Fürther OB zum Lärmstreit: "Eine Grenze ist erreicht"

8.7.2016, 06:00 Uhr
Vertrautes Bild: OB Thomas Jung hat im Laufe des Lärmstreits wiederholt Pressetermine in der Gustavstraße absolviert, hier 2014.

© Hans-Joachim Winckler Vertrautes Bild: OB Thomas Jung hat im Laufe des Lärmstreits wiederholt Pressetermine in der Gustavstraße absolviert, hier 2014.

Zum Pressegespräch hatte Jung am Donnerstag in die Gustavstraße gebeten, um Zahlen zur Bürgerbeteiligung in Sachen Bebauungsplan zu präsentieren. Dreieinhalb Wochen hatten Bürger – aus dem ganzen Stadtgebiet übrigens – Zeit, sich zu äußern.

508 Stellungnahmen gingen Jung zufolge ein. 497 Menschen befürworten nach seinen Worten einen neuen Bebauungsplan, der den gegenwärtig erhöhten Schutz der Anwohner auf das gesetzliche Normalmaß zurückfährt – 42 von ihnen wohnen tatsächlich im Geltungsbereich des Bebauungsplans, also im Areal zwischen König-, Kapellen- und Henri-Dunant-Straße, zwölf davon in der Gustavstraße. Die Stadtspitze hatte vorher die Fürther dazu aufgerufen, sich rege zu beteiligen.

Elf Menschen haben sich nach Jungs Angaben gegen eine Änderung ausgesprochen. „Davon wohnen drei im Geltungsbereich, vier besitzen dort Immobilien“, sagt Jung.

Angesichts von insgesamt 2444 Fürthern, die im Areal leben, für das der Bebauungsplan gilt, sei das sehr wenig. Das Schweigen der allermeisten wertet Jung als stilles Einverständnis zur Änderung des Bebauungsplans: „Wenn man dagegen ist, meldet man sich.“ Die Teilnahme sei anonym gewesen, niemand habe Nachteile befürchten müssen. Klarer, so Jung, könne sich nicht zeigen, dass die fünf Kläger nicht für viele Anwohner sprechen.

"Nicht nur Traditionen, sondern Existenzen bedroht"

Auffallend scharf attackierte er mit seinen Worten die Beschwerdeführer, warf ihnen "Vernichtungswillen" vor. Dass einer der Kläger jüngst im Gespräch mit den FN erklärte, die Stadt sollte Freischankflächen reduzieren und auf die eine oder andere Kneipe verzichten, um die Nachtruhe herzustellen, hat der Rathauschef verbittert zur Kenntnis genommen: „Wenn einer den Kneipen die Freischankflächen nimmt, dann will er sie vernichten.“ Es seien nicht nur Traditionen, sondern Existenzen bedroht, so Jung. Die jüngsten Aussagen des Klägers hätten bei ihm den Eindruck erweckt: „Er wird nicht aufgeben, bis die Kneipen weg sind.“ Deshalb spreche er vom „Vernichtungswillen“.

Mitgebracht hatte Jung eine Liste, die zeigte, dass neun der Lokale in der Gustavstraße und am Waagplatz schon im 17. und 18. Jahrhundert Gaststätten waren. Daneben standen weitere Namen: von Gasthäusern, die längst verschwunden sind und in denen heute Läden zu finden sind. Mit ihren immer weitreichenderen Forderungen, so Jung, bedrohen die  Kläger eine "jahrhundertealte Tradition". Zudem erinnerte der Rathauschef daran, dass in der Gustavstraße kein Weinfest, kein Stadtfest, kein Fürth Festival mehr stattfinden und 2015 auch keine Fußballfeiern mehr genehmigt wurden, der Grafflmarkt bereits von 2 auf 24 Uhr gekürzt wurde.

Dennoch sei die „Klagewut“ ungebrochen, sagte Jung und betonte: "Unsere Standhaftigkeit aber auch.“ Eine Grenze sei erreicht: "Wir können nicht mehr nachgeben“. Wer den Konflikt verfolgt, weiß freilich: Auch bisher hat die Stadt meist erst auf Druck der Gerichte nachgegeben.

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