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Fürther Nostalgie-Kick: Mit dem Flair ist das Eiscafé Gondola zurück

Birgit Heidingsfelder
Birgit Heidingsfelder

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20.9.2021, 21:00 Uhr
„Träumst du? Oder ist das echt?“: Ute und Armin Bock bedeutet es ebenso wie Danica Misíc viel, dass es das Eiscafé Gondola wieder gibt.

„Träumst du? Oder ist das echt?“: Ute und Armin Bock bedeutet es ebenso wie Danica Misíc viel, dass es das Eiscafé Gondola wieder gibt. © Foto: Birgit Heidingsfelder

Danica Misíc (50) konnte in der Nacht vor der Eröffnung keine Ruhe finden. Es war noch so viel zu tun, dazu kamen die Aufregung und die Vorfreude. 1995, vor 26 Jahren, hat die gebürtige Serbin im Eiscafé Gondola im Herzen des City-Centers als Bedienung angefangen. Was sie vorfand, war mehr als ein Café.

Das Gondola auf der Schwabacher Ebene, das es schon seit der Eröffnung des City-Centers 1985 gab, war ein echter Treffpunkt. Dort verabredete man sich, wieder und wieder, Freundschaften entstanden. In den goldenen Zeiten schwirrten acht Bedienungen zwischen den Tischen und der Eistheke hin und her. Die Plätze waren begehrt, oft musste man warten, bis ein Tisch frei wurde.


Treue Gäste im City-Center: Täglich geht's ins Gondola


2015, das arg angejahrte City-Center befand sich längst mitten im Niedergang, übernahm Misíc das Geschäft, sie wurde die dritte Pächterin. Zwischen immer mehr verwaisten Ladenflächen hielt nicht nur sie die Stellung, das taten auch ihre Stammkundinnen und Stammkunden. Zuletzt behielten sie die Jacken an, wenn sie Kaffee tranken, denn das Center wurde in der Endphase nur noch spärlich beheizt.

Ende November 2017 war dann Schluss, das City-Center machte seine Pforten für immer zu. Danica Misíc fand einen Job als Kellnerin am Nürnberger Flughafen. Der Gedanke an ihr Eiscafé ließ sie nicht los, immer wieder fragten Gäste, zu denen sie noch den Kontakt hielt, ob sie nicht neu anfangen wolle. "Ja, wollte ich, aber nur in Fürth und nur hier."

"Ein Kreis ist geschlossen"

Jetzt hat sich für Danica Misíc "ein Kreis geschlossen". Als sie am Eröffnungstag des Flairs in ihr neues Gondola kam und gleich eine ihrer früheren Kundinnen, inzwischen mit Rollator, "im Garten" sitzen sah, wie sie die Service-Zone mitten in der Passage nennt, ging ihr Herz auf und sie fühlte sich einmal mehr wie Zuhause. "Das sind Momente, in denen ich denke: Träumst du? Oder ist das echt?"

Das Ehepaar Bock kann auch noch gar nicht glauben, wie ihm geschieht. Nun sitzen sie wieder hier, neben Birkenstämmen im frisch-grünen Ambiente, trinken Cappuccino, Espresso und schlecken Eis.

Die Buben kommen

"Die Buben sind gleich auf uns zugelaufen", erzählt Ute Bock (81) und meint gestandene Männer: einen Kellner, den Danica Misíc wieder eingestellt hat, und Drazen Misíc (22), den Sohn der Chefin, der heute studiert und vergnügt berichtet, dass er als Schüler Tag für Tag "bei Mama" im Eiscafé vorbeikam.

Auf die Frage, wie sich das für sie anfühlt, im Gondola zu sein, ringt Ute Bock um Worte und antwortet dann: "Ich könnt’ schreien vor Freude." Und ihr Mann Armin meint augenzwinkernd: "Na, wie immer."

Der 74-Jährige überlegt kurz, dann ergänzt er: Es freue ihn sehr, dass in einer Welt, die sich ständig verändert, auch mal was zurückkehrt.

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