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Freitag, 14.05.2021

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Fürther Polizei macht Jagd auf Trickbetrüger

Wenn Senioren viel Geld abheben wollen, sollen Bankangestellte im Zweifelsfall den Notruf wählen - 18.04.2021 11:00 Uhr

In der Corona-Pandemie sind ältere Menschen verstärkt zuhause. Das ruft noch mehr Telefonbetrüger auf den Plan.

16.04.2021 © Bodo Marks/dpa


Trickbetrüger haben es zunehmend auf Senioren abgesehen. Mit üblen Maschen – so geben sie sich etwa als Enkel in Not oder vermeintliche Polizeibeamte aus – versuchen die Kriminellen, die alten Menschen um ihr Vermögen zu bringen.


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Laut Michael Dietsch, Leiter der Fürther Kriminalpolizei, steigt die Zahl dieser Fälle nicht nur bundesweit, sondern auch in Fürth. Das habe auch mit der Pandemie zu tun. "Die Leute sind mehr zuhause, dadurch können die Täter sie länger am Telefon halten", sagt er.

Ihm sei es eine "Herzensangelegenheit", den Verbrechern das Handwerk zu legen. Deswegen hat er Ende 2020 veranlasst, dass alle Banken in Fürth und im Landkreis angeschrieben und über die Betrugsmaschen aufgeklärt wurden, mit dem Ziel, die Mitarbeiter zu sensibilisieren. Sie sollen hellhörig werden, wenn Senioren an den Schaltern hohe Bargeldbeträge abheben möchten, sie dann über die gängigen Tricks informieren und im Zweifelsfall die Polizei rufen.

Von Januar bis April wurden dadurch vier Fälle verhindert. Wären die Betrüger erfolgreich gewesen, wären ihre Opfer insgesamt um 158.000 Euro ärmer gewesen.

"Die Menschen sind zutiefst verletzt"

Im Fürther Impfzentrum und den -stationen im Landkreis liegen außerdem Infobroschüren aus, in den öffentlichen Verkehrsmitteln veranschaulichen Videos die Absichten der Gauner. Dieser nicht geringe Aufwand, findet Fürths Polizeichef Bernd Wolf, ist durchaus gerechtfertigt. "Die Menschen zerbrechen zum Teil, wenn sie betrogen werden, sie sind zutiefst in der Seele verletzt", sagt er.

Doch die Präventionsarbeit trägt nicht immer Früchte. Vor wenigen Tagen erst haben falsche Ordnungshüter einen Fürther Senior um viel Geld gebracht. Rückblick: Am Morgen des 9. April klingelt gegen 10.15 Uhr sein Telefon. Der Anrufer gibt sich als Polizist aus, er fragt den Rentner, ob er nicht mithelfen wolle, eine rumänische Diebesbande zu fassen. Erst ist das Opfer skeptisch, doch schließlich überzeugen ihn die Überredungskünste seines Gesprächspartners. Bei seiner Bank in Stadeln hebt er eine fünfstellige Summe ab und steckt das Geld in einen braunen Umschlag.

Am Telefon wird er zum Norma-Parkplatz in der Stadelner Hauptstraße Ecke Werkstraße gelotst. Dort legt er das Paket gegen 13 Uhr auf dem Reifen seines Autos ab, einem grauen Kia, und geht in den Supermarkt. Als er kurze Zeit später zurückkommt, ist das Geld weg.

Jetzt ermittelt das Nürnberger Fachkommissariat für Trickbetrug, das auch für Fälle aus Fürth zuständig ist. Die Polizei sucht Zeugen, die zur Tatzeit auf dem Norma-Parkplatz waren und etwas Verdächtiges beobachtet haben. Melden kann man sich beim Kriminaldauerdienst Mittelfranken, Tel. (09 11) 21 12-33 33.

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Zur Betrugsmasche "falsche Polizeibeamte" hat das Präsidium Mittelfranken ein Video gedreht. Es zeigt, wie die Täter vorgehen und erklärt, wie sich potentielle Opfer vor Betrügereien schützen können. Zu finden ist es auf Facebook unter der Adresse https://fb.watch/1ZK3hM3Ygi

Allerdings machten Telefonbetrüger in Mittelfranken zuletzt nicht nur mit diesem Trick Schlagzeilen: Vermehrt gaben sich Kriminelle am Telefon etwa als Microsoft-Mitarbeiter oder Bankangestellte aus, die EC-Kartendaten abfragten – nicht nur einmal hatten sie damit Erfolg.

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