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Fürther mit Leidenschaft fürs Kino

Zuhause ist, wo dich das Leben lächeln lässt: Der Filmproduzent Wolfgang Latteyer - 09.11.2019 16:03 Uhr

Einen berührenden Doku-Animationsfilm stellt Wolfgang Latteyer in Fürth vor. © Foto: Thomas Scherer


Eigentlich ist es ja ganz einfach. Man zahlt, lässt sich eine ausreichende Menge Popcorn in eine Tüte packen und hockt sich in den Kinosessel. Der Rest ist: Gucken. Wolfgang Latteyers Beziehung zum großen Leinwandmedium war von Anfang an vom Selbermachen geprägt. Der gebürtige Fürther, der heute seine eigene Produktionsfirma in Heidelberg hat, sagt: "Den Kunstfilm habe ich während meiner Schulzeit am Schliemann entdeckt." Von dort bis ins Krawattenhaus waren es nur wenige Schritte.

Als Abiturient wurde Latteyer Mitglied in der Kinokooperative und packte mit an. "Ich hab’ an der Kasse gesessen, den Film vorgeführt. . ." Ziemlich gut in Erinnerung geblieben ist ihm noch der Tag, als der "Räuber Hotzenplotz" auf dem Programm stand. "Die Eltern haben die Kinder gebracht und sind dann weg. Sie hätten gar nicht bleiben können, dafür war es ja damals in dem schmalen Haus in der Schindelgasse viel zu eng." Kino und Kinder? Passt doch prima, sollte man meinen. Aber: "In dem Augenblick, als Gert Fröbe zum ersten Mal ganz groß auf die Leinwand kam, fing das erste Kind an zu weinen. Dann das zweite. . ."

Seither hat Wolfgang Latteyer viele knifflige Film-Aufgaben gelöst. Zunächst organisierte er in Fürth noch den Umzug des Programmkinos vom Krawattenhaus ins heutige Kulturforum mit, das dort seit 1988 als "Uferpalast" Filmkunst jenseits der gewöhnlichen Blockbuster auf dem Programm hat. Latteyer war inzwischen klar geworden, dass Film für ihn mehr als nur ein Hobby ist.

Tolle Zeit in Hollywood

Er wechselte vom Theaterwissenschaftsstudium in Erlangen an die Münchner Filmhochschule und bekam im Anschluss ein Stipendium in den USA, um in Hollywood das Filmgeschäft kennenzulernen. "Eine tolle Zeit", sagt er heute, weiß aber auch: "Man konnte da natürlich viel lernen. Es stellte sich allerdings schnell heraus, wie unterschiedlich die Märkte sind." Zurück in München, begann er dann als Produzent.

Ein Job, dem für viele etwas Nebulöses anhaftet - was sich nicht unbedingt lichtet, wenn Latteyer von seinem Start in der Isarstadt berichtet: "In dieser Produktionsfirma hat man mir einen Schreibtisch und ein Telefon gegeben, und mir war klar: Jetzt musst du was liefern." Ein Prozess, den er so umschreibt: "Ideen entwickeln für Filme, Geld auftreiben, die Fäden zusammenhalten."

Das tut er heute in der eigenen Firma. Sein Schwerpunkt sind "kinofähige Dokumentarfilme". Eine Kategorie, unter die auch "Warum ich hier bin" fällt. Mit der Idee zu diesem 65-Minuten-Doku-Animationsfilm, der in Fürth nun weit vor dem Bundesstart im Februar zu sehen ist, hätten sich die beiden Regisseurinnen Mieko Azuma und Susanne Mi-Son Quester an ihn gewandt. "Ich habe sofort gesagt, dass ich das gerne machen möchte." Der vielleicht schwierigste Punkt in der Umsetzung sei wohl die Suche nach den Protagonisten gewesen – fünf Menschen, die als Kind ihre Heimat verließen und nach Deutschland kamen.

Im Mittelpunkt steht Ahmad, ein Junge aus Syrien. Ihn zu treffen, sagt Latteyer, sei ein Glücksfall gewesen: "Beim abendlichen Yoga bin ich mit einer Lehrerin ins Gespräch gekommen. Als wir über die Filmpläne sprachen, meinte sie, sie kenne da jemanden." Ein langer Genehmigungsprozess folgte; nicht nur Ahmad und seine Familie mussten mit den Dreharbeiten einverstanden sein, auch Schule, Klassenkameraden, Behörden. Zu denen, die mit dem Dokumentarfilmteam sprachen, gehört auch Cacau. Der 38-jährige Fußballer, der unter anderem beim 1. FC Nürnberg spielte und mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde, ist heute Integrationsbeauftragter des DFB.

Bis Mittwoch ist "Warum ich hier bin" im Uferpalast zu sehen, Wolfgang Latteyer ist dabei und gerne zu Gesprächen bereit. Für ihn sind diese Tage "ein bisschen wie ein Heimkommen zu den Startlöchern". Den Dokumentarfilmen will er auch in Zukunft treu bleiben, "weil sie es schaffen können, Poesie im Kopf entstehen zu lassen, die aus der Wirklichkeit gestaltet ist. Denn es geht ja um echte Menschen, wahre Schicksale".

In einem ist er sich sicher: "Poetik ist so wichtig. In jedem poetischen Moment steckt Hoffnung auf eine bessere Welt."

"Warum ich hier bin": Samstag (19 Uhr), Sonntag (18.30 Uhr), Montag (20 Uhr), Dienstag (18 Uhr), Mittwoch (18.30 Uhr), Uferpalast (Kulturforum, Würzburger Straße 2).

SABINE REMPE

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