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Fürther Landwirte bangen um Erntehelfer

Wegen der Krise fehlen in Stadt und Land bis zu 650 Arbeiter - 05.04.2020 10:00 Uhr

Spargelbauern wie Georg Peter aus Oberasbach müssen auf Schüler und Studenten als Erntehelfer zurückgreifen, weil es bisher an Arbeitskräften aus Osteuropa mangelt. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Für die Stadt und den Landkreis Fürth sind die Maschinenringe Fürth mit Sitz in Ammerndorf und Regnitz-Franken (Heßdorf) zuständig. Nach Angaben der beiden Geschäftsführer Rainer Tiefel (Ammerndorf) und Ralf Wagner (Heßdorf) fehlen hier, wenn nach Ostern die Haupterntezeit beginnt, zwischen 400 und 650 Saisonarbeiter insbesondere aus Rumänien.

Zwar haben Betriebe aus dem Knoblauchsland noch kurz vor dem Einreiseverbot am vergangenen Mittwoch ein Flugzeug gechartert und 130 Helfer aus Rumänien eingeflogen. Ob davon auch Gemüsebauern in Sack, Poppenreuth oder Ronhof profitieren, konnte Wagner spontan nicht sagen.

Dass mit Erlaubnis des Bundes jetzt doch bis zu 40 000 Erntehelfer im März und ebenso viele im April eingeflogen werden dürfen, nennt Tiefel einen Hoffnungsschimmer. Es werfe aber auch Fragen auf. Zum Beispiel die, wie viele Leute dann hierher kommen. "Keiner weiß ja, wie die Kontingente verteilt werden." Auch verordnet der Staat den Neuankömmlingen eine betriebliche Quarantäne, sie müssen in den ersten 14 Tagen getrennt von anderen Beschäftigten arbeiten und wohnen. Für die hier üblichen kleineren Betriebe sei das kaum zu stemmen, gibt Tiefel zu bedenken. Es bleibt also vorerst unklar, ob hiesige Landwirte heuer bei der Ernte auf die erfahrenen Kräfte aus Osteuropa zurückgreifen können oder ob sie doch die Angebote Freiwilliger nutzen. Fest steht: Nicht nur die Internet-Plattform www.daslandhilft.de des Bundesverbands der Maschinenringe bringt zurzeit Hilfsangebote und Suchende zusammen. Auch bei den Maschinenringen vor Ort melden sich Leute, die anpacken wollen. Annähernd 100 Interessenten gibt es inzwischen für die Arbeit auf den Feldern in der Stadt und im Landkreis, darunter Schüler und Studenten, Zahntechniker und Fliesenleger.

Tiefel und Wagner freuen sich über das Interesse, weisen aber darauf hin, dass Ungeübten die Arbeit im Freien auch bei schlechtem Wetter und die gebückte Haltung etwa beim Spargelstechen schnell zu schaffen machen können. Erntehelfer bräuchten daher neben ihrer Motivation eine robuste Konstitution und, wieder Beispiel Spargelstechen, ein gewisses Geschick. Tiefel: "Man kann da nicht wild im Boden rumstochern, sonst ist der Spargel nichts mehr wert."

Spargelbauern wie Georg Peter aus Oberasbach, die das weiße Gemüse im Schutz von Folien wachsen lassen, haben schon mit der Ernte begonnen. Wie berichtet, gehen Peter aktuell Schüler und Studenten zur Hand. Für ihr Engagement bekommen sie zehn Euro pro Stunde.

Beim Freilandspargel rechnet Rainer Tiefel je nach Nachtfrösten mit einem Saisonstart in zwei bis drei Wochen, also etwa Mitte April. Im Mai werden dann wohl Tabakpflanzen ausgebracht und dürften "verfrühte" Erdbeeren pflückreif sein.

Die Unwägbarkeiten wegen der Corona-Krise mache viele Landwirte nervös, sagt Tiefel. Für manchen Sonderkulturbetrieb sei eine einzige Ernte entscheidend für den Betriebserfolg des Jahres. Bauern, die vor allem die jetzt lahmgelegte Gastronomie beliefern, überlegten, ob sie überhaupt ernten sollen.

Wagner spricht ebenfalls von einer "gespannten Stimmung", in die sich hie und da Freude über die rege Nachfrage auf Wochenmärkten mischt. "Die Leute kaufen zurzeit gerne bei Selbstvermarktern und unter freiem Himmel ein."

Michael Decker, der auf seinem Wachendorfer Biohof Spargel, Haskap-Beeren und Erdbeeren anbaut, reagiert auf die Krise trotz allem gelassen. Er hofft jetzt, dass seine drei rumänischen Stammkräfte doch noch rechtzeitig zur Spargelernte da sind, könnte aber die ersten Tage zumindest mit der Familie überbrücken. Ansonsten meint er: "Man muss es nehmen, wie es kommt."

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