wenig zu Schaden kam, habe man vielmehr der geografischen Lage zu verdanken und der Nähe zu Nürnberg. Süddeutsche Städte waren lange geschützt, weil der Weg für Kampfflugzeuge weit und damit riskant war, sagt auch Kamran Salimi, der dem Vorstand von FürthWiki angehört. Zudem war Nürnberg als Stadt der Reichsparteitage und auch wegen der dort ansässigen kriegswichtigen Unternehmen das wesentlich attraktivere Ziel. Und die Zeit drängte: Bis zum 20. April 1945, dem Geburtstag Adolf Hitlers, habe man Nürnberg einnehmen wollen. Strategische Ziele aber gab es auch in Fürth, wie die Dynamit-Nobel-AG, die Kasernen in der Südstadt und das Gelände der Bachmann & von Blumenthal Flugzeugwerke auf der Hardhöhe.

Wer von Relikten weiß, schickt ein Foto oder einen Hinweis an info@stadtheimatpflege-fuerth.de oder vorstand@fuerthwiki.de 

CLAUDIA ZIOB

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